Was ist das überhaupt, Trimethylaminurie?
Erstmal ganz kurz, für alle, die vielleicht gerade erst drüber stolpern: Trimethylaminurie – auch „Fischgeruchssyndrom“ genannt – ist eine seltene Stoffwechselerkrankung. Der Körper kann Trimethylamin (TMA) nicht richtig abbauen. Das Zeug stinkt nach faulem Fisch, und wenn es nicht abgebaut wird, kommt es über Schweiß, Atem und Urin raus. Unangenehm? Ja. Lebbar? Auf jeden Fall. Aber die Ernährung spielt eine riesige Rolle.
Und genau da fängt das Problem an: Weil TMA vor allem aus Nährstoffen entsteht, die reich an Cholin, Carnitin und bestimmten Aminosäuren sind, muss man da echt aufpassen. Aber – und das ist wichtig – man muss nicht alles streichen. Es geht um Balance. Und um kluge Entscheidungen.
Die Lebensmittel, die man besser meidet
Okay, fangen wir mit dem an, was ich am Anfang einfach nicht wusste: Es geht nicht nur um Fisch. Ich dachte immer: „Wenn ich keinen Fisch esse, bin ich safe“. Pustekuchen. Es gibt so viele versteckte Quellen für Cholin und TMA-Vorstufen.
Folgende Sachen sind echte No-Gos – zumindest in größeren Mengen:
- Frischer Seefisch (besonders Schwertfisch, Thunfisch, Makrele)
- Organfleisch – also Leber, Niere, Hirn (ja, das isst man hierzulande nicht mehr so oft, aber trotzdem)
- Eier, vor allem Eigelb
- Milchprodukte mit hohem Fettgehalt (Sahne, Butter, Käse)
- Bohnen und Linsen – ja, wirklich, auch Hülsenfrüchte
- Blumenkohl, Brokkoli, Rosenkohl – ja, das hört sich komisch an, aber die enthalten viel Cholin
- Manche Nüsse, besonders Mandeln und Erdnüsse
- Sojaprodukte – Tofu, Tempeh, Sojamilch… alles heikel
Ich hab’s durch Zufall rausgefunden, als ich mal wieder nach einem Mittagessen mit Linsensuppe und einem Joghurt am Abend diesen… komischen Geruch an mir gemerkt hab. Meine Freundin Lena hat nichts gesagt, aber ich hab’s gesehen – dieses leichte Rümpfen der Nase. Peinlich. Danach hab ich angefangen, alles aufzuschreiben, was ich esse.
Aber was darf man denn dann überhaupt?
Das ist die millionen-Euro-Frage, oder? Und die ehrliche Antwort: Eine ganze Menge. Es ist kein Todesurteil. Ich esse heute sogar öfter und abwechslungsreicher als vorher. Hört sich komisch an, ist aber so.
Hier sind meine täglichen Sicherheiten:
Obst – fast alles erlaubt
Äpfel, Birnen, Bananen, Orangen, Beeren – die sind super. Ich mach mir oft einen Smoothie mit Banane, Apfel und etwas Zimt. Nur exotische Früchte wie Avocado solltest du besser meiden – die ist cholinreich. Aber sonst? Fruit attack.
Getreide und Stärkequellen
Vollkornbrot? Geht, aber nicht jeden Tag. Am besten ist helles Brot, Reis (weiß oder Basmati), Kartoffeln, Haferflocken (in Maßen). Ich liebe Kartoffelpüree mit etwas Kräuterbutter – ja, ein bisschen Butter geht, aber nicht zu viel. Ich benutze manchmal eine Mischung aus Margarine und Butter, um den Gehalt runterzusetzen.
Fleisch – aber mit Bedacht
Hühnchen, Putenfleisch, mageres Rind – das ist okay, solange du es nicht täglich isst. Ich esse etwa zweimal die Woche ein kleines Stück Hähnchenbrust, gut durchgebraten. Fisch? Nur sehr selten, und wenn, dann nur kleine Mengen von Süßwasserfischen wie Forelle – aber das muss jeder für sich testen. Bei mir geht’s ein Mal im Monat, nicht öfter.
Das Gemüseparadies
Also, hier kommt’s: Die meisten Gemüsesorten sind erlaubt! Karotten, Zucchini, Paprika, Gurken, Salat, Mangold, Spinat (aber auch hier nicht zu viel), Zwiebeln, Pilze – alles erlaubt. Ich mach mir oft einen großen Salat mit Rucola, Paprika, Gurke und etwas Olivenöl. Lecker und sicher.
Ja, Karfiol und Brokkoli sind problematisch – aber ich esse sie trotzdem ab und zu, wenn ich Lust hab. Dann einfach nur ein kleines Stück, gut gewaschen und gedünstet. Und danach viel trinken. Wasser ist übrigens dein bester Freund – mindestens zwei Liter am Tag.
Mein Tipp: Führe ein Ernährungstagebuch
Ich weiß, klingt nervig. War’s am Anfang auch. Aber es hat mir echt geholfen. Jeden Tag aufschreiben: Was hab ich gegessen? Wie viel? Wie fühl ich mich danach? Rieche ich was? Das klingt jetzt vielleicht psycho, aber nach vier Wochen hat sich ein Muster gezeigt.
Ich hab gemerkt, dass bei mir Eier extrem auslösen – schon ein halbes Ei reicht. Aber Linsen? Bei mir geht’s, wenn ich sie klein portioniere und nicht mit Milchprodukten kombiniere. Jeder Körper reagiert anders.
Und was ist mit Snacks?
Ach Gott, das war am Anfang das Schlimmste. Ich hab immer irgendwas zwischen den Mahlzeiten gebraucht. Chips? Oft voll mit tierischen Aromen – Finger weg. Schokolade? Nur vegane, ohne Milchpulver. Ich hab lange gebraucht, bis ich eine gefunden hab, die schmeckt. Meine Rettung: Reiswaffeln mit Apfelmus. Oder eine Banane. Einfach, aber sättigend.
Und manchmal – ganz selten – gönn ich mir ein Stück dunkle Schokolade. 85 Prozent Kakao, ohne Milch. Ein kleines Stück. Danach spüle ich mit viel Wasser nach. Funktioniert.
Ernährungsberaterin oder doch allein?
Ich war letztes Jahr bei einer Ernährungsberaterin, die sich auf Stoffwechselstörungen spezialisiert hat. War nicht billig, aber das Geld wert. Sie hat mir einen individuellen Plan gemacht, hat mir gezeigt, wie ich Cholin-Inhalte checke, und mir Rezepte gegeben, die wirklich funktionieren.
Wenn du das nicht kannst – verständlich – dann such dir Infos aus vertrauenswürdigen Quellen. Foren helfen manchmal, aber Vorsicht: Da schwirren auch viele Halbwahrheiten rum. Ich war mal in einem, wo jemand gesagt hat: „Iss einfach jeden Tag Leber, das regt den Stoffwechsel an“. Nein. Bitte nicht.
Fazit: Es ist kein Härtefall, sondern eine Herausforderung
Trimethylaminurie ist nicht schön. Manchmal fühlst du dich isoliert, besonders wenn andere essen, was sie wollen. Aber du kannst ein gutes Leben führen. Mit etwas Disziplin, ein bisschen Achtsamkeit und einer Prise Humor.
Ich hab gelernt, dass Essen nicht nur Nahrung ist, sondern auch Sicherheit, Genuss, Ritual. Und ja, ich hab meine Einschränkungen. Aber ich hab auch gelernt, was mir wirklich guttut – körperlich und seelisch.
Du musst nicht perfekt sein. Manchmal isst man was, das man nicht sollte. Dann riecht’s halt mal. Na und? Morgen ist ein neuer Tag. Hauptsache, du kennst deine Grenzen – und hörst auf deinen Körper.
Weißt du was? Ich glaub, ich geh jetzt einen Apfel essen. Gute Idee, oder?
