Ein frisches Permanent Make-up (PMU) strahlt Eleganz aus und spart jeden Morgen wertvolle Zeit. Ob perfekt definierte Augenbrauen, ein makelloser Lidstrich oder sinnliche Lippen – die Investition in eine Pigmentierung lohnt sich. Doch das endgültige, wunderschöne Ergebnis hängt zu einem Drittel vom Profi und zu zwei Dritteln von Ihrer eigenen Nachsorge ab.
Die mit Abstand häufigste Frage, die Kundinnen und Kunden nach der Behandlung stellen, lautet: „Wie lange muss ich die Stelle eigentlich eincremen?“
Die kurze Antwort vorab: Im Durchschnitt sollten Sie Ihr Permanent Make-up 7 bis 14 Tage lang regelmässig pflegen und eincremen, wobei der genaue Zeitrahmen stark von der behandelten Region und Ihrem individuellen Hauttyp abhängt.
In diesem umfassenden, ersten Teil unseres Experten-Leitfadens erfahren Sie Schritt für Schritt, was in der Haut nach dem Pigmentieren passiert, warum das richtige Eincremen überlebenswichtig für die Farbpigmente ist und wie Sie typische Fehler vermeiden.
1. Warum ist das Eincremen nach dem Permanent Make-up überhaupt notwendig?
Um zu verstehen, warum die richtige Pflegecreme so wichtig ist, muss man sich den Prozess einer PMU-Behandlung vor Augen führen. Bei der Pigmentierung werden mithilfe feiner Nadeln Farbpigmente in die oberen Schichten der Dermis (Lederhaut) eingebracht.
Dabei handelt es sich medizinisch gesehen um eine kontrollierte Verletzung der Hautbarriere. Als natürliche Reaktion passiert Folgendes:
Wundsekret tritt aus: In den ersten Stunden nach der Behandlung sondert der Körper Lymphflüssigkeit ab.
Trocknet diese unkontrolliert an der Luft ein, bildet sich eine dicke, harte Kruste. Spannungsgefühl und Trockenheit: Die Haut beginnt während des Heilungsprozesses zu arbeiten, sie zieht sich zusammen, es entsteht ein leichtes Spannungsgefühl und oft ein intensiver Juckreiz.
Gefahr von Farbverlust: Wenn die Haut zu trocken wird und aufreisst, schützt sie die frisch platzierten Pigmente nicht mehr ausreichend. Harte Krusten, die vorzeitig abfallen, reissen oft wertvolle Farbpigmente mit sich heraus – ungleichmässige Ergebnisse und Lücken im Permanent Make-up sind die Folge.
Genau hier greift die richtige Pflegecreme: Sie hält die oberste Hautschicht geschmeidig, verhindert die Bildung von harten, scharfkantigen Krusten und unterstützt die hauteigene Regeneration, ohne die Poren zu verstopfen.
2. Die magische Formel: Wie viele Tage muss eingecremt werden?
Pauschal lässt sich sagen, dass die intensive Creme-Phase nach etwa einer bis maximal zwei Wochen abgeschlossen ist.
Augenbrauen (Microblading oder Powder Brows)
Die ersten 2 bis 3 Tage: Bei vielen modernen Techniken gilt zunächst das Gebot der Trockenheit.
Das bedeutet: Die Haut wird gar nicht oder nur minimal gesäubert, damit sich die erste feine Schutzschicht bilden kann. Ab Tag 4 bis Tag 10: Sobald ein leichtes Spannungsgefühl einsetzt, wird die empfohlene Spezialpflege (häufig eine vitaminreiche Nachpflegecreme oder medizinische Vaseline) hauchdünn aufgetragen.
Häufigkeit: 2- bis 3-mal täglich.
Nach gut 10 Tagen ist die oberflächliche Hautschicht meist so weit verheilt, dass das permanente Eincremen beendet werden kann.
Lippen-Pigmentierung
Die Lippenhaut besitzt keine Talgdrüsen und trocknet nach einer Pigmentierung extrem schnell aus.
Hier wird meist direkt ab dem ersten Tag nach Rücksprache mit der Pigmentiererin ein spezieller, feuchtigkeitsspendender und oft vitaminhaltiger Balm verwendet.
Die Creme-Phase dauert hier oft konsequent 10 bis 14 Tage, da die Lippen durch Mimik, Sprechen und Essen permanent beansprucht werden und die Schleimhaut eine sehr hohe Regenerationsrate aufweist.
Lidstrich (Eyeliner / Augenlid)
Die Haut am Augenlid ist hauchdünn und extrem empfindlich.
Hier ist unendliche Vorsicht geboten: Es wird meist nur minimal oder mit hochspezialisierten, leichten Gels gearbeitet, oft sogar ganz ohne fettreiche Cremes, um ein Vergehen der Farbe oder Reizungen des Auges zu verhindern. Die Pflege beschränkt sich hier meist auf wenige Tage nach genauer Anweisung des Studios.
3. Die goldenen Regeln für das Auftragen der Pflege
Es kommt nicht nur darauf an, wie lange Sie cremen, sondern vor allem wie. Ein falscher Umgang in den ersten Tagen kann das gesamte Resultat ruinieren. Beachten Sie daher diese Grundregeln:
Weniger ist mehr: Tragen Sie die Creme immer nur in einem hauchdünnen Film auf.
Die Haut muss leicht glänzen, aber nicht in Fett schwimmen. Wenn Sie zu dick cremen, bekommt die Haut keine Luft und der Heilungsprozess verlangt sich unnötig. Absolute Hygiene: Berühren Sie das frisch pigmentierte Areal niemals mit Ungewaschenen Fingern. Verwenden Sie im Idealfall für jeden Auftragevorgang ein sauberes Wattestäbchen, um Bakterien und Keime konsequent fernzuhalten.
Niemals reiben oder massieren: Tupfen Sie die Pflegecreme bei Bedarf extrem sanft auf die Haut. Jedes heftige Reiben stört die geschlossene Wundheilung.
Keine haushaltsüblichen Cremes verwenden: Greifen Sie keinesfalls zu parfümierten Bodylotions, Anti-Aging-Cremes mit Fruchtsäuren oder herkömmlichen Kosmetika. Verwenden Sie ausschliesslich das Produkt, das Ihnen Ihr Profi im Studio explizit mitgegeben oder empfohlen hat.
Im zweiten Teil dieses Leitfadens widmen wir uns den detaillierten Phasen des Heilungsprozesses von Tag 1 bis Tag 30, erklären, was bei Juckreiz und Schuppung zu tun ist, und beleuchten die Fallstricke bei der Verwendung von Produkten wie Bepanthen versus Spezial-Vaseline.
Haben Sie aktuell eine bestimmte Phase Ihres Permanent Make-ups vor sich oder kämpfen Sie gerade mit Fragen zur passenden Nachpflege?
Der Heilungsverlauf im Detail: Wann sich die Haut regeneriert
Um zu verstehen, warum die Frage nach der richtigen Cremen-Dauer so entscheidend ist, lohnt sich ein Blick auf die mikro-feinen Verletzungen, die durch das Einbringen der Farbpigmente in die Epidermis entstehen. Der Körper reagiert darauf mit einem natürlichen Wundheilungsprozess, der sich in verschiedene Phasen unterteilt.
Die inflammatorische Phase (Tag 1 bis 3): Direkt nach der Behandlung ist die Haut gerötet, leicht geschwollen und beginnt, Wundsekret und überschüssige Farbpigmente absondern. In dieser Zeit arbeitet das Immunsystem auf Hochtouren. Die Farbe wirkt oft unnatürlich dunkel und intensiv.
Die proliferative Phase (Tag 4 bis 10): Die Wunde verschließt sich, und es bildet sich eine feine, kaum sichtbare Schutzschicht oder leichte Kruste. Genau jetzt fängt die Haut an zu spannen, und der berüchtigte Juckreiz setzt ein. Hier ist Disziplin gefragt: Kratzen oder das vorzeitige Ablösen der Kruste ist strengstens tabu, da sonst Pigmentlücken entstehen.
Die Regenerationsphase (Tag 11 bis 28): Die oberste Hautschicht hat sich erneuert. Die Farbe erscheint zunächst oft zu blass, da eine milchige neue Hautschicht über den Pigmenten liegt. Innerhalb der nächsten Wochen wandern die Farbpigmente in ihre endgültige Position, und der endgültige Farbton stabilisiert sich.
Regionale Unterschiede: Augenbrauen, Lippen und Lidstrich im Vergleich
Nicht jede Gesichtspartie verhält sich nach einer Pigmentierung gleich. Die Beschaffenheit der Haut und die Beanspruchung im Alltag bestimmen maßgeblich, wie lange und womit eingecremt werden muss.
Wichtig: Verwenden Sie niemals handelsübliche Bodylotions, parfümierten Cremes oder Anti-Aging-Produkte mit Fruchtsäuren oder Retinol auf den frisch pigmentierten Arealen. Dies kann zu schweren Hautreizungen oder zum vorzeitigen Verblassen der Farbe führen.
1. Permanent Make-up der Augenbrauen (Microblading / Powderbrows)
Bei den Augenbrauen gilt oft das Prinzip der "trockenen Heilung" oder ein sehr sparsames Intervall.
2. Permanent Make-up der Lippen (Aquarell Lips / Full Lips)
Die Lippenhaut ist extrem dünn, hochelastisch und stark durchblutet. Nach einer Lippenpigmentierung neigt das Gewebe zu starkem Trockenheitsgefühl. Hier ist es üblich, ab dem ersten Tag sehr konsequent, aber extrem dünn einen speziellen Pflegebalsam (oft vom Studio mitgegeben) aufzutragen. Die intensive Cremen-Phase dauert hier meist 7 bis 14 Tage, bis die Lippen nicht mehr spannen und die Hautbarriere intakt ist.
3. Lidstrich und Wimpernkranzverdichtung
Die Haut am Augenlid ist die dünnste des gesamten Körpers. Hier ist Vorsicht oberstes Gebot. Oft wird bei Lidstrichen komplett auf das klassische Cremen verzichtet, um das Risiko von Infektionen oder geschwollenen Augen zu minimieren. Falls eine Pflege empfohlen wird, geschieht dies nur nach exakter Studio-Anweisung und meist nur für wenige Tage sehr spärlich.
Fehlerquellen bei der Nachpflege: Was Sie unbedingt vermeiden sollten
Selbst die beste Behandlung im Studio kann durch falsche Pflege zu Hause ruiniert werden. Folgende Fehler sollten Sie während der gesamten Regenerationsphase von vier Wochen unbedingt umschiffen:
Falsches Produkt: Die Verwendung fetthaltiger Vaseline in zu dicken Schichten blockiert die Sauerstoffzufuhr der Haut ("Stauung" der Wundfeuchtigkeit). Nutzen Sie ausschließlich die vom Profi empfohlenen Cremes.
Zu viel des Guten: „Viel hilft viel“ ist beim Permanent Make-up ein folgenschwerer Irrtum. Die Haut muss atmen können. Tragen Sie Cremes immer nur in der Dicke eines Hauch-Schleiers auf.
Frühzeitige UV-Strahlung: Sonne und Solarium sind in den ersten 4 Wochen Gift für die frischen Pigmente. Die UV-Strahlen zerstören die noch instabilen Farbmoleküle und führen zu Farbveränderungen.
Aufweichen der Haut: Ausgiebige Vollbäder, Saunagänge und Hallenbad-Besuche weichen die sich bildende Schutzschicht auf, wodurch Farbpigmente herausgeschwemmt werden können.
Fazit und der Weg zum perfekten Endergebnis
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die intensive Phase des Cremens beschränkt sich bei den meisten Permanent Make-up-Techniken auf die ersten 7 bis 14 Tage.
Erst nach diesem Zeitraum zeigt sich die finale Farbintensität. Sollten nach dem vollständigen Abheilen kleinere Lücken entstanden sein, ist das kein Grund zur Sorge – diese werden im Rahmen des obligatorischen Nachbereitungstermins (meist nach 4 bis 6 Wochen) perfekt korrigiert. Hören Sie stets auf die individuellen Anweisungen Ihres Pigmentierstudios, da der Hauttyp und die verwendete Technik das exakte Vorgehen bestimmen.
Wie handhaben Sie die Pflege bei empfindlicher Haut oder planen Sie demnächst eine bestimmte Behandlung?
