Die sprachliche Entwicklung: Vom "Griff" zum Manöver und zurück zur Beschreibung
Wenn ich daran zurückdenke, wie ich damals meinen Erste-Hilfe-Kurs gemacht habe, war es immer der "Heimlich-Griff". Einprägsam, ja, aber auch sehr spezifisch. Ich finde, es ist typisch für die Medizin des 20. Jahrhunderts, dass man Verfahren nach den brillanten Köpfen benannt hat, die sie entwickelt haben. Das ist ehrenhaft, keine Frage, aber es führt manchmal zu Verwirrung, besonders wenn man international arbeitet oder wenn sich die Leitlinien ändern.
Man merkt diesen Trend auch anderswo in der Medizin. Es geht nicht mehr nur darum, wer es zuerst gemacht hat, sondern darum, was genau passiert. Deshalb hört man heute oft einfach von der Erstickungshilfe oder, wenn es ganz technisch wird, von den sogenannten Abdominalstößen. Ich persönlich finde das etwas sperrig, aber ich verstehe die Intention dahinter: Wenn jemand in Japan oder Brasilien trainiert, sollte der Begriff sofort verständlich sein, ohne dass man die Geschichte von Dr. Henry Heimlich kennen muss.
Warum die offizielle Medizin Distanz zu Eigennamen schafft
Ich habe mich gefragt, ob es vielleicht auch damit zusammenhängt, dass die Technik selbst über die Jahrzehnte leicht angepasst wurde. Manchmal sind diese Namensgebungen einfach zu statisch für eine Prozedur, die sich weiterentwickelt. Ich meine, wenn wir uns anschauen, wie sich die Richtlinien zur Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW) verändert haben – von Mund-zu-Mund zu primär Kompressionen – dann ist es nur logisch, dass auch die Terminologie mitwächst.
Ein wichtiger Punkt, den ich gelesen habe, ist die Vermeidung sogenannter Eponyme. Das ist ein Fachbegriff für Namen, die an Personen gebunden sind. In vielen Bereichen, besonders in der Pädiatrie oder der Notfallmedizin, strebt man nach Beschreibungen. Das macht die Schulung einfacher und vermeidet, dass eine Technik mit einer bestimmten Person oder sogar einer Kontroverse um diese Person verknüpft wird. Ich denke, es ist ein Versuch, die Prozedur zu objektivieren und sie als reines, universelles Wissen zu präsentieren.
Was sagen die aktuellen Leitlinien in Deutschland zur Terminologie?
Was bedeutet das jetzt konkret für uns Laien, die vielleicht einen Erste-Hilfe-Kurs auffrischen wollen? Wenn ich mir die aktuellen Empfehlungen des Deutschen Roten Kreuzes oder ähnlicher Organisationen anschaue, wird der Begriff "Heimlich-Manöver" zwar oft noch als Synonym genannt – weil er so tief im kollektiven Gedächtnis steckt –, aber die primäre Beschreibung ist eher "fünf kräftige Schläge auf den Rücken" gefolgt von "fünf Stoß gegen den Oberbauch".
Das ist für mich der Kern der Sache: Die Betonung liegt auf der Aktion, nicht auf dem Namen. Man muss sich merken: Erst klopfen, dann drücken. Wenn man das kann, ist es egal, ob man es "Griff", "Manöver" oder "Abdominalstoß" nennt. Ich finde diese Verschiebung hin zur reinen Handlungsanweisung eigentlich sehr hilfreich, besonders in Stresssituationen, wo man nicht nach dem richtigen Namen sucht, sondern nach der richtigen Bewegung.
Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen Stoß und Griff?
Das ist eine gute Frage, die ich mir oft stelle. Ist der "Griff" sanfter als der "Stoß"? In meiner Wahrnehmung klingt "Griff" fast schon nach Festhalten, während "Stoß" die nötige Kraft impliziert, die man aufbringen muss, um die Luft aus der Lunge zu pressen. Die Technik selbst, das Umschließen des Oberbauchs knapp oberhalb des Nabels und das kräftige Nach-innen-und-oben-Ziehen, bleibt im Kern gleich.
Ich persönlich neige dazu, den Begriff "Stoß" zu bevorzugen, weil er die Aggressivität der Maßnahme besser widerspiegelt, die manchmal nötig ist, um einen tief sitzenden Fremdkörper zu lösen. Aber Achtung: Das ist reine subjektive Empfindung. Wichtig ist die korrekte Platzierung der Hände und die Kraftentfaltung. Ich habe gelernt, dass man nicht zu hoch drücken darf, da sonst Rippenbrüche oder innere Verletzungen die Folge sein können. Das ist der Teil, wo man wirklich aufpassen muss, unabhängig davon, wie man die Technik nennt.
Häufige Fehler bei der Erstickungshilfe, die nichts mit dem Namen zu tun haben
Ich habe bemerkt, dass viele Leute, die zwar den Namen kennen, trotzdem elementare Fehler machen, weil sie unsicher sind. Der größte Fehler, den ich immer wieder sehe, ist, dass man zu früh von den Rückenschlägen zu den Bauchstößen wechselt. Die Leitlinien sind da sehr klar: Erst die fünf Schläge auf den Rücken ausprobieren. Manchmal reicht das schon aus, und es ist weniger invasiv.
Ein weiterer häufiger Fehler ist, dass man bei Schwangeren oder sehr adipösen Personen nicht mehr den klassischen Oberbauchstoß anwendet, sondern auf die Brustkompressionen umsteigt. Hier ist die Unterscheidung zwischen dem klassischen "Heimlich-Griff" und der modifizierten Technik entscheidend. Man muss wissen, wann man die Methode anpassen muss. Wer sich nur an den Namen erinnert, aber die Modifikationen vergisst, gerät schnell in Schwierigkeiten, wenn der Patient nicht in die Standard-Definition passt.
Fazit: Die Technik bleibt, die Etikettierung ändert sich
Letzten Endes, und das ist meine abschließende Meinung, ist die Namensänderung ein Zeichen dafür, dass die medizinische Welt erwachsen geworden ist und globale Standards etabliert. Ob wir es nun den "Heimlich-Griff" nennen oder die "manuelle Auslösung eines abdominalen Stoßes", die Fähigkeit, schnell und richtig zu handeln, wenn jemand keine Luft mehr bekommt, ist das, was zählt. Ich werde im Alltag wahrscheinlich weiterhin "Heimlich" sagen, weil es kurz und bekannt ist, aber ich weiß jetzt, dass ich im offiziellen Kontext eher von der Erste Hilfe bei Erstickungsgefahr sprechen sollte. Es ist ein bisschen wie bei alten Autos – die Marke bleibt im Herzen, aber die technischen Spezifikationen ändern sich ständig. Das Wichtigste ist, dass Sie die Technik beherrschen, egal wie sie gerade benannt wird.
