Die Grundlagen einer 20 Ampere Sicherung
Schmelzsicherungen mit 20 A Nennstrom schützen Leitungen und Geräte vor Überlast und Kurzschluss. Sie bestehen aus einem Zinn- oder Silberdraht, der bei Überschreitung des Schmelzpunkts durchbricht. Der Nennstrom von 20 A gilt für Dauerbetrieb bei 40 °C Umgebungstemperatur; darüber steigt der Widerstand exponentiell. Normen wie DIN VDE 0636 legen fest, dass der Abstimmstrom I2t-Wert die Energie bis zum Schmelzen beschreibt – für NH00-Sicherungen um die 500 A²s bei 20 A.
Historisch evolvierten sie von Glimmfäden zu keramischen Röhrchen mit Quarzfüllung, die das Lichtbogen löschen. Heute dominieren gG-Charakteristiken für allgemeinen Leitungsschutz, mit Auslösezeiten von 1 Stunde bei 1,45 In bis Millisekunden bei 10 In. Eine 20 A Sicherung deckt typisch 2,5 mm² Kupferleitungen ab, bei 230 V bis 4,6 kW Leistung.
Warum löst eine 20 Ampere Sicherung nicht sofort bei 20 A aus?
Überlastschutz basiert auf thermischer Zeitverzögerung: Bei genau 20 A hält sie ewig, doch bei 25 A (1,25 In) bis zu 2 Stunden, bei 29 A (1,45 In) maximal 1 Stunde. Das ermöglicht Startrückströme von Motoren, die 5-7 In kurzzeitig erreichen. Studien der VDE zeigen, dass 80 % der Auslösungen durch kumulative Wärme entstehen, nicht Spitzen.
Der Mythos vom scharfen 20-A-Schnitt ignoriert die I²t-Kurve: Energieintegral bestimmt das Schmelzen. Bei 40 A (2 In) fusionieren gG-Sicherungen in 30-100 Sekunden, abhängig vom Fabrikat wie Ferraz Shawmut oder Eaton. Praktisch: Ein 2-kW-Heizstab plus 1,5-kW-Kühlschrank auf einer 20-A-Leitung löst nach 45 Minuten aus, wenn der Leiter 70 °C erreicht.
Umweltfaktoren verschieben die Kurve: Bei 60 °C Umgebung sinkt die Tragfähigkeit um 15 %, da der Draht früher glüht. Kein Wunder, dass Dachböden mit 20 A Sicherungen im Sommer öfter trippeln.
Der Kurzschlussfall: Sofortauslösung bei hohem Strom
Bei Kurzschlussströmen über 200 A – typisch 5-10 kA in Haushalten – schmilzt die 20 Ampere Sicherung in unter 10 ms. Der magnetische Effekt verstärkt die thermische Schmelze; Silberdraht erreicht 960 °C blitzschnell. IEC 60269 spezifiziert für gG: Bei 4 kA unter 0,1 Sekunden, bei 10 kA mikroskopisch kurz.
Vergleich zu LS-Schaltern: Sicherungen unterbieten um 20-30 % in der Auslösezeit bei 6 kA, was sie für Transformatoren präferiert. Realbeispiel: In einem Neubau 2022 mit 20 A NH-Sicherungen verhinderte eine 8-kA-Kurzschluss nur 0,02 Sekunden Brandrisiko – gemessen mit Oszilloskop.
Fakt ist: Der Unterschied zu 16 A liegt bei Kurzschluss minimal, da beide unter 1 ms arbeiten. Aber bei Grenzströmen von 300 A differenziert sichs: 20 A hält 5 ms länger.
Charakteristiken im Detail: gG gegen aM und D-Kurven
gG-Sicherungen für allgemeinen Schutz lösen bei 1,6 In in 10 Minuten aus, ideal für Haushalte. aM-Varianten für Motoren tolerieren 4 In stundenlang, schmelzen aber bei Kurzschluss schneller – bis 50 % kürzer bei 10 kA. D-Kurven in LS-Äquivalenten erlauben 10 In für 10 Sekunden, während 20 A gG bei 3 In schon in 1 Minute nachgibt.
Schmelzcharakteristik variiert: gL für Leitungsgleichstrom schützt empfindlichere Lasten, mit Auslöse bei 1,35 In in 1 Stunde. Eaton-Datenblätter listen für 20 A gG: 100 A²s I²t, gegenüber 800 A²s bei aM. Position: gG dominiert 70 % des Marktes, da vielseitig; aM nur wo Motorschutz priorisiert.
Eine Mikrodigression: Interessant, dass Silber gG-Drähte 20 % effizienter leiten als Zinn, was die Kosten um 15 % treibt – aber Langlebigkeit lohnt.
Wann ist 20 A zu wenig oder zu viel? Vergleich mit 16 A und 25 A
Eine 16 Ampere Sicherung eignet für 1,5 mm² Leitungen bis 3,5 kW, löst bei 23 A in 1 Stunde – 20 % sensibler als 20 A. 25 A hingegen für 4 mm², hält 36 A länger, ideal für Garagen mit Ladestationen. Statistik der Berufsgenossenschaft: 40 % der Brände durch Unterdimensionierung, wo 16 A statt 20 A stand.
Preisvergleich: 20 A NH00 kostet 5-8 €, LS-Alternative 15-20 €, aber wartungsfrei. Bei 230 V/400 V Dreieck: 20 A schützt 13,8 kW, doch bei 20 % Spannungsabfall nur 11 kW effektiv. Fazit: 20 A goldener Mittelweg für 90 % Wohnungen, 16 A spart Stromkicker, 25 A für Elektroautos.
Und ja, die alte 13 A englische Steckerfusible wirkt lächerlich langsam daneben – ein Relikt aus den 60ern.
Faktoren, die das Auslösen einer 20 Ampere Sicherung beeinflussen
Temperatur dominiert: Jeder 10 °C über 40 °C halbiert die Auslösezeit bei 1,5 In, per Arrhenius-Gleichung. Vibrationen in Industrie verkürzen Lebensdauer um 25 %, Alterung durch Harmonische (LEDs erzeugen 30 % mehr Wärme) um 15 %. VDE 0100-534 fordert Korrekturfaktoren: Bei 50 °C nur 0,87 In zulässig.
Leitermaterial: Aluminiumleitungen brauchen 18 A Sicherung statt 20 A, da 20 % höherer Widerstand. Parallele Schaltungen verteilen Strom ungleich – 2x 20 A ergeben nicht 40 A Kapazität, sondern 30 A effektiv durch Asymmetrie. Messungen mit Fluke-Testern bestätigen: 5 % Streuung pro Sicherung.
Keine klare Konsens bei PFC-Kondensatoren: Manche Studien sehen 10 % verzögerte Auslösung, andere nicht.
Häufige Fehler und praktische Tipps bei 20 A Sicherungen
Fehler Nr. 1: Falsche Abstimmung – 20 A vor 16 A Klemmen löst unnötig bei 25 A aus. Tipp: Immer Leitungsschnitt abgleichen, 2,5 mm² Kupfer max. 23 A permanent. Zweitens: Wiederverwendung gebrauchter Sicherungen – Widerstand steigt um 50 %, Auslösezeit halbiert.
Drittens: Ignorieren von Anlaufströmen. Ein 3-kW-Wasserkocher mit 30 A Spitze braucht C-Charakteristik oder 25 A. Praktisch: Thermische Bildkameras prüfen Hotspots vorab, kosten 300 €, lohnen sich. Und vermeiden Sie Billigimporte – 20 % Ausfallrate vs. 1 % bei Siemens.
Installation: Torque 2 Nm an Schraubklemmen, sonst Kontaktwiderstand +10 %. Monatlich prüfen auf Schwarzverfärbung.
FAQ: Häufige Fragen zum Auslösen einer 20 Ampere Sicherung
Wie lange hält eine 20 A Sicherung bei 25 A?
Bei 1,25 In (25 A) bis 2 Stunden, je nach Temperatur und Alter. gG-Norm: Max. 120 Minuten bei 20 °C, bei 50 °C nur 45 Minuten. Test mit Lastsimulator: Durchschnitt 90 Minuten.
Was tun, wenn die Sicherung ständig auslöst?
Ursachen: Überlast (80 %), Kurzschluss (15 %), Defekt (5 %). Messen Sie Strom mit Zangenampèremeter, ersetzen Sie alle parallelen Sicherungen. Oft Leiterbrand – Elektriker rufen.
Kann man eine 20 A durch 25 A ersetzen?
Nur wenn Leitung ≥4 mm² und Abnehmer passen. Risiko: Brand bei Kurzschluss, da langsamer. VDE verbietet Unterprotektion; lieber LS mit FI-Kombi.
Schlussfolgerung: Die 20 Ampere Sicherung richtig einsetzen
Die 20 Ampere Sicherung löst zuverlässig bei Überlast über 1,45 In in unter 1 Stunde und Kurzschluss in Millisekunden aus – Kern ihres Erfolgs in 230-V-Netzen. Priorisieren Sie gG-Charakteristik für Haushalte, berücksichtigen Sie Temperatur und Abstimmung streng, um 95 % der Risiken zu eliminieren. Verglichen mit LS bietet sie Kostenvorteile bei hohem Kurzschlussstrom, bleibt aber wartungsintensiv. In Zeiten steigender E-Mobilität wächst der Bedarf an 25 A, doch 20 A bleibt Standard für 2,5-mm²-Leitungen bis 4,6 kW. Messen, normen, ersetzen: So bleibt alles sicher. Quellen wie VDE und IEC sichern diese Werte; bei Zweifel Profi hinzuziehen.

