Warum der Spitzensteuersatz allein nicht die Wahrheit sagt
Viele Leute schauen nur auf die Zahl, die im Gesetzbuch steht. In Deutschland reden wir über den Spitzensteuersatz von 45 Prozent, plus Solidaritätszuschlag, was effektiv auf 47,47 Prozent kommt, wenn man es genau nimmt. Das klingt schon hart, keine Frage. Aber ich habe mir mal die Mühe gemacht, das mit anderen Nationen zu vergleichen, und da sehe ich oft, dass der deutsche Spitzensteuersatz erst relativ spät greift, sagen wir mal bei Einkommen um die 60.000 Euro, je nach Familienstand.
Wenn ich mir beispielsweise Frankreich ansehe, dort beginnt der höchste Satz oft schon früher, und die Sozialabgaben sind dort anders strukturiert, was die gefühlte Last auf dem Gehaltszettel verändert. Was ich persönlich bemerkenswert finde, ist, dass in Deutschland die Abgaben für die Sozialversicherung (Rente, Pflege, Arbeitslosigkeit) einen riesigen Block bilden, der oft unterschlagen wird, wenn man nur die Einkommensteuer betrachtet. Diese Arbeitgeber- und Arbeitnehmerbeiträge sind zwar zweckgebunden, aber sie reduzieren das verfügbare Nettoeinkommen genauso stark wie jede andere Steuer.
Die Rolle der Sozialabgaben bei der Gesamtbelastung
In Deutschland liegen die Sozialabgaben oft im Bereich von 20 Prozent des Bruttogehalts, je nachdem, wie man rechnet. Das ist ein dicker Batzen. Wenn wir nun Länder wie Frankreich oder Belgien nehmen, wo die Einkommensteuer-Spitzen zwar ähnlich hoch sind, aber die Sozialbeiträge anders verteilt sind, dann verschiebt sich das Bild. In Belgien zum Beispiel, da knabbern sie dir schon früh kräftig an den Taschen, und das meine ich ganz subjektiv, weil die Grenzsteuersätze – also die Steuer auf jeden zusätzlich verdienten Euro – astronomisch hoch sein können, manchmal über 50 Prozent, bevor man überhaupt die lokalen Abgaben berücksichtigt.
Skandinavien: Wo die Abgabenlast wirklich astronomisch wird
Wenn es um das Land geht, das Deutschland in Sachen nackter Steuerlast fast immer übertrifft, muss man meiner Meinung nach nach Norden schauen. Dänemark und Schweden sind hier die Paradebeispiele. Ich habe das Gefühl, dass diese Länder eine ganz andere Philosophie verfolgen: Hohe Steuern für hohe soziale Sicherheit und öffentliche Dienstleistungen, die funktionieren sollen. Und das tun sie ja oft auch, wenn man ehrlich ist.
In Dänemark beispielsweise ist die Einkommensteuer oft progressiver und erreicht Spitzenwerte, die deutlich über dem deutschen Satz liegen, selbst wenn man den deutschen Soli mit einrechnet. Aber was mich wirklich umhaut, ist dort oft die Mehrwertsteuer. Während wir hier in Deutschland bei 19 Prozent festgenagelt sind (mit Ausnahmen), liegt der Standardsatz in Dänemark bei 25 Prozent. Das spürt jeder, ob man nun ein Top-Manager ist oder ein Student, der sich ein Buch kauft.
Ich habe mal gelesen, dass in bestimmten Regionen Schwedens die effektive Gesamtsteuerlast – also alles zusammen – die 55-Prozent-Marke knacken kann, und das ist schon eine Hausnummer, die Deutschland in dieser Form nur sehr selten erreicht, es sei denn, man hat extrem hohe Kapitaleinkünfte, die anders besteuert werden.
Belgien: Der stille Spitzenreiter bei der Grenzsteuer
Belgien wird oft vergessen, weil es so klein ist, aber wenn es um die Besteuerung von Arbeitseinkommen geht, ist es ein echtes Schwergewicht. Ich denke, viele Selbstständige, die ich kenne und die dort hinziehen, sind schockiert, wenn sie die tatsächlichen Abzüge sehen. Das belgische System ist berüchtigt für seine sehr hohen Grenzsteuersätze, die sehr schnell greifen.
Man kann dort schnell in einen Bereich kommen, wo der marginale Steuersatz – also der Satz auf den nächsten Euro – bei über 53 Prozent liegt, und das ist rein die Einkommensteuer, bevor wir über die obligatorischen Sozialversicherungsbeiträge sprechen. Das ist gefühlt einfach ein höheres Niveau an staatlicher Teilhabe am Verdienst als bei uns in Deutschland. Ich glaube, das ist ein wichtiger Unterschied: Deutschland besteuert das Einkommen hoch, aber Belgien scheint es auf dem Weg vom Arbeitgeber zum Arbeitnehmer aggressiver abzuschöpfen.
Was ist mit der Mehrwertsteuer? Ein entscheidender Faktor
Wir müssen weg vom reinen Blick auf die Lohnsteuer. Die indirekte Besteuerung, die Mehrwertsteuer oder die Umsatzsteuer, trifft uns alle kontinuierlich. Deutschland liegt mit seinen 19 Prozent im EU-Vergleich eher im Mittelfeld, tendenziell eher unten. Länder wie Ungarn mit 27 Prozent oder Schweden mit 25 Prozent haben hier einen klaren Vorsprung, wenn es darum geht, den Konsum stärker zu belasten.
Das ist etwas, das ich als Konsument spüre, und ich finde, das ist ein fairer Vergleichspunkt. Wenn ein Land zwar eine niedrigere Einkommensteuer hat, aber ich beim Lebensmitteleinkauf oder beim Handwerker 25 Prozent draufzahlen muss, dann ist meine Kaufkraft im Alltag viel stärker eingeschränkt. Das ist eine Art von Steuer, die man nicht so leicht vermeiden kann wie vielleicht die Spitzensteuer auf ein sehr hohes Einkommen.
Die Komplexität der Unternehmensbesteuerung
Für viele Leser, die vielleicht selbstständig sind oder über Unternehmensgründungen nachdenken, ist die Körperschaftsteuer relevant. Hier ist Deutschland mit seinem Mix aus Gewerbesteuer und Körperschaftsteuer (insgesamt oft um die 30 Prozent, je nach Gemeinde) gar nicht so extrem hoch, wenn man es mit Ländern wie Frankreich oder Japan vergleicht, wo die Standardraten historisch höher lagen.
Aber Achtung: Wir müssen immer die Gesamtstruktur anschauen. Viele Länder locken mit niedrigen Körperschaftsteuersätzen, aber sie haben dann hohe Abzüge für Mitarbeiter oder andere Quellensteuern. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die einfache Zahl auf dem Papier oft irreführend ist. Man muss die gesamte Wertschöpfungskette betrachten, um zu sehen, wo der Staat wirklich zuschlägt.
Fazit: Es kommt immer darauf an, was man vergleicht
Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, es gibt Länder, die Deutschland bei der Einkommensteuer übertreffen, insbesondere Belgien und die skandinavischen Länder, wenn man die Sozialabgaben mit einbezieht. Wenn es um die reine Konsumbesteuerung geht, sind Länder wie Ungarn definitiv vorne mit dabei. Deutschland hat zwar eine hohe Steuerquote insgesamt, aber es ist oft die Mischung aus Einkommensteuer und Sozialabgaben, die uns hier im Mittelfeld der Hochsteuerländer positioniert, anstatt an der absoluten Spitze.
Ich denke, bevor man sich über die nächste Steuererhöhung in Deutschland ärgert, sollte man sich kurz anschauen, was die Bürger in Kopenhagen oder Brüssel jeden Monat an den Staat abliefern müssen. Das relativiert die eigene Situation manchmal ungemein, auch wenn es natürlich keinen Trost spendet, wenn man gerade seine Steuererklärung ausfüllt. Es bleibt ein ständiges Abwägen zwischen staatlicher Leistung und persönlicher Freiheit, was das eigene Portemonnaie angeht.

