Was bedeutet "günstig" in den USA wirklich? Der Index-Check
Man muss vorsichtig sein mit dem Begriff "günstig", denn er kann alles Mögliche bedeuten. Meint der Fragesteller die Miete, die Benzinpreise oder die monatlichen Gesamtausgaben inklusive Krankenversicherung? Ich denke, die besten Vergleiche liefern die Lebenshaltungskostenindizes, die ja versuchen, all diese Faktoren zu gewichten. Nehmen wir zum Beispiel New York City oder San Francisco – die sind astronomisch teuer, kein Geheimnis. Aber wenn Sie dann in den Süden schauen, beispielsweise nach Alabama oder West Virginia, dann sehen Sie Indizes, die 20 bis 30 Prozent unter dem nationalen Durchschnitt liegen können.
Das ist ein gewaltiger Unterschied, wenn Sie das auf ein ganzes Jahr hochrechnen. Ich habe mal beobachtet, dass gerade die Nebenkosten in den ländlicheren Regionen überraschend niedrig sind, weil die Energieversorger dort oft regional besser aufgestellt sind. Aber vergessen Sie nicht: Ein niedriger Index ist nur die halbe Miete, wenn die Löhne im gleichen Maße gedrückt werden, was leider oft der Fall ist.
Der große Steuer-Kniff: Staaten ohne Einkommensteuer
Ein Faktor, der die monatliche Belastung sofort und spürbar senkt, sind die staatlichen Einkommensteuern. Das ist ein Punkt, den viele Europäer, die an hohe Abzüge gewöhnt sind, unterschätzen. Staaten wie Texas, Florida, Tennessee, Washington oder Nevada erheben keine staatliche Einkommensteuer auf Ihr Gehalt. Das bedeutet, wenn Sie 50.000 Dollar verdienen, bleiben Ihnen netto mehr als in Kalifornien oder New York, wo Sie leicht 6 bis 9 Prozentpunkte an diesen Staat abgeben müssen.
Das ist ein direkter Kaufkraftgewinn, der sich sofort im Portemonnaie bemerkbar macht, besonders wenn man ein höheres Gehalt erzielt. Aber Achtung, das ist kein Freifahrtschein für Sparsamkeit. Diese Staaten gleichen das oft durch höhere Grundsteuern (Property Taxes) oder höhere Verkaufssteuern (Sales Tax) wieder aus. Florida hat zum Beispiel keine Einkommensteuer, aber die Verkaufsteuer kann in manchen Countys recht hoch sein, was den Einkauf teurer macht, wenn man nicht gerade Immobilienbesitzer ist.
Wo die Wohnkosten wirklich niedrig sind: Der Mittlere Westen ruft
Wenn wir über das größte Sparpotenzial sprechen, reden wir über Wohnen. Für mich persönlich war es immer erstaunlich, wie günstig man in bestimmten Ballungszentren abseits der Küsten leben kann. Ich meine, in vielen Vororten von Kansas City oder in Teilen von Ohio bekommen Sie für unter 1.200 Dollar im Monat eine Wohnung, für die Sie in Seattle das Doppelte zahlen müssten, wenn Sie überhaupt etwas finden. Aber das ist subjektiv, natürlich. Ich habe gehört, dass man in Detroit, trotz aller Fortschritte, immer noch extrem günstig Eigentum erwerben kann, aber das hängt stark von der spezifischen Nachbarschaft ab.
Die wirklichen Schnäppchen macht man oft in den Städten, die gerade eine langsame Wiederbelebung erleben, aber noch nicht von der Gentrifizierungswelle erfasst wurden. Das sind oft die Städte, die Sie auf den ersten Blick nicht auf dem Radar haben, wenn Sie an die USA denken. Ich würde da zum Beispiel nach Oklahoma City oder Indianapolis schauen, wenn ich heute einen Platz suchen würde, der bezahlbar ist und trotzdem eine gewisse Infrastruktur bietet.
Vorsicht Falle: Die versteckten Kosten des günstigen Lebens
So, und jetzt kommt der Teil, den mir niemand glauben will, wenn ich ihn erzähle, aber ich habe es mehrfach beobachtet: Günstig ist nicht immer besser. Wenn die Lebenshaltungskosten extrem niedrig sind, liegt das oft an fehlenden Investitionen in die Infrastruktur oder den öffentlichen Dienst. Ich denke da an die Qualität der Straßen, die Geschwindigkeit des Internets – was für uns Heutige fast essenziell ist – oder die Verfügbarkeit von Spezialärzten.
In manchen sehr günstigen Regionen im tiefen Süden oder in den Appalachen kann die medizinische Versorgung ein echtes Problem darstellen, oder die Versicherungsprämien sind trotz niedrigerer Lebenshaltungskosten paradoxerweise hoch, weil das Risiko für die Versicherer dort größer eingeschätzt wird. Man muss also immer fragen: Was opfere ich für die 300 Dollar, die ich monatlich spare? Ist es die Fahrtzeit zur nächsten guten Schule oder der Zugang zu schnellem Breitbandinternet?
Günstige Reiseziele für den Kurzaufenthalt: Wenn Urlaub günstig sein soll
Wenn es Ihnen nur um einen günstigen Aufenthalt als Tourist geht und nicht um das dauerhafte Leben, dann verschiebt sich der Fokus ein wenig. Städtereisen in Metropolen sind immer teuer, das ist klar. Aber wenn Sie die großen Touristenfallen meiden, wird es besser. Ich habe festgestellt, dass Städte in den Great Lakes Regionen, wie zum Beispiel Milwaukee oder Cleveland, oft deutlich günstigere Hotels und Verpflegung bieten als vergleichbar große Städte an den Küsten.
Auch die Nationalparks im Mittleren Westen oder in den Rocky Mountains außerhalb der Hauptsaison sind wesentlich erschwinglicher in Bezug auf Unterkunft und Verpflegung als die berühmten Parks im Westen wie der Yosemite oder der Grand Canyon im Sommer. Das ist oft eine Frage der Reisezeit und der Vermeidung von Hotspots, ganz einfach.
Fazit: Wo liegt der Sweet Spot für mich?
Um ehrlich zu sein, die Suche nach dem günstigsten Ort in den USA ist letztlich eine sehr persönliche Gleichung. Es gibt keinen einzigen Staat, der in allen Kategorien gewinnt. Wenn Ihnen Steuern am wichtigsten sind, schauen Sie nach Texas oder Florida. Wenn Wohnen das A und O ist, dann suchen Sie in den weniger gehypten Städten des Mittleren Westens, vielleicht in Michigan oder Indiana. Ich persönlich tendiere immer zu einem Kompromiss, wo die Lebenshaltungskosten niedrig sind, aber es trotzdem einen funktionierenden Arbeitsmarkt gibt und man nicht komplett von der Zivilisation abgeschnitten ist. Überlegen Sie sich genau, welche Art von Kompromiss Sie bereit sind einzugehen, denn das macht den Unterschied zwischen günstig und frustrierend aus.

