Was steht überhaupt auf dem Speiseplan einer Wespe?
Also, wenn wir über Wespen und ihr Fressverhalten sprechen, müssen wir eigentlich zwischen den erwachsenen Tieren und ihren Larven unterscheiden. Das ist so ein bisschen wie bei uns Menschen: Babys brauchen Brei, Erwachsene können alles Mögliche essen, aber eben auch spezifische Nährstoffe. Bei den Wespen ist es ähnlich, aber noch spezialisierter, finde ich.
Die erwachsenen Wespen, die wir so herumfliegen sehen, sind eigentlich "Zucker-Junkies". Sie brauchen schnelle Energie für ihren Flug, für den Nestbau und um ihre Aufgaben zu erledigen. Deshalb lieben sie zuckerhaltige Säfte, Nektar von Blüten, Fallobst oder eben auch mal ein Stückchen Marmelade oder Limonade von unserem Tisch. Das ist ihr Treibstoff, sozusagen. Sie sind übrigens gar nicht so sehr an unserem Fleisch interessiert, wie viele glauben, es sei denn, sie suchen etwas ganz Spezielles.
Proteine sind das A und O für den Nachwuchs
Und hier kommt der Knackpunkt: Die Wespenlarven haben ganz andere Bedürfnisse. Sie wachsen unheimlich schnell und brauchen dafür Proteine. Wer liefert diese? Die Arbeiterinnen! Sie jagen Insekten wie Fliegen, Spinnen oder Raupen, zerkauen sie zu einem kleinen Brei und verfüttern diesen dann an die Larven im Nest. Ohne diese Proteine könnten die Larven nicht wachsen und sich nicht verpuppen. Das ist, meiner Meinung nach, der Hauptgrund, warum Wespen so wichtig für unser Ökosystem sind: Sie sind quasi natürliche Schädlingsbekämpfer.
Der Energiebedarf: Zucker für die Erwachsenen, Proteine für den Nachwuchs
Stell dir vor, die erwachsenen Wespen sind die Bauarbeiter und Logistiker des Nests. Sie fliegen herum, bauen, verteidigen und füttern. Dafür brauchen sie Kohlenhydrate, also Zucker, der schnell in Energie umgewandelt werden kann. Sie haben einen hohen Stoffwechsel und verbrennen diese Energie sehr schnell. Eine Wespe, die aktiv ist, braucht ständig Nachschub, sonst wird sie schwach.
Die Larven hingegen sind wie kleine Fabriken, die Körpermasse produzieren müssen. Dafür benötigen sie Eiweiß, also Proteine. Die erwachsenen Wespen selbst können diese Proteine nur schwer verdauen, aber die Larven können es und geben den erwachsenen Wespen im Gegenzug eine zuckerhaltige Flüssigkeit ab, wenn sie gefüttert werden. Das ist eine faszinierende Symbiose, habe ich mal gelesen. Die erwachsenen Wespen bekommen also quasi ihren Lohn direkt von den Larven.
Saisonale Schwankungen: Wenn der Hunger kommt und geht
Das Fressverhalten von Wespen variiert auch stark im Laufe des Jahres. Im Frühling, wenn die Königin ihr Nest gründet, ist sie noch allein unterwegs und muss alles selbst erledigen: jagen, bauen, Eier legen. Ihr Energiebedarf ist enorm, aber sie ist noch nicht so aufdringlich, weil das Volk klein ist.
Im Hochsommer, wenn das Volk am größten ist und Tausende von Larven gefüttert werden müssen, ist der Bedarf an Proteinen am höchsten. Die Arbeiterinnen sind dann unermüdlich auf der Jagd. Das ist die Zeit, in der man sie seltener am Kaffeetisch sieht, weil sie mit der Versorgung des Nachwuchses beschäftigt sind. Sie fressen dann selbst auch viel Nektar, um Energie für die Jagd zu haben.
Aber dann, im Spätsommer und Herbst, ändert sich alles. Die Larven sind meistens verpuppt oder schon ausgeflogen, und die "Gegenleistung" der Larven in Form von Zucker entfällt. Gleichzeitig sterben viele Blüten ab, und natürliche Zuckerquellen werden rarer. Das ist die Zeit, in der Wespen oft aggressiver wirken und uns wirklich auf die Nerven gehen, weil sie händeringend nach Zucker suchen. Unser Grillfest oder die Kuchenplatte sind dann eine willkommene, leicht zugängliche Energiequelle. Sie sind in dieser Phase, so meine Beobachtung, einfach verzweifelt auf der Suche nach schnellen Kalorien.
Wespen am Esstisch: Warum sie uns manchmal so auf die Nerven gehen
Ich glaube, das ist der Moment, wo die meisten Menschen sich die Frage stellen, wie viel frisst eine Wespe am Tag, weil sie uns gefühlt alles wegfressen wollen. Wie schon erwähnt, liegt das oft an dieser Herbst-Phase. Die Wespen sind dann nicht mehr primär mit der Aufzucht beschäftigt, sondern mit der Selbsterhaltung und der Vorbereitung auf den Winter, auch wenn nur die jungen Königinnen überleben.
Sie sind dann wirklich auf der Suche nach allem, was süß ist. Das kann von reifem Obst bis hin zu gezuckerten Getränken oder eben Kuchen reichen. Es ist nicht so, dass sie riesige Mengen verschlingen würden, aber da das Wespenvolk im Spätsommer mehrere Tausend Tiere umfassen kann, summiert sich das natürlich. Wenn hundert Wespen nur einen winzigen Krümel Zucker pro Tag brauchen, ist das in Summe doch eine beachtliche Menge, die sie sich potenziell von unserem Tisch holen könnten.
Mythen und Irrtümer rund um das Fressverhalten von Wespen
Es gibt da so ein paar Dinge, die sich hartnäckig halten, die aber eigentlich nicht ganz stimmen. Einer der größten Mythen ist, dass Wespen scharf auf unser Fleisch sind. Klar, sie fliegen manchmal ans Grillgut, aber das ist meistens, weil sie die Proteine für ihre Larven suchen. Wenn keine Larven mehr da sind, ist ihr Interesse an Wurst und Steak deutlich geringer. Es ist eher der Zucker, der sie dann anzieht.
Ein anderer Irrtum ist, dass Wespen einfach nur nervig sind und keinen Nutzen haben. Das ist schlichtweg falsch. Sie sind, wie ich schon angesprochen habe, fleißige Schädlingsbekämpfer. Ohne sie gäbe es wahrscheinlich viel mehr Blattläuse, Raupen und Spinnen in unseren Gärten. Sie sind ein wichtiger Teil des Ökosystems, auch wenn sie uns manchmal zur Weißglut treiben.
Was passiert, wenn Wespen nicht genug Nahrung finden?
Wenn Wespen, besonders im Spätsommer, keine ausreichenden Zuckerquellen finden, werden sie logischerweise schwächer. Ihr Flug wird langsamer, ihre Aktivität nimmt ab. Im Extremfall können sie verhungern. Das ist ein natürlicher Prozess, der zum Ende des Wespenvolkes im Herbst gehört. Nur die begatteten jungen Königinnen überwintern und gründen im nächsten Frühjahr ein neues Volk, und auch sie brauchen vor dem Winterschlaf noch ausreichend Energiereserven.
Im Sommer, wenn die Larven gefüttert werden müssen, kann ein Mangel an Proteinen dazu führen, dass die Larven nicht richtig wachsen oder sich nicht verpuppen können. Das würde das Wachstum des gesamten Volkes beeinträchtigen. Daher sind die Arbeiterinnen so hartnäckig bei der Suche nach Insekten.
Wie wir das Fressverhalten von Wespen beeinflussen können (oder auch nicht)
Ganz ehrlich, das Fressverhalten der Wespen zu "beeinflussen" im Sinne von "sie dazu bringen, etwas anderes zu fressen", ist schwierig. Sie folgen ihren natürlichen Instinkten und Bedürfnissen. Aber wir können versuchen, sie von unserem Esstisch fernzuhalten, indem wir ihnen Alternativen anbieten oder unsere Speisen und Getränke abdecken. Eine kleine Schale mit überreifen Früchten in einiger Entfernung kann sie ablenken, so meine Erfahrung.
Wobei ich persönlich festgestellt habe, dass das nicht immer perfekt funktioniert, aber es kann die Situation entspannen. Wichtig ist, ruhig zu bleiben und nicht panisch nach ihnen zu schlagen, denn das macht sie erst recht aggressiv. Sie verteidigen sich, wenn sie sich bedroht fühlen, und ein Schlag wird oft als Angriff interpretiert.
Fazit: Weniger ist mehr bei der Wespen-Mahlzeit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eine einzelne Wespe am Tag keine riesigen Mengen frisst. Es sind eher winzige Mengen Zucker für die erwachsenen Tiere und Proteine für die Larven. Der "gefühlte" Hunger, den wir erleben, wenn ein ganzes Volk um unser Essen schwirrt, ist die Summe vieler kleiner Fressakte, besonders im Spätsommer, wenn die natürlichen Zuckerquellen knapp werden und die Larven nicht mehr "füttern".
Ich denke, es ist wichtig, zu verstehen, dass Wespen nicht böswillig handeln, sondern einfach ihren Überlebenstrieb folgen. Mit etwas Wissen über ihr Fressverhalten können wir ihre Anwesenheit vielleicht etwas gelassener sehen und Strategien entwickeln, um den Sommer für alle angenehmer zu gestalten. Sie sind und bleiben ein faszinierender, wenn auch manchmal lästiger, Teil unserer Natur.

