Die Rechtslage: Was sagt das Gesetz?
Im BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz) steht zwar nichts vom Föhn, aber die Ruhezeiten von 22 bis 6 Uhr sind in den meisten Bundesländern Standard. Einige Städte wie München oder Berlin haben genauere Verordnungen. In meiner alten Wohnung in Köln durfte ich bis 23 Uhr laut sein, aber das war eine Ausnahme. Wer also um Mitternacht noch die Haare trocknen will, riskiert theoretisch eine Abmahnung. Praktisch kommt es aber auf die Nachbarn an: In einem Studentenwohnheim um 1 Uhr nachts zu föhnen ist fast wie ein Selbstmordkommando.
Nachbarschaftsfragen: Warum 22 Uhr eine magische Grenze ist
Um diese Zeit schaltet der Körper in den Entspannungsmodus, sagt ein Schlafforscher aus Hamburg, den ich letztens im Podcast hörte. Störgeräusche unter 30 Dezibel sind erlaubt – ein Föhn liegt aber meist 10 Dezibel darüber. Bei einer Umfrage in meiner Facebook-Gruppe „Deutschland wacht auf“ gaben 62% an, dass sie sich über nächtliches Föhnen ärgern würden. Ein Vater erzählte, dass sein Baby immer aufwacht, wenn die Schwester um 23 Uhr noch den Föhn anstellt.
Weniger Lärm durch Technik?
Neuere Modelle wie der Dyson Supersonic machen etwa 60 Dezibel, was sich anhört wie leises Flüstern. Allerdings kosten die ab 300 Euro, was für manche ein harter Preis für Nachbarschaftsfrieden ist. Ein Kollege von mir hat einen uralten Föhn aus den 90ern – der klingt, als würde ein Flugzeug starten. Er meint, er nutzt ihn seit Jahren nachts, aber das könnte auch daran liegen, dass seine Nachbarn taub sind.
Praktische Alternativen zum Nachtföhnen
Klingt kitschig, aber ein alter Frotteeturban ist manchmal besser. Ich habe mal einen von Amazon für 12 Euro gekauft – die Haare trocknen damit in 20 Minuten ohne Strom. Für Sportler gibt es Mikrofaser-Tücher, die 80% der Feuchtigkeit aufnehmen. Wer sich für ein schnelles Ergebnis entscheidet, kann die Haare vor dem Schlafen in Zöpfe drehen. Probiert das lieber am Wochenende aus – beim ersten Versuch sieht es oft aus wie ein Vogelnest.
Was tun, wenn der Föhn wirklich muss?
In meiner Studentenzeit war es manchmal unvermeidbar. Da habe ich den Föhn in der Küche angeschaltet, während ich unter der Dusche stand – das Wasser übertönt das Geräusch etwas. Eine Nachbarin hat mir mal den Tipp mit dem Handtuch gegeben, das man über den Föhn legt. Funktioniert tatsächlich, obwohl es gefährlich nach Brandgeruch riecht. Besser: Kurze Intervalle von 3 Minuten mit 5 Minuten Pause dazwischen.
Lautlos föhnen: Mythos oder machbar?
Leiser föhnen ist möglich, aber nicht umsonst. Modelle wie der Remington Air+ argon Silence kosten bis zu 200 Euro und sind laut Hersteller 20% leiser. In der Praxis spürt man den Unterschied, wenn man den Föhn direkt am Ohr hält – aber die Nachbarn hören ihn trotzdem durch die Wand. Ein Haarstylist aus Düsseldorf meinte, er föhnt nachts nie länger als 5 Minuten. „Die Haare werden so eh kaputt“, fügte er mit einem Grinsen hinzu.
Die Kompromiss-Lösung: Offene Kommunikation
Vor zwei Jahren habe ich einen Zettel im Briefkasten der Nachbarn hinterlassen: „Entschuldigung für die Nachtlärm-Alarme – ich probiere neue Methoden aus.“ Überraschenderweise klappte das. Eine Dame aus dem dritten Stock brachte mir sogar ihr altes Modell, das leiser ist. Vielleicht liegt es an der persönlichen Note, vielleicht an ihrem Kaffeedurst – aber es hat funktioniert. Probiert es mal mit einer Tafel Schokolade als Zugabe aus.
Woran man selten denkt: Die Haarstruktur
Feines Haar trocknet schneller – bei normaler Länge reichen oft 5 Minuten Föhnen. Ich habe mir angewöhnt, die Haare vorher mit einem Mikrofasertuch zu trocknen. Funktioniert sogar im Winter, obwohl es sich am Anfang komisch anfühlt, wie mit einem nassen Handschuh herumzulaufen. Wer Locken hat, braucht mindestens 10 Minuten länger – hier lohnt sich ein Diffusor, der die Luft verteilt und das Geräusch dämpft.
Am Ende bleibt: Es gibt keine klare Antwort auf „Ist föhnen nachts erlaubt?“. Aber mit einem leiseren Gerät, etwas Kreativität und Nachsicht auf beiden Seiten, lässt sich der Haarwind vielleicht doch in der Nacht vermeiden. Irgendwann werde ich mal testen, wie es sich mit geflochtenen Haaren schlafen geht – bis dahin: Gute Nacht, Nachbarn!

