Die zwei Pole der Reise: Zermatt und St. Moritz im Detail
Wer die Frage nach dem Abfahrtsort stellt, muss sich zunächst für eine Richtung entscheiden. Die klassische Route beginnt in Zermatt, einem autofreien Ort, der nur mit der Matterhorn Gotthard Bahn von Täsch aus erreichbar ist. Der Bahnhof in Zermatt ist ein moderner Knotenpunkt, an dem die schmalspurigen Züge des Glacier Express auf Gleisen bereitstehen, die speziell für die Bewältigung extremer Steigungen ausgelegt sind. Hier beginnt die Fahrt unmittelbar mit einem Blick auf das markante Matterhorn, bevor der Zug in das tiefe Vispertal hinabgleitet. Die Logistik in Zermatt ist straff organisiert; Reisende sollten mindestens 20 Minuten vor Abfahrt am Gleis sein, da das Verladen des Gepäcks und die Platzsuche in den Panorama-Waggons Zeit beanspruchen.
Am anderen Ende der Strecke fungiert St. Moritz als mondäner Startpunkt. Der Bahnhof liegt direkt am St. Moritzersee und ist der Ausgangspunkt für die Reise in Richtung Westen. Wer hier zusteigt, erlebt zuerst die spektakuläre Albula-Linie der Rhätischen Bahn, die zum UNESCO-Welterbe gehört. Diese Teilstrecke ist geprägt von Kehrtunneln und Viadukten, die den Zug ohne Zahnradunterstützung über hunderte Höhenmeter hieven. Die Entscheidung, ob man in Zermatt oder St. Moritz startet, ist oft eine Frage der persönlichen Reiseplanung oder der Verfügbarkeit von Hotelkapazitäten. Ich habe festgestellt, dass die Fahrtrichtung von West nach Ost, also mit Start in Zermatt, oft als die dramaturgisch stärkere empfunden wird, da sich die Landschaft zum Ende hin im Engadin noch einmal massiv weitet.
Technische Raffinessen und die Infrastruktur der Abfahrtsbahnhöfe
Ein entscheidender Aspekt der Glacier Express Abfahrt ist die technische Kooperation zweier Bahngesellschaften: der Matterhorn Gotthard Bahn (MGB) und der Rhätischen Bahn (RhB). Der Wechsel zwischen diesen Systemen findet unbemerkt während der Fahrt statt, doch die Infrastruktur an den Startbahnhöfen spiegelt diese Dualität wider. In Zermatt dominiert die Zahnradtechnik. Die Triebwagen müssen hier enorme Kräfte aufbringen, um die Passagiere sicher durch die steilen Abschnitte des Mattertals zu führen. Die Gleisanlagen sind so konzipiert, dass sie den täglichen Ansturm von Tausenden Touristen bewältigen können, ohne den Charme des Alpendorfes zu zerstören.
In St. Moritz hingegen ist die Situation eine andere. Hier ist der Bahnhof ein Durchgangs- und Kopfbahnhof zugleich, der auch den Bernina Express bedient. Die Abfahrt erfolgt hier meist von den vorderen Gleisen, die einen direkten Zugang zu den luxuriösen Excellence Class Wagen ermöglichen. Es ist wichtig zu verstehen, dass der Glacier Express kein gewöhnlicher Pendlerzug ist. Die Waggons sind klimatisiert und verfügen über riesige Panoramafenster, die bis in die Dachwölbung reichen. Dies führt dazu, dass die Züge an den Abfahrtsbahnhöfen oft schon lange vor der eigentlichen Abfahrtszeit bereitgestellt werden, um das Boarding-Erlebnis zu zelebrieren. Die Pünktlichkeit der Schweizer Bahnen ist hierbei kein Klischee, sondern ein mathematisches Gesetz: Eine Verspätung von nur zwei Minuten bei der Abfahrt kann im dichten Taktfahrplan der eingleisigen Gebirgsstrecken zu erheblichen Verzögerungen führen.
Zustieg in Chur, Andermatt oder Brig: Strategische Alternativen
Obwohl Zermatt und St. Moritz die offiziellen Termini sind, ist es ein weit verbreiteter Irrtum, dass man nur dort zusteigen kann. Strategisch kluge Reisende nutzen oft die Zwischenstationen, um die Reisezeit zu verkürzen oder gezielt bestimmte Streckenabschnitte zu erleben. Chur, die älteste Stadt der Schweiz, ist ein solcher Knotenpunkt. Da Chur tiefer liegt als die Endpunkte, bietet sich hier ein idealer Einstieg für Reisende, die aus Richtung Zürich oder Deutschland kommen. Die Umstiegswege sind kurz, und man spart sich die Anreise in die entlegeneren Hochalpentäler, falls die Zeit knapp ist.
Ein weiterer wichtiger Haltepunkt ist Andermatt. Gelegen im Urserental, markiert dieser Ort den Übergang zum Oberalppass. Wer hier zusteigt, befindet sich sofort im hochalpinen Gelände. Brig wiederum ist der ideale Einstiegspunkt für Gäste, die aus Italien über den Simplonpass kommen oder aus dem Wallis anreisen. Es ist jedoch zu beachten, dass eine Reservierung für den Glacier Express obligatorisch ist, unabhängig davon, ob man die gesamte Strecke oder nur ein Teilstück belegt. Die Kosten für die Reservierung variieren je nach Saison und liegen zwischen 29 und 49 CHF, zusätzlich zum regulären Fahrpreis. Es wäre ein törichter Fehler zu glauben, man könne einfach in einen Wagen springen und beim Kondukteur bezahlen; die Züge sind in der Hochsaison oft Wochen im Voraus ausgebucht.
Die Excellence Class – Luxus-Abfahrt auf einem neuen Niveau
Seit einigen Jahren hat der Glacier Express sein Angebot um die sogenannte Excellence Class erweitert. Diese Klasse definiert den Begriff der Zugreise neu und beginnt bereits am Abfahrtsbahnhof mit einem exklusiven Empfang. Während Passagiere der ersten und zweiten Klasse sich regulär am Bahnsteig einfinden, werden Gäste der Excellence Class oft von einem Concierge begrüßt. Der Wagen selbst ist mit einer eigenen Bar, der Glacier Bar, ausgestattet und bietet garantierte Fensterplätze für maximal 20 Personen. Hier wird die Abfahrt in Zermatt oder St. Moritz zu einem kulinarischen Ereignis, das mit Champagner und Amuse-Bouche eingeleitet wird.
Der Aufpreis für diesen Luxus ist mit 420 CHF (zusätzlich zum Ticket der 1. Klasse) erheblich, doch die Nachfrage ist gigantisch. Die technische Ausstattung dieses Waggons unterscheidet sich durch eine verbesserte Federung, die das Ruckeln auf den Zahnradabschnitten minimiert. Wer in St. Moritz in die Excellence Class einsteigt, genießt zudem den Vorteil, dass die Fahrtrichtung meist so gewählt ist, dass die Sonne im Tagesverlauf optimal für Fotografien steht. Man sollte sich jedoch bewusst sein, dass die Exklusivität auch eine gewisse Steifheit mit sich bringen kann – wer lieber locker mit anderen Reisenden ins Gespräch kommt, ist in der regulären 1. Klasse mit ihren vis-à-vis Sitzgruppen oft besser aufgehoben.
Saisonale Unterschiede und Fahrplan-Besonderheiten bei der Abfahrt
Die Abfahrtszeiten des Glacier Express sind nicht über das ganze Jahr hinweg identisch. Es gibt einen Sommerfahrplan und einen Winterfahrplan, die sich fundamental unterscheiden. Im Sommer, wenn die Tage lang sind, verkehren bis zu vier Züge pro Tag in jede Richtung. Die erste Abfahrt in Zermatt erfolgt dann meist gegen 07:52 Uhr, während der letzte Zug den Zielort St. Moritz erst am frühen Abend erreicht. Im Winter hingegen wird das Angebot oft auf ein bis zwei Verbindungen reduziert. Dies liegt nicht nur an der geringeren Nachfrage, sondern auch an den extremen Witterungsbedingungen am Oberalppass, die eine aufwendige Schneeräumung erfordern.
Ein kritischer Zeitraum ist die jährliche Revisionspause. Zwischen Mitte Oktober und Anfang Dezember stellt der Glacier Express seinen Betrieb komplett ein. In dieser Zeit finden Wartungsarbeiten an den Wagen und der Strecke statt. Wer in dieser Phase die Route befahren möchte, muss auf die regulären Regionalzüge ausweichen. Diese fahren zwar auf derselben Strecke ab, bieten aber nicht den Komfort der Panoramafenster und erfordern mehrmaliges Umsteigen, beispielsweise in Disentis und Andermatt. Für Budget-Reisende kann dies jedoch eine interessante Option sein, da die obligatorische Reservierungsgebühr entfällt und man in den Regionalzügen oft die Fenster öffnen kann – ein unschätzbarer Vorteil für Fotografen, die Reflexionen im Glas hassen.
Gepäck und Logistik: Der reibungslose Ablauf am Bahnsteig
Ein oft unterschätztes Thema bei der Frage "Wo fährt der Glacier Express ab?" ist das Handling des Reisegepäcks. Da der Zug primär Touristen befördert, die oft mit großen Koffern für eine längere Schweiz-Rundreise unterwegs sind, sind die Staumöglichkeiten in den Waggons begrenzt. An den Bahnhöfen Zermatt und St. Moritz gibt es jedoch spezialisierte Gepäckservices. Die SBB und ihre Partnerbahnen bieten einen "Station-to-Station" Service an, bei dem das Gepäck am Vortag aufgegeben und am Zielort wieder in Empfang genommen werden kann. Das kostet etwa 12 CHF pro Stück, entlastet aber den Einstiegsprozess ungemein.
Wenn man das Gepäck dennoch mit in den Zug nehmen möchte, sollte man frühzeitig am Gleis sein. In den Eingangsbereichen der Panoramawagen befinden sich Regale für Koffer. Wer zu spät kommt, muss sein Gepäck oft mühsam zwischen den Sitzen oder in weit entfernten Abteilen verstauen. In Zermatt ist der Weg vom Dorfzentrum zum Bahnhof kurz, aber da keine Autos erlaubt sind, muss man entweder laufen oder eines der Elektro-Taxis nutzen. In St. Moritz ist der Bahnhof zwar gut erreichbar, liegt aber topographisch deutlich tiefer als das Dorfzentrum (St. Moritz Dorf), was beim Fußweg mit schwerem Gepäck zu einer schweißtreibenden Angelegenheit werden kann. Ein kleiner Tipp am Rande: Die Schweizer Bahnhöfe sind zwar barrierefrei, aber die Wege können lang sein – planen Sie in St. Moritz genug Zeit für den Weg von der Rolltreppe zum hinteren Ende des Bahnsteigs ein.
Häufige Fragen zur Abfahrt des Glacier Express
Kann ich den Glacier Express auch ab Davos nehmen?
Ja, das ist möglich, erfordert aber eine kleine Besonderheit in der Streckenführung. Ein Kurswagen oder ein Anschlusszug verbindet Davos Platz mit dem Hauptzug, meist in Filisur. Früher gab es direkte Verbindungen, heute ist es oft ein Umsteigevorgang. Dennoch gilt Davos neben St. Moritz als einer der traditionellen Startpunkte im Osten der Schweiz. Die Fahrt führt dann über das berühmte Landwasserviadukt, bevor sie in die Hauptstrecke des Glacier Express mündet.
Gibt es eine Abfahrt ab Interlaken oder Luzern?
Nein, der Glacier Express bedient diese Städte nicht direkt. Reisende aus der Zentralschweiz müssen zuerst mit dem Luzern-Interlaken Express nach Meiringen und weiter über den Grimselpass (per Bus) oder via Bern und Visp nach Zermatt oder Brig anreisen. Es ist ein häufiger Fehler von Touristen, den Bernina Express oder die GoldenPass Line mit dem Glacier Express zu verwechseln. Die Abfahrtsorte sind strikt auf die Achse Zermatt-St. Moritz begrenzt.
Wie finde ich das richtige Gleis für die Abfahrt?
In Zermatt und St. Moritz ist die Beschilderung exzellent. Suchen Sie auf den blauen digitalen Anzeigetafeln nach der Zugnummer (z.B. GEX 902). Da die Züge oft sehr lang sind, ist der Sektor (A, B, C oder D) entscheidend. Ihre Reservierung gibt die Wagennummer an. In Zermatt fährt der Zug meist von den Gleisen 3 oder 4 ab, in St. Moritz variiert dies stärker, meist sind es jedoch die Gleise in der Nähe des Bahnhofsgebäudes, um den luxuriösen Gästen lange Wege zu ersparen.
Fazit zur Reiseplanung und dem Ort der Abfahrt
Die Wahl des Abfahrtsortes für den Glacier Express ist mehr als eine rein logistische Entscheidung; sie setzt den Ton für ein achtstündiges alpines Abenteuer. Ob man in Zermatt unter dem Schutz des "Horu" startet oder in St. Moritz den Glamour des Engadins hinter sich lässt, das Erlebnis bleibt technisch und landschaftlich auf Weltniveau. Wichtig ist die Erkenntnis, dass der Erfolg dieser Reise von der Vorbereitung abhängt: Eine frühzeitige Reservierung, die Klärung der Gepäckfrage und das Verständnis für die saisonalen Fahrpläne sind essenziell. Wer die Schweizer Alpen in ihrer vollen Pracht erleben möchte, sollte die gesamte Strecke befahren, doch auch Teilstrecken ab Chur oder Brig bieten bereits tiefe Einblicke in die Ingenieurskunst und die Schönheit der Schweizer Bergwelt. Letztlich ist es egal, wo man einsteigt – entscheidend ist, dass man den Blick aus den Panoramafenstern genießt und die Entschleunigung auf Schienen annimmt.

