Was macht dieses einzigartige Manuskript so unglaublich wertvoll?
Ich meine, wir reden hier nicht über ein gewöhnliches Buch mit gebundenen Seiten; es ist ein Fenster in den Geist eines Genies. Der Wert ergibt sich nicht nur aus der Tinte auf dem Papier, sondern aus der Seltenheit der direkten Gedanken Da Vincis. Stell dir vor, du hältst seine Handlungen fest, seine Beobachtungen über die Bewegung des Mondes oder die Beschaffenheit von Gestein. Das ist unbezahlbar.
Als es das letzte Mal versteigert wurde – ich glaube, das war 1994 – zahlte Bill Gates unglaubliche 30,8 Millionen US-Dollar. Wenn wir das heute auf die Inflation hochrechnen, reden wir über einen Betrag, der weit über 60 Millionen Dollar liegt. Das ist der Preis für Originalität. Ich habe das Gefühl, es ist weniger ein Buchkauf als vielmehr der Erwerb eines kulturellen Artefakts, das die Menschheitsgeschichte berührt.
Die wissenschaftliche Tiefe des Codex
Was viele nicht wissen: Der Codex Leicester ist eigentlich eine Sammlung von Notizen, die Leonardo zwischen 1506 und 1510 verfasste. Er schrieb, wie typisch für ihn, in seiner berühmten Spiegelschrift. Man benötigt also nicht nur eine Lupe, sondern auch einen Spiegel, um die Geheimnisse zu lüften. Das macht die Entschlüsselung aufwendig, aber genau diese Komplexität steigert den Mythos.
Wo genau befindet sich der Codex Leicester heute?
Die genaue Lagerung eines so wertvollen Objekts ist natürlich streng geheim, und das kann ich absolut nachvollziehen. Aber die öffentliche Information besagt, dass der Codex im Rahmen der Bill & Melinda Gates Foundation in Seattle beheimatet ist. Das ist der Ort, an dem er seinen Hauptsitz hat, wenn er nicht gerade auf Weltreise ist, um der Öffentlichkeit – wenn auch nur für kurze Zeit – präsentiert zu werden.
Ich finde es faszinierend, dass ein solches Meisterwerk nicht in einer staatlichen Bibliothek wie der British Library oder der Vatikanischen Bibliothek liegt, sondern in der Obhut einer der reichsten Privatpersonen der Welt. Das wirft Fragen auf über die Zugänglichkeit von Kulturgut, finde ich. Aber dann denke ich mir, Gates stellt es ja doch immer wieder aus, was wiederum ein großer Gewinn für die Forschung und die Allgemeinheit ist.
Man muss sich das mal vorstellen: Ein Objekt, das älter ist als viele Nationen, wird unter klimatisierten Bedingungen in einem privaten Tresor aufbewahrt. Das ist die Realität der Hochpreis-Sammlerszene.
Was ist mit gedruckten Büchern? Der Unterschied zum Manuskript
Hier wird es spannend, denn oft wird gefragt, was das teuerste gedruckte Buch ist, und da ändert sich die Antwort. Der Codex Leicester ist ein Unikat, handgeschrieben. Bei gedruckten Werken sprechen wir von Erstausgaben, die extrem selten sind, weil die Auflage meist höher war.
Wenn wir uns die Auktionsrekorde für gedruckte Werke ansehen, kommen wir oft zum Bay Psalm Book, der ersten Buch, das in Nordamerika gedruckt wurde (1640). Das wurde 2013 für 14,2 Millionen Dollar verkauft. Oder denk an John James Audubons The Birds of America, ein riesiges, prachtvolles Werk. Eines dieser Exemplare ging für über 11,5 Millionen Dollar weg. Diese Bücher sind teuer, weil sie Meilensteine der Druckgeschichte darstellen.
Ich persönlich sehe den Unterschied darin: Der Codex ist einzigartig, ein direktes Dokument eines Geistes. Die gedruckten Bücher sind selten, weil sie den Beginn einer neuen Ära markieren. Beide Arten von Büchern erreichen astronomische Preise, aber aus unterschiedlichen Gründen, das ist wichtig zu verstehen.
Die Psychologie hinter astronomischen Preisen: Warum zahlen Sammler das?
Warum muss Bill Gates ein Buch für den Preis einer kleinen Insel kaufen? Ich glaube, es geht um Status, ja, aber auch um die Erhaltung. Sammler auf diesem Niveau sehen sich oft als Kuratoren für die Zukunft.
Ich habe bemerkt, dass es bei diesen Transaktionen oft um die Kontrolle geht. Wer das Buch besitzt, kontrolliert, wann und wo es gezeigt wird. Es ist ein Statement: "Ich kann mir nicht nur die besten Autos leisten, ich kann auch die Geschichte beeinflussen." Es ist eine Mischung aus intellektueller Leidenschaft und der Demonstration unvorstellbaren Reichtums.
Außerdem, und das ist ein wichtiger Punkt, den man nicht vergessen darf: Man investiert in etwas, das, historisch gesehen, seinen Wert eher behält oder sogar steigert. Es ist eine extrem stabile Anlageform, solange die Welt nicht komplett im Chaos versinkt. Das ist eine etwas zynische, aber wahre Überlegung, die viele Sammler teilen.
Häufige Fehler bei der Suche nach dem "teuersten Buch"
Ein Fehler, den viele machen, ist, den Begriff "Buch" zu weit auszulegen. Manchmal tauchen alte Dokumente oder Verträge auf, die zwar unbezahlbar sind, aber formal keine gebundenen Bücher im klassischen Sinne darstellen. Man muss da schon genau hinschauen, was die Auktionshäuser als Kategorie führen.
Ein weiterer Punkt, der oft zu Verwirrung führt, ist die Unterscheidung zwischen dem Höchstpreis und dem durchschnittlichen Marktwert. Der Codex Leicester hat den Rekord für ein einzelnes Buch in Privatbesitz. Aber es gibt Manuskripte, die vielleicht nie versteigert wurden und theoretisch noch wertvoller sein könnten – wir wissen es einfach nicht, weil sie tief in staatlichen Archiven verschlossen sind. Das ist der frustrierende Teil der Recherche!
Wie kann man heute überhaupt noch ein solches historisches Werk erwerben?
Wenn Sie mich fragen, ob Sie morgen ein Buch kaufen können, das mit dem Codex Leicester mithalten kann – die Antwort ist ein klares Nein, es sei denn, Sie sind Multimilliardär und haben Kontakte zu den Sammlern, die gerade überlegen, ihre Bestände zu verkleinern.
Für uns Normalsterbliche bleibt der Zugang über Museen und Bibliotheken. Man muss die Augen offen halten für Sonderausstellungen. Ich verfolge zum Beispiel immer die Ankündigungen großer Museen in London oder New York. Manchmal wird ein historisches Stück für eine begrenzte Zeit ausgestellt, und das ist die beste Gelegenheit, dieses unglaubliche Erbe hautnah zu erleben, ohne gleich ein Vermögen ausgeben zu müssen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Das teuerste Buch der Welt, der Codex Leicester, befindet sich im privaten Besitz von Bill Gates, primär in Seattle, aber seine Reise ist noch lange nicht vorbei. Es ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie tief menschliche Neugier und das Streben nach Wissen in materiellen Objekten verankert sein können.
