Die römische Welt: Schwamm auf einem Stock als Gemeinschaftswerkzeug
Wenn wir ganz weit zurückgehen, beispielsweise ins antike Rom, kommen wir zu einer Methode, die uns heute absolut fremd vorkommt. In öffentlichen Latrinen, wo oft viele Menschen nebeneinander saßen, gab es keine individuellen Utensilien. Nein, stattdessen benutzte man das sogenannte Tersorium. Das war im Grunde ein Schwamm, der auf einem Stock befestigt war.
Ich stelle mir das Bild vor und finde es ehrlich gesagt ziemlich gruselig. Dieser Schwamm wurde nach Gebrauch in einem Eimer mit Salzwasser oder Essigwasser ausgewaschen und dann einfach wieder für den Nächsten bereitgestellt. Das zeigt uns, dass das Konzept der individuellen Hygiene, wie wir es kennen, damals schlichtweg nicht existierte – es ging mehr um die Beseitigung des gröbsten Materials.
In wohlhabenderen römischen Haushalten sah das natürlich anders aus. Dort, wo fließendes Wasser oder zumindest Wasser in Krügen verfügbar war, haben die Leute einfach Wasser genutzt. Wasser ist, so meine Meinung, die natürlichste und hygienischste Methode, und es ist interessant, dass wir uns in vielen Kulturen wieder dorthin zurückentwickeln, Stichwort Bidets.
Wenn kein Wasser da war: Die Macht der Naturmaterialien
Nun, was passierte, als die großen Zivilisationen zerfielen und die Menschen wieder ländlicher lebten, vielleicht weit entfernt von einem gut geführten öffentlichen Badehaus? Dann griff man auf das zurück, was direkt vor der Tür lag. Ich habe gelesen, dass die Auswahl der richtigen Pflanze entscheidend war, denn man wollte sich ja nicht verletzen.
Ein sehr beliebter Kandidat, besonders in Nordeuropa, war das Wollkraut, auch bekannt als Königskerze. Die Blätter sind weich und leicht flaumig, was sie im Vergleich zu anderen Blättern recht angenehm machte. Man musste nur darauf achten, dass man die richtigen Sorten wählte, denn einige Gräser oder Blätter können extrem scharfkantig sein, was zu unschönen Schürfwunden führen kann, das kann ich mir gut vorstellen.
In Nordamerika, gerade bei den Ureinwohnern, waren auch Moos, weiche Federn oder sogar ausgehöhlte Maiskolben verbreitet. Der Maiskolben, das ist so ein Ding, das oft erwähnt wird. Er wurde trocken oder leicht angefeuchtet benutzt, aber man muss sich klarmachen, dass die Textur alles andere als sanft war. Es war eine pragmatische Lösung, aber sicherlich nicht komfortabel.
Die Rolle des Wetters und der Jahreszeit
Man darf nicht vergessen, dass die Verfügbarkeit stark von der Jahreszeit abhing. Im Winter sah die Sache schlecht aus, wenn alles gefroren oder unter Schnee begraben war. Dann musste man auf lagerfähige Alternativen zurückgreifen, oder, wie manche Quellen vermuten lassen, auf Schnee, was ich mir nur als extrem unangenehm vorstelle, vielleicht kurz angefroren, um die Schärfe zu nehmen, aber wer weiß das schon genau?
Stoffreste und die Frage der Wiederverwendung im Mittelalter
Im europäischen Mittelalter, besonders bei den wohlhabenderen Schichten, die Zugang zu Textilien hatten, war die Geschichte etwas anders gelagert. Man benutzte keine Einwegprodukte, logischerweise, sondern Stoffreste. Denken Sie an alte Leinen- oder Wollfetzen.
Hier kommt der entscheidende Unterschied: Diese Stoffe wurden wiederverwendet. Das bedeutet, sie wurden grob gereinigt, vielleicht in Wasser ausgespült, und dann wieder in einer Truhe oder einem speziellen Korb für den nächsten Gebrauch aufbewahrt. Ich finde diese Vorstellung von wiederverwendetem Reinigungstuch – egal wie oft es gewaschen wurde – zeigt, wie unterschiedlich das Hygienelevel war, je nachdem, ob man arm oder reich war.
Bauern oder die ganz Armen hatten oft gar nichts, außer vielleicht einem alten Lumpen, der dann so lange benutzt wurde, bis er buchstäblich zerfiel. Das ist ein harter Kontrast zu den heutigen Standards, wo wir uns über die Dicke des Papiers streiten.
Warum dauerte es so lange, bis Papier zum Standard wurde?
Papier gab es ja schon seit Jahrhunderten, aber es war lange Zeit ein Luxusgut, primär für Schriftstücke oder religiöse Texte reserviert. Als es im 18. und 19. Jahrhundert langsam erschwinglicher wurde, war das erste "Klopapier" oft noch nicht das, was wir heute kennen.
Die frühen kommerziellen Produkte, wie die von Joseph Gayetty in den USA um 1857, waren oft mit medizinischen Zusätzen versehen, weil man dachte, es müsse desinfizieren. Und das Material selbst? Oft sehr rau, vielleicht sogar mit Holzfasern durchsetzt, weil die Papierherstellung noch nicht so verfeinert war wie heute. Ich denke, der wahre Durchbruch kam erst, als die industrielle Revolution die Herstellung von weichem, saugfähigem Zellstoff massentauglich machte, was erst im frühen 20. Jahrhundert wirklich flächendeckend der Fall war.
Die asiatische Vorreiterrolle: Wasser und die Keramikschale
Es ist wichtig zu erwähnen, dass wir in Europa lange Zeit hinterherhinkten, wenn es um effiziente Reinigung ging. In vielen Teilen Asiens, besonders in Japan und im Nahen Osten, war die Verwendung von Wasser schon viel früher etabliert und wurde als Standard angesehen.
In Japan nutzte man beispielsweise traditionell Wasser, das aus einer Keramikschale oder einem speziellen Krug gegossen wurde. Diese Kultur hat die Reinigung mit Wasser nie aufgegeben, was auch erklärt, warum moderne japanische Toiletten mit integrierter Bidet-Funktion heute weltweit als Standard für Komfort gelten. Sie haben einfach eine jahrhundertelange Tradition der Wasserreinigung fortgeführt, während wir uns mit rauem Papier abmühten.
Zusammenfassung und der Blick zurück
Wenn man all diese Methoden – den römischen Schwamm, den kühlen Maiskolben, den wiederverwendeten Lappen – betrachtet, wird einem klar, dass die Geschichte der WC-Hygiene eine Geschichte der sozialen Ungleichheit und des technologischen Fortschritts ist. Es gab nie *die* eine Sache, die alle benutzten, sondern es hing immer davon ab, wer man war und wo man lebte.
Ich persönlich bin froh, dass wir heute eine so bequeme und hygienische Lösung haben, auch wenn ich mir manchmal wünsche, wir würden das Wasser nicht als selbstverständlich ansehen, da es historisch gesehen die überlegene Methode war. Vielleicht sollten wir uns öfter fragen, was wir heute als selbstverständlich hinnehmen, das in 200 Jahren vielleicht wieder als archaisch gilt.
