Die Vorbereitung – Mehr als nur den Namen parat haben
Ganz ehrlich, der größte Fehler, den ich bei Freunden beobachtet habe, ist, dass sie völlig unvorbereitet anrufen. Man sitzt da, das Telefon klingelt, und plötzlich ist man so nervös, dass man den eigenen Nachnamen vergisst. Das passiert nicht, wenn man sich vorher ein paar Stichpunkte macht. Überlegen Sie sich genau: Worum geht es? Ist es Mietrecht, Erbrecht, oder vielleicht ein Bußgeldbescheid?
Ich meine, niemand erwartet, dass Sie schon alle Paragraphen zitieren können, aber Sie sollten die grobe Chronologie kennen und, ganz wichtig, die relevanten Daten notiert haben. Wann genau ist das passiert? Gibt es eine Frist, die bald abläuft? Wenn Sie plötzlich fragen müssen, wann der Vertrag unterschrieben wurde, wirkt das unprofessionell, und ich glaube, der Anwalt oder die Fachangestellte merkt das sofort. Sie brauchen Fakten, keine langen emotionalen Erzählungen – noch nicht jedenfalls.
Welche Unterlagen sollte ich griffbereit halten?
Auch wenn Sie die Dokumente später einscannen müssen, hilft es, wenn Sie wissen, was Sie haben. Haben Sie einen Brief vom Gericht? Ein Aktenzeichen? Ein Datum einer gerichtlichen Zustellung? Halten Sie diese Dinge bereit. Das signalisiert Kompetenz, auch wenn Sie selbst juristisch völlig unbedarft sind. Wir wollen ja vermeiden, dass das Gespräch unnötig in die Länge gezogen wird, weil man ständig nach Papieren kramen muss, oder?
Der Einstieg: Präzision schlägt Emotionalität
Die erste Minute ist entscheidend, denn Sie sprechen meistens nicht sofort mit dem Anwalt selbst, sondern mit einer Rechtsanwaltsfachangestellten (RAFA). Diese Damen und Herren sind hochprofessionell und ihre Aufgabe ist es, zu filtern. Sie müssen klar kommunizieren, dass Sie eine Erstberatung wünschen.
Mein Tipp hierzu: Fangen Sie mit Ihrem Namen und dem Schlagwort an. Zum Beispiel: „Guten Tag, mein Name ist Max Mustermann, ich rufe an wegen einer möglichen Scheidung/eines Verkehrsunfalls/einer Kündigung.“ Das ist kurz, prägnant und gibt dem Gegenüber sofort einen Anhaltspunkt, ob die eigene Kanzlei überhaupt zuständig ist. Wenn es sich um Arzthaftungsrecht handelt und die Kanzlei nur Strafrecht macht, ist das Gespräch nach 30 Sekunden beendet, und das ist gut so für beide Seiten.
Wenn der Anwalt oder die Fachkraft dann nachhakt, können Sie die Details liefern, aber nur so weit, wie es nötig ist, um die Zuständigkeit zu bestätigen. Ich habe oft das Gefühl, dass Leute anfangen, die ganze Geschichte zu erzählen, als würden sie einen Roman vorlesen. Das ist kontraproduktiv, weil die Zeit des Anwalts teuer ist, und die erste Telefonat-Zeit ist meist für die organisatorische Einordnung reserviert.
Der Umgang mit der Türsteherin: Die Fachangestellte respektieren
Ich muss das betonen, weil es oft missverstanden wird: Die RAFA ist nicht nur die Person, die Termine vergibt. Sie ist oft die erste juristische Instanz, die entscheidet, ob Ihr Fall überhaupt auf dem Schreibtisch des Anwalts landet. Seien Sie freundlich, aber bestimmt. Vermeiden Sie es, Forderungen zu stellen wie: „Ich muss sofort mit Herrn Dr. Schmidt sprechen!“
Stattdessen fragen Sie höflich, ob der Anwalt gerade Zeit für ein kurzes telefonisches Vorgespräch hat, oder ob es besser ist, einen Termin für eine Erstberatung zu vereinbaren. Wenn sie sagen, der Anwalt sei im Mandantengespräch, fragen Sie, wann eine gute Rückrufzeit wäre. Das zeigt Wertschätzung für deren Arbeitsorganisation.
Oftmals wird man gefragt, worum es genau geht, damit die Fachkraft entscheiden kann, ob der Anwalt der Richtige ist. Hier sollten Sie die Kurzzusammenfassung aus dem ersten Schritt verwenden. Wenn Sie hier schon zögerlich sind, könnte das als Zeichen gewertet werden, dass Sie selbst noch nicht klar strukturiert sind, was die Sache erschwert.
Typische Fallstricke: Was man beim ersten Anruf vermeidet
Es gibt ein paar Dinge, die ich persönlich immer vermeiden würde, wenn ich bei einer Kanzlei anrufe. Erstens: Drohungen. Auch wenn Sie wütend sind, Sätze wie „Wenn Sie mir nicht helfen, verklage ich Sie auch noch!“ sind absolut kontraproduktiv. Anwälte arbeiten professionell, nicht emotional.
Zweitens: Unklare Erwartungen an die Kosten. Viele rufen an und fragen: „Was kostet das?“ ohne zu sagen, um was es geht. Das ist unfair. Sie müssen schon sagen, dass Sie eine Beratung zu Thema X wünschen, bevor Sie nach dem Preis fragen. Ich weiß, dass die Kosten ein riesiges Thema sind, aber man muss sie im Kontext sehen.
Drittens: Zu viel juristisches Halbwissen einstreuen. Wenn Sie anfangen, über die neuesten Urteile des BGH zu philosophieren, die Sie auf einer dubiosen Webseite gelesen haben, kann das schnell nach hinten losgehen. Lassen Sie den Experten die juristische Analyse machen. Ihre Aufgabe ist es, die Fakten zu liefern.
Die Kostenfrage klären: Wann und wie frage ich nach dem Honorar?
Das ist der Punkt, an dem viele zögern, aber ich finde, man muss ihn frühzeitig ansprechen, idealerweise, bevor der Termin feststeht. Wenn die Fachkraft Ihnen einen Termin vorschlägt, ist der perfekte Moment, um zu fragen: „Vielen Dank für die Terminvereinbarung. Können Sie mir kurz sagen, wie die Kosten für diese erste Beratung kalkuliert werden? Ist das eine Pauschale oder wird nach Zeit abgerechnet?“
In Deutschland wird die Erstberatung oft pauschaliert, besonders bei Verbrauchern, und liegt, je nach Komplexität und Kanzleigröße, häufig zwischen 150 und 250 Euro netto. Wenn es sich um komplexere Fälle handelt oder wenn Sie bereits eine Rechtsschutzversicherung haben, ändert sich die Dynamik natürlich. Wenn Sie eine Versicherung haben, erwähnen Sie das sofort beim ersten Kontakt, damit die Kanzlei direkt prüfen kann, ob eine Deckungszusage eingeholt werden muss. Das spart Zeit und vermeidet Überraschungen.
Nach dem Anruf: Was passiert jetzt mit meiner Anfrage?
Nachdem Sie alle wichtigen Informationen geliefert haben und einen Termin vereinbart oder eine Rückmeldung erbeten haben, ist es gut, kurz zusammenzufassen, was Sie erwarten. Wenn Sie einen Termin bekommen haben, fragen Sie, ob Sie die wichtigsten Unterlagen vorab per E-Mail senden sollen, um dem Anwalt die Vorbereitung zu erleichtern. Das ist ein Zeichen von Professionalität.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kanzleien, die schnell eine Bestätigungsmail mit allen Details (Datum, Uhrzeit, Dauer der Beratung, benötigte Dokumente) senden, oft die effizientesten sind. Wenn Sie nach zwei Tagen noch nichts gehört haben, ist es absolut legitim, höflich nachzuhaken, ob die Anfrage angekommen ist. Manchmal gehen Dinge in der Hektik des Alltags einfach unter, und es ist besser, einmal nachzuhaken, als wichtige Fristen zu verpassen, nur weil man sich nicht traute, nochmal anzurufen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Seien Sie vorbereitet, seien Sie sachlich, und behandeln Sie die Mitarbeiter der Kanzlei mit dem Respekt, den sie verdienen. Dann klappt der Anruf beim Anwalt fast immer reibungslos.

