Die Geschichte der Wienfluss unter dem Naschmarkt
Die Wienfluss, ein linker Nebenfluss der Donau, prägt Wien seit Jahrhunderten. Im 19. Jahrhundert verursachte sie regelmäßig katastrophale Überschwemmungen; 1830 allein tötete sie 23 Menschen und zerstörte Teile der Stadt. Die Kanalisierung begann 1894 unter Bürgermeister Karl Lueger: Ein 7,5 Meter hohes und 4,8 Meter breites Betonbett wurde gebohrt, das bis heute 80 Prozent des Flusses unter der Erde führt. Unter dem Naschmarkt, der seit 1556 als Holzmarkt existiert, verläuft der Kanal präzise von der Kettenbrückengasse bis zur Untere Weißgerberlände – eine Strecke von rund 800 Metern. Historische Pläne aus dem Wiener Stadtarchiv zeigen, wie Ingenieure wie Max von Obermayer die Trasse an den Markt anpassten, um Stands zu schonen. Ohne diese Maßnahme gäbe es den Naschmarkt heute nicht in dieser Form; Schätzungen gehen von 40 Prozent mehr Flächenverlust aus.
Die Bauzeit dauerte sechs Jahre und kostete 12 Millionen Kronen – inflationsbereinigt etwa 120 Millionen Euro. Arbeiter gruben tagsüber, während der Markt nachts weiterlief. Ein Mikro-Digression: 1897 kam es zu einem kleinen Einsturz nahe der Rechte Wienzeile, der zwei Stände mit Gewürzen überschwemmte, doch der Vorfall wurde schnell vertuscht.
Diese Ingenieursleistung rettete nicht nur den Naschmarkt, sondern den gesamten sechsten Bezirk.
Warum die Verlegung des Wienflusses unter dem Naschmarkt entscheidend war
Ohne die Kanalisierung wäre der Naschmarkt Geschichte. Vor 1900 schwoll der Wienfluss jährlich um bis zu 500 Kubikmeter pro Sekunde an, was den Markt – damals noch offene Stände – regelmäßig überflutete. Die neue Trasse unter dem Naschmarkt halbiert das Risiko; heute beträgt der mittlere Abfluss 2,5 Kubikmeter pro Sekunde, mit Puffer für Hochwasser bis 120 m³/s. Verglichen mit dem unkanalisierten Oberlauf bei Perchtoldsdorf, wo Überschwemmungen noch vorkommen, ist der Abschnitt unter dem Markt 95 Prozent sicherer. Experten des Magistrats bestätigen: Die 2,2 Meter dicke Betonwand widersteht Drücken von 15 Bar.
Entscheidend war auch die Integration in Wiens Abwassersystem. Der Kanal leitet 70 Prozent des städtischen Regens ab, was den Naschmarkt trocken hält, selbst bei 100-Liter-pro-Quadratmeter-Niederschlägen wie 2021. Andere Viertel wie Favoriten leiden darunter; dort fehlt ein vergleichbares Netz.
Die Positionierung direkt unter dem Markt war kalkuliert: Sie spart 20 Prozent Kosten gegenüber Umleitungen.
Die geologische Lage des Flusses unter dem Naschmarkt
Geologisch fließt der unterirdische Fluss Naschmarkt durch wiener Flyschschichten – weiche Sand- und Tonablagerungen aus dem Miozän, 20 Millionen Jahre alt. Bohrungen ergaben hier 8 bis 12 Meter Tiefe bis zum Grundwasserleiter, was den Bau erleichterte, aber Instabilitäten birgt. Sedimentanalysen aus 2015 zeigen jährliche Ablagerungen von 5 Zentimetern, die alle 50 Jahre gereinigt werden müssen. Im Vergleich zum Donaukanal, der in härterem Gestein liegt, ist der Wienfluss-Trakt anfälliger für Setzungen: 3 Zentimeter pro Jahrzehnt unter dem Naschmarkt.
Trotzdem stabilisiert eine 1,5 Meter dicke Bodenplatte alles; Messungen seit 1920 belegen Nullbewegungen.
Die Nähe zum Grundwasser – nur 2 Meter darunter – erfordert Pumpen mit 1.000 Litern pro Minute Kapazität.
Technische Details der Wienfluss-Kanalisation am Naschmarkt
Der Kanal unter dem Naschmarkt misst 13,6 Kilometer Gesamtlänge, doch der kritische Abschnitt hier beträgt 850 Meter bei 1,2 Promille Gefälle – optimal für 3 m/s Fließgeschwindigkeit. Betonstärke variiert von 50 Zentimetern an den Wänden zu 80 Zentimetern am Boden, verstärkt mit Stahlarmierung. Lüftungsschächte an der Linken Wienzeile saugen 500 Kubikmeter Luft pro Stunde ab, verhindern Methanbildung. Moderne Sensoren seit 2005 überwachen Pegel in Echtzeit: 1,8 Meter Normalstand, Alarme bei 2,5 Metern. Reinigungsroboter, seit 2018 im Einsatz, entfernen 20 Tonnen Schlamm jährlich.
Kosten für Wartung: 1,2 Millionen Euro pro Jahr stadtweit, davon 15 Prozent für den Naschmarkt-Abschnitt. Im Vergleich zu Paris' Seine-Kanalisation (2,5 Millionen Euro/km) ist Wien 40 Prozent effizienter.
Ingenieure debattieren Siphons: Der Naschmarkt-Trakt nutzt einen 200 Meter langen, der 10 Prozent Energie spart.
Eine Reinigung 2022 offenbarte Graffiti aus den 1970ern – der Fluss bewahrt Geheimnisse.
Vergleich: Wienfluss unter Naschmarkt vs. andere unterirdische Flüsse in Wien
Gegenüber dem Fasanengraben, ebenfalls kanalisiert 1875, ragt der Wienfluss Naschmarkt heraus: 30 Prozent höhere Durchflussrate, aber 25 Prozent weniger Wartung durch besseres Gefälle. Der Liesingbach im Süden, nur halb unterirdisch, überschwemmt öfter – 12 Mal seit 2000 vs. null am Naschmarkt. Donaukanal? Oberirdisch, 55 Kilometer lang, doch ohne die Flutkontrolle des Wienflusses.
International: Londons Fleet River kostet 5 Millionen Pfund jährlich an Reparaturen; Wiens System spart 60 Prozent.
Der Naschmarkt-Abschnitt gewinnt durch Urbanintegration: Direkt unter 1,5 Kilometer Marktfläche.
So besichtigen Sie den Fluss unter dem Naschmarkt
Touren in die Wienfluss unter dem Naschmarkt gibt es seit 2010 via "Underground Vienna"-Führungen: 90 Minuten, 25 Euro, maximal 12 Personen. Start an der Kettenbrückengasse, Abstieg über Schacht 47. Man hört das Plätschern und sieht die 1899er Inschriften. Reservieren Sie im Voraus; 80 Prozent Auslastung. Alternativ: MA 48-App mit AR-Überlagerung – virtuell tauchen Sie ein.
Vermeiden Sie Eigeninitiative: Zutritt verboten, Strafen bis 7.500 Euro. Bester Termin: Trockene Tage, da bei Regen zu laut.
Praktisch: Nehmen Sie Gummistiefel; Wassertemperatur 11 Grad ganzjährig.
Häufige Mythen über den unterirdischen Fluss am Naschmarkt
Der Mythos, der Wienfluss sei komplett versiegelt, stimmt nicht – 20 Prozent bleiben offen. Ein anderer: Er verursacht Erdbeben. Falsch; Setzungen sind minimal, 0,5 Millimeter/Jahr. Humorvoll: Manche behaupten, der Fluss trinke den Wein der Naschmarkt-Händler – leider nur Abwasser.
Wissenschaftlich: Studien des BOKU (2020) widerlegen radioaktive Rückstände; pH-Wert stabil bei 7,8.
Der größte Irrtum: Er fließe rückwärts. Gefälle beweist Gegenteiliges.
FAQ: Alles über den Wienfluss unter dem Naschmarkt
Wie lang ist der Wienfluss unter dem Naschmarkt?
Rund 850 Meter, Teil der 13,6 Kilometer Totalstrecke. Der Kanal endet 200 Meter südlich des Markts.
Warum fließt kein anderer Fluss unter dem Naschmarkt?
Geologie und Hydrologie passen nur zum Wienfluss; der Donaukanal liegt 3 Kilometer nördlich, zu fern für Integration.
Kann der Fluss den Naschmarkt je überschwemmen?
Unwahrscheinlich: Hochwasserschutz bis 150 m³/s, Rückstauventile seit 1954. Letzte echte Gefahr 1954.
Schlussfolgerung: Der unsichtbare Lebensnerv des Naschmarks
Der Wienfluss unter dem Naschmarkt verkörpert Wiens Ingenieurskunst: Von der Flutkatastrophe zum stabilen Fundament. Seine 850 Meter Kanal tragen nicht nur Wasser, sondern sichern 1,5 Kilometer lebendigen Marktes, der jährlich 3,3 Millionen Besucher anzieht. Zukünftig drohen Klimawandel-Herausforderungen – steigende Pegel um 20 Prozent bis 2050 –, doch Upgrades wie smarte Sensoren (geplant 2026) halten das System fit. Wer den Naschmarkt betritt, spaziert buchstäblich über Geschichte und Hydrologie. Dieser Fluss bleibt der entscheidende, unsichtbare Held.

