Der große Kontrast: Paris versus die Provinz
Wenn ich durch Paris spaziere, fühlt es sich manchmal fast an wie in Berlin oder London. Überall poppen neue, rein vegane Cafés auf, die sich auf Gebäck oder moderne Bowls spezialisiert haben. Ich habe neulich in Le Marais ein kleines veganes Eisgeschäft entdeckt – unglaublich cremig, ohne Milch, das war ein echtes Highlight. Da ist die Sache klar: Wer in Paris ist, muss suchen, aber er wird fündig. Die Speisekarten sind oft zweisprachig, und die Kellner sind meistens zumindest grob informiert, was "végan" bedeutet.
Aber dann fahre ich in die Bretagne oder in ein Dorf in der Dordogne. Dort ist die Situation eine völlig andere. Die traditionelle Küche dort lebt von Crêpes mit Käse, Meeresfrüchten und Eiern. Wenn ich dort frage, ob sie etwas Veganes haben, bekomme ich oft nur ein verständnisloses Kopfschütteln oder den Vorschlag: "Vielleicht eine große Portion Pommes Frites und einen Salat ohne Dressing?" Ich denke, das ist der größte Stolperstein: Die Erwartungshaltung an spontane, einfache Lösungen. Dort muss man wirklich jeden einzelnen Bestandteil erklären, und das kann anstrengend werden, besonders wenn man hungrig ist.
Die Kunst der Übersetzung: Vokabular, das man beherrschen muss
Ich habe schnell gelernt, dass das einfache Wort "végétalien" oft nicht ausreicht. Viele ältere Kellner oder Köche verwechseln das mit vegetarisch, weil sie einfach nicht mit dem Begriff vertraut sind. Deshalb habe ich mir eine kleine Liste von Sätzen antrainiert, die ich immer im Kopf habe. Das ist meine absolute Überlebensstrategie.
Man muss wirklich präzise sein. Zum Beispiel: "Je ne mange absolument aucun produit d'origine animale, y compris le miel, les œufs et le lait." (Ich esse absolut keine Produkte tierischen Ursprungs, einschließlich Honig, Eier und Milch.) Das ist lang, aber es lässt keinen Raum für Interpretation. Wenn ich nur frage "Est-ce que c'est vegane?", bekomme ich oft nur die Antwort "Oui, c'est végétarien." Und dann stehst du da mit deinem Gemüsegericht, das vor Butter trieft.
Ein weiterer wichtiger Punkt, der mir aufgefallen ist: Fragen Sie immer nach den Beilagen! Selbst wenn das Hauptgericht wie Gemüse aussieht. Oft werden Kartoffeln in Butter angebraten oder Gemüse in Hühnerbrühe gekocht. Das sind diese kleinen Details, die den Unterschied machen zwischen einem entspannten Abend und einem frustrierenden Gespräch mit dem Küchenchef.
Vegane Optionen in der Gastronomie: Wo man suchen sollte
Wo lohnt es sich, Zeit und Geld zu investieren, wenn man vegan essen möchte? Nun, klassische Brasserien sind oft schwierig, es sei denn, sie haben eine moderne Interpretation der Küche. Ich meide oft die ganz traditionellen "Cuisine traditionnelle" Läden, wenn ich keine Zeit für ausführliche Diskussionen habe. Stattdessen setze ich auf drei Kategorien.
Erstens: Asiatische Küche, besonders Vietnamesisch oder Thailändisch. Die haben oft schon von Natur aus viele Tofu- oder Gemüsegerichte. Man muss nur aufpassen beim Fischsud (Nuoc Mâm) oder den Eiern in den Nudelgerichten. Aber mit ein paar klaren Anweisungen ist das meistens gut machbar.
Zweitens: Indische Restaurants. Die sind weltweit oft ein sicherer Hafen für Veganer. In Frankreich ist das nicht anders. Ein einfaches Dal oder ein Kichererbsen-Curry (Chana Masala) ist meistens einfach anzupassen oder schon vegan. Ich denke, die indische Küche hat hier einen riesigen Vorteil durch ihre jahrhundertelange Tradition der pflanzlichen Ernährung.
Drittens: Die neuen, hippen Spots. In Städten über 100.000 Einwohner gibt es fast immer mindestens ein spezialisiertes Café oder ein gesundheitsbewusstes Restaurant. Dort sind die Preise natürlich höher, man zahlt für ein veganes Mittagessen schnell mal 16 bis 20 Euro, aber dafür ist die Sicherheit garantiert. Das ist der Preis für die Bequemlichkeit, glaube ich.
Selbstversorgung: Supermärkte und das Finden der Basics
Wenn man sich selbst verpflegt, wird es deutlich entspannter, weil man die Kontrolle hat. Wie sieht es da mit den Basics aus? Hafermilch (Lait d'avoine) findet man mittlerweile fast überall, selbst in kleineren Supermärkten wie Carrefour City oder Franprix, wenn man in der Nähe einer größeren Stadt ist. In den großen Hypermarkets wie E.Leclerc oder Auchan ist die Auswahl riesig, da gibt es oft sogar veganen Käse, obwohl ich persönlich von den französischen Marken noch nicht restlos überzeugt bin – die Textur ist oft noch etwas eigenartig, wenn ich ehrlich bin.
Was ich immer mitnehme, sind vegane Snacks für den Notfall, falls ich mal wieder in einem Dorf feststecke, wo es nur eine Bäckerei gibt. Aber ansonsten sind Linsen, Kichererbsen und Reis überall verfügbar. Der Trick liegt im Marktbesuch. Auf den lokalen Märkten (Marchés) bekommt man fantastisches, frisches Gemüse. Wenn man dort einkauft, muss man sich nur um die Käse- und Wursttheken kümmern, der Rest ist oft unproblematisch und von hoher Qualität. Ich finde, das ist ein riesiger Pluspunkt für Frankreich: die Qualität der unverarbeiteten Produkte ist oft unschlagbar.
Die häufigsten Fettnäpfchen: Was die meisten Veganer übersehen
Ich muss gestehen, ich bin am Anfang auch in einige Fallen getappt. Das größte Problem ist meiner Meinung nach die unbewusste Verwendung von tierischen Produkten, die man in Deutschland vielleicht gar nicht mehr auf dem Schirm hat, weil sie dort automatisch in der veganen Version verkauft werden. Denken Sie an Brot.
In Frankreich wird Brot oft mit Milch oder Eiern verfeinert, besonders wenn es süßlich oder sehr weich ist (Viennoiserie, natürlich, aber auch manche Baguettes). Fragen Sie immer nach "pain sans lait ni œufs". Das ist oft eine Quelle der Verwirrung, weil die Leute denken, ein einfaches Brot sei immer vegan, was halt nicht stimmt.
Ein weiteres Fettnäpfchen sind die Pommes Frites. Ich weiß, es klingt verrückt, aber in manchen traditionellen Restaurants werden sie in Rinderfett (Graisse de bœuf) frittiert, um diesen speziellen Geschmack zu bekommen. Das ist zwar seltener geworden, aber es passiert noch. Wenn Sie sichergehen wollen, fragen Sie explizit: "Est-ce que les frites sont cuites dans l'huile végétale ?" (Werden die Pommes in Pflanzenöl frittiert?). Das klingt vielleicht übertrieben, aber es schützt vor bösen Überraschungen am Abend.
Fazit: Frankreich als veganes Reiseziel – Lohnt sich die Mühe?
Abschließend, kann man in Frankreich vegan essen? Ja, absolut, aber es erfordert mehr aktive Mitarbeit als in vielen anderen westeuropäischen Ländern. Es ist keine passive Erfahrung. Frankreich zwingt einen dazu, sich mit der Sprache, der Kultur und den Zutaten auseinanderzusetzen. Das kann anstrengend sein, aber es ist auch unglaublich bereichernd, finde ich.
Für den Kurztrip nach Paris oder eine Städtereise mit Fokus auf moderne Gastronomie ist es ein Spaziergang. Für den zweiwöchigen Roadtrip durch die Auvergne, bei dem man auf jeden Bauernmarkt angewiesen ist, sollte man sich mental wappnen und vielleicht ein paar Packungen vegane Proteinpulver einpacken. Es ist eine Reise der kleinen Siege: Wenn man nach einer halben Stunde mühsamer Erklärung doch ein wunderbares, rein pflanzliches Menü serviert bekommt, schmeckt es gleich doppelt so gut. Es ist ein Land, das seine Traditionen liebt, und wir müssen lernen, uns liebevoll in diese Tradition einzufügen, anstatt nur nach Ersatzprodukten zu suchen.
