Die Kriterien: Was macht eine Sprache überhaupt "einfach"?
Bevor wir uns auf die Silbermedaille festlegen, müssen wir kurz definieren, was wir hier eigentlich messen. Einfachheit ist subjektiv, das ist wirklich wahr. Ich denke, wir müssen uns drei Hauptbereiche anschauen: Grammatik, Vokabular und Aussprache. Bei der Grammatik, da sehe ich oft den größten Stolperstein. Viele Sprachen, gerade die romanischen, haben komplizierte Konjugationen oder unnötig viele Geschlechter, was uns Germanen das Leben unnötig schwer macht. Norwegisch, zum Beispiel, hat im Vergleich zum Deutschen kaum noch Fälle und die Verben sind, zumindest im Präsens, fast schon lächerlich einfach.
Das Vokabular ist der zweite Punkt. Wenn du schon Deutsch sprichst, hast du einen riesigen Vorsprung bei den germanischen Sprachen, weil einfach viele Wurzeln dieselben sind. Das ist ein gigantischer Turbo-Boost. Aber Achtung: Falsche Freunde lauschen überall, und da muss man wirklich aufpassen, sonst sagt man etwas ganz anderes, als man eigentlich meint. Ich habe zum Beispiel lange gebraucht, um zu verstehen, dass "rar" im Norwegischen nicht "seltsam" bedeutet, sondern "selten". Kleine Unterschiede, große Wirkung, wie ich finde.
Norwegisch (Bokmål) als Favorit auf Platz Zwei
Warum ich Norwegisch (Bokmål) über andere Kandidaten wie Niederländisch oder Dänisch stelle, liegt an der Balance. Niederländisch ist grammatikalisch oft noch näher am Deutschen, aber die Aussprache, diese nasalen Laute, das ist für viele Lernende der absolute Albtraum. Man kann sich da leicht verhaspeln und klingt dann schnell sehr unnatürlich. Norwegisch hingegen, meine Meinung nach, ist phonetisch zugänglicher, wenn man sich erst einmal an den Tonfall gewöhnt hat.
Die Struktur von Bokmål ist extrem logisch für uns Mitteleuropäer. Kein kompliziertes Genus-System mehr, nur noch zwei Geschlechter (gemeinsam oder sächlich), was schon eine enorme Erleichterung darstellt, findest du nicht auch? Die Zeitersparnis, die man hier gewinnt, weil man nicht mehr über Artikel nachdenken muss, ist enorm wichtig für die Motivation in den ersten Monaten des Lernens. Das ist der Grund, warum ich es oft als die logische Wahl nach dem vielleicht noch einfacheren Afrikaans sehe, welches ja oft als die Nummer Eins gehandelt wird.
Was ist mit Dänisch und dem Pitch Accent?
Dänisch ist grammatikalisch fast identisch mit Norwegisch, das muss man neidlos anerkennen. Aber hier kommt der große Haken, und das ist der Grund, warum Dänisch bei mir auf Platz drei oder vier rutscht: Die Aussprache ist notorisch schwer. Es klingt für Außenstehende oft wie ein verhalltes Murmeln, weil viele Konsonanten verschluckt werden. Während man in Norwegen relativ klar artikulieren kann, muss man im Dänischen wirklich hart an der Phonetik feilen, um verstanden zu werden. Das kostet Zeit, die man sich meiner Ansicht nach sparen kann, wenn man Norwegisch wählt.
Die Falle der Perfektion: Warum wir uns selbst ausbremsen
Ein großes Problem, das ich bei meinen eigenen Lernversuchen und denen von Freunden immer wieder beobachte, ist der Drang zur Perfektion. Gerade weil Norwegisch so nah an unseren Sprachen liegt, denkt man, man müsste sofort fehlerfrei klingen. Das führt dazu, dass man sich zu sehr auf die kleinen Nuancen des Tonfalls konzentriert, anstatt einfach mal drauflos zu reden. Dabei ist das Wichtigste beim Erlernen einer Sprache die Kommunikation, nicht die perfekte Intonation des "Pitch Accent", falls du ihn überhaupt hören kannst.
Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass man als Anfänger mit einem sehr einfachen, fast monotonen Norwegisch viel weiter kommt, als mit einem perfekt akzentuierten, aber grammatikalisch noch unsicheren Satzbau. Man sollte sich anfangs wirklich nur auf die 1000 häufigsten Wörter konzentrieren und alles andere ignorieren. Die komplexeren Satzstrukturen kommen von ganz allein, wenn man dann erst einmal merkt, wie die Sprache wirklich funktioniert.
Alternativen, die niemand auf dem Schirm hat: Esperanto
Nun, wenn wir über "einfach" sprechen, müssen wir Esperanto erwähnen. Das ist die konstruierte Sprache, die bewusst auf jegliche Unregelmäßigkeit verzichtet. Wenn man nur die reine Grammatik betrachtet, ist Esperanto unschlagbar einfach. Es gibt keine Ausnahmen, alles ist regelmäßig. Aber hier kommt mein subjektiver Einwand: Was nützt die zweit einfachste Sprache, wenn sie dir niemand antwortet? Du kannst sie nirgends im Alltag anwenden, was für mich ein riesiger Motivationskiller ist.
Für mich muss eine Sprache lebendig sein, auch wenn sie ein bisschen komplizierter ist. Deshalb bleibe ich dabei: Die zweit einfachste Sprache ist eine natürliche Sprache, die uns strukturell entgegenkommt. Und da bietet mir Norwegisch (Bokmål) einfach die beste Kombination aus geringem Lernaufwand und hoher praktischer Relevanz, gerade wenn man Skandinavien im Blick hat.
Fazit: Der pragmatische Weg zur norwegischen Silbermedaille
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Suche nach der zweit einfachsten Sprache ist eine Übung in Relativität. Aber wenn du Deutsch sprichst und eine Sprache suchst, die dir schnell Erfolgserlebnisse beschert, ohne dich mit unnötig komplizierten grammatikalischen Hürden zu belasten, dann ist Norwegisch (Bokmål) wahrscheinlich der beste Kandidat für den zweiten Platz hinter Afrikaans. Mein Rat wäre: Fang heute mit ein paar Vokabeln an, ignoriere den Akzent für die ersten sechs Monate und genieße es einfach, wie schnell du Fortschritte machen wirst. Welche Sprache du letztendlich wählst, das liegt natürlich ganz bei dir, aber ich hoffe, ich konnte dir eine fundierte Perspektive auf diesen faszinierenden Wettbewerb geben.

