Der Kühlschrank ist kein Zauberort, der Lebensmittel ewig frisch hält. Er verlangsamt nur die Prozesse, die irgendwann unweigerlich einsetzen. Bei Käse kommt hinzu, dass er lebt – oder zumindest von Mikroorganismen bevölkert wird, die sich über die Zeit verändern. Manche Sorten halten wochenlang, andere verwandeln sich innerhalb weniger Tage in eine gummiartige Masse. Die Kunst liegt darin, die Zeichen zu erkennen, bevor der Gaumen leidet. Und nein, ein bisschen Schimmel bedeutet nicht immer das Ende.
Was passiert eigentlich mit Käse im Kühlschrank – eine Bestandsaufnahme
Käse ist kein statisches Produkt. Selbst wenn er verpackt im Kühlschrank liegt, findet in ihm ein ständiger Wandel statt. Die Milchsäurebakterien, die für die Reifung verantwortlich sind, arbeiten weiter – wenn auch langsamer als bei Raumtemperatur. Gleichzeitig dringen neue Keime ein, sobald die Verpackung geöffnet wird. Und dann ist da noch die Luftfeuchtigkeit: Zu trocken wird der Käse hart wie Stein, zu feucht schimmelt er schneller, als man "Camembert" sagen kann.
Die meisten Verbraucher lagern Käse einfach in der Originalverpackung oder wickeln ihn in Frischhaltefolie ein. Doch genau das ist oft der erste Fehler. Folie erstickt den Käse, während offene Lagerung ihn austrocknen lässt. Die goldene Mitte? Spezielle Käseboxen oder Wachspapier. Aber selbst dann bleibt ein Problem: Der Kühlschrank ist kein gleichmäßiges Klima. Die Tür ist wärmer als die Rückwand, und in den Gemüsefächern herrscht eine höhere Luftfeuchtigkeit. Wo also den Käse platzieren, wenn man ihn nicht jeden Tag kontrollieren will?
Die unsichtbaren Feinde: Bakterien, Hefen und Schimmelpilze
Nicht jeder Schimmel ist gleich. Während der weiße Edelschimmel auf einem Roquefort gewollt ist, sollte grüner oder schwarzer Schimmel auf einem Stück Emmentaler Alarmglocken läuten. Doch selbst hier gibt es Grauzonen. Manche Käsesorten, wie etwa der französische Brie, entwickeln mit der Zeit eine natürliche Rinde, die leicht pelzig wirken kann. Der Unterschied? Edelschimmel riecht aromatisch, unerwünschter Schimmel oft muffig oder säuerlich.
Und dann sind da noch die Bakterien. Bestimmte Stämme, wie Listeria monocytogenes, können selbst bei Kühlschranktemperaturen überleben und sich vermehren. Die Gefahr ist nicht nur theoretisch: In den USA gab es 2021 einen Rückruf von über 80.000 Pfund Käse wegen Listerien-Befalls. Die meisten gesunden Menschen überstehen eine Infektion mit grippeähnlichen Symptomen – für Schwangere, ältere Menschen oder Immunschwache kann sie jedoch lebensbedrohlich sein.
Warum manche Käsesorten schneller verderben als andere
Hartkäse wie Parmesan oder Pecorino halten monatelang, während Frischkäse wie Mozzarella oder Ricotta oft schon nach einer Woche ungenießbar sind. Der Grund liegt im Wassergehalt. Je höher der Anteil an freier Flüssigkeit, desto schneller vermehren sich Mikroorganismen. Ein Parmesan besteht zu weniger als 30% aus Wasser, ein Frischkäse dagegen zu über 60%. Das erklärt auch, warum geriebener Käse schneller schlecht wird als ein ganzes Stück – die größere Oberfläche bietet Keimen mehr Angriffsfläche.
Doch nicht nur der Wassergehalt spielt eine Rolle. Auch der Fettanteil und der Säuregrad beeinflussen die Haltbarkeit. Ein fettreicher Käse wie Gorgonzola reift langsamer als ein magerer wie Harzer Roller. Und ein säurebetonter Ziegenkäse hält länger als ein milder Gouda, weil der niedrigere pH-Wert das Wachstum unerwünschter Bakterien hemmt. Die Natur hat sich hier etwas dabei gedacht – nur leider hilft uns das im Supermarkt nicht weiter, wenn wir vor dem Kühlregal stehen und uns fragen: "Wie lange hält der eigentlich?"
Die fünf häufigsten Anzeichen, dass Ihr Käse nicht mehr genießbar ist
Schimmel ist das offensichtlichste Warnsignal. Aber nicht das einzige. Manchmal riecht der Käse noch gut, sieht normal aus – und schmeckt trotzdem komisch. Oder umgekehrt: Er riecht streng, ist aber noch essbar. Wo also die Grenze ziehen?
1. Der Geruch: Wenn der Käse nach Ammoniak oder faulen Eiern stinkt
Ein leichter Ammoniakgeruch ist bei gereiftem Käse wie Limburger oder Romadur normal. Doch wenn der Geruch so intensiv wird, dass er in der Nase beißt, ist Vorsicht geboten. Das Problem? Ammoniak entsteht, wenn Proteine abgebaut werden – ein natürlicher Prozess, der aber irgendwann in Fäulnis übergeht. Bei Weichkäsen wie Camembert kann das schon nach zwei Wochen passieren, bei Hartkäsen erst nach Monaten.
Noch alarmierender ist ein fauliger Geruch, der an faule Eier erinnert. Das deutet auf Schwefelwasserstoff hin, ein Abbauprodukt bestimmter Bakterien. Wenn der Käse so riecht, sollten Sie ihn nicht mehr essen – auch nicht, wenn Sie den Schimmel großzügig abschneiden. Die Toxine können sich bereits im gesamten Stück verteilt haben.
2. Die Konsistenz: Wenn der Käse gummiartig oder schleimig wird
Ein frischer Gouda ist fest, aber nicht hart. Ein guter Brie gibt leicht nach, wenn man ihn drückt. Doch wenn der Käse plötzlich eine klebrige Oberfläche hat oder sich wie Kaugummi zieht, ist das ein schlechtes Zeichen. Schleimige Stellen deuten auf Hefen oder Bakterien hin, die sich unkontrolliert vermehren. Besonders tückisch: Manchmal sieht der Käse von außen noch normal aus, während er innen bereits zerfällt.
Und dann gibt es noch das andere Extrem: Wenn der Käse so hart wird, dass man ihn kaum noch schneiden kann. Das passiert vor allem bei Hartkäsen, die zu lange offen liegen. Der Geschmack leidet dann zwar nicht unbedingt, aber die Textur macht das Essen zur Qual. Wer will schon auf einem Stück Parmesan herumkauen, das sich anfühlt wie ein Stein?
3. Die Farbe: Wenn der Käse gelb, grau oder grünlich wird
Ein leichter Gelbstich ist bei vielen Käsesorten normal. Doch wenn der Käse plötzlich eine unnatürliche, fast neonartige Farbe annimmt, sollten Sie misstrauisch werden. Graue oder grünliche Verfärbungen deuten auf Schimmel hin – selbst wenn keine sichtbaren Pilzfäden vorhanden sind. Besonders heimtückisch: Manche Schimmelarten wachsen im Inneren des Käses und sind von außen nicht zu erkennen.
Bei Frischkäse wie Mozzarella oder Feta ist eine leichte Gelbfärbung oft ein Zeichen von Oxidation. Das passiert, wenn der Käse zu lange mit Sauerstoff in Kontakt kommt. Geschmacklich ist das nicht unbedingt ein Problem, aber optisch wirkt es unappetitlich. Und mal ehrlich: Wer will schon einen Salat mit Käsewürfeln essen, die aussehen, als hätten sie eine Woche in der Sonne gelegen?
4. Der Geschmack: Wenn der Käse bitter, seifig oder metallisch schmeckt
Manchmal sieht und riecht der Käse noch normal – und schmeckt trotzdem komisch. Ein bitterer Nachgeschmack kann auf den Abbau von Fetten hinweisen, ein seifiger Geschmack auf ranzige Butterfette. Metallische Noten deuten auf Oxidationsprozesse hin, die durch Licht oder falsche Lagerung ausgelöst werden. Besonders tückisch: Manche Toxine sind geschmacklos. Wenn der Käse also komisch schmeckt, sollten Sie ihn lieber entsorgen – auch wenn Sie sich nicht sicher sind.
Ein kleiner Trost: Nicht jeder ungewöhnliche Geschmack ist ein Zeichen von Verderb. Manche Käsesorten, wie etwa der französische Époisses, entwickeln mit der Zeit eine fast scharfe Note, die nicht jedermanns Sache ist. Hier hilft nur eins: Probieren. Aber bitte mit Vorsicht – und nicht, wenn der Käse schon seit drei Wochen im Kühlschrank liegt.
5. Die Verpackung: Wenn der Käse in einer Pfütze schwimmt oder sich Kondenswasser bildet
Käse braucht Luft zum Atmen – aber nicht zu viel. Wenn sich in der Verpackung Kondenswasser bildet, ist das ein Zeichen für zu hohe Luftfeuchtigkeit. Die Folge: Der Käse wird weich, schimmelt schneller und verliert sein Aroma. Besonders problematisch ist das bei Weichkäsen wie Brie oder Camembert, die ohnehin schon viel Feuchtigkeit enthalten.
Noch schlimmer: Wenn der Käse in einer Pfütze aus eigener Molke schwimmt. Das passiert vor allem bei Frischkäse, der nicht richtig abgetropft wurde. Die Flüssigkeit ist ein idealer Nährboden für Bakterien – und der Käse wird innerhalb weniger Tage ungenießbar. Wenn Sie also beim Öffnen der Verpackung eine kleine Überschwemmung vorfinden, sollten Sie den Käse lieber entsorgen.
Wie Sie Käse richtig lagern – damit er länger hält als nur eine Woche
Die meisten Menschen lagern Käse falsch. Sie wickeln ihn in Folie ein, stopfen ihn in die Kühlschranktür oder legen ihn einfach auf den Teller – und wundern sich dann, warum er nach drei Tagen schon schimmelt. Dabei gibt es ein paar einfache Tricks, mit denen Sie die Haltbarkeit deutlich verlängern können. Der Schlüssel liegt in der richtigen Verpackung, der optimalen Temperatur und der Luftfeuchtigkeit.
Die beste Verpackung: Folie, Papier oder Käsebox?
Frischhaltefolie ist praktisch, aber nicht ideal. Sie erstickt den Käse und fördert die Bildung von Kondenswasser. Besser ist Wachspapier oder Pergamentpapier, das den Käse atmen lässt, ohne ihn auszutrocknen. Noch besser: eine spezielle Käsebox aus Holz oder Keramik. Diese Boxen regulieren die Luftfeuchtigkeit und schützen den Käse vor Gerüchen anderer Lebensmittel.
Und dann gibt es noch die Profi-Methode: Käse in Butterbrotpapier wickeln und dann in eine Dose legen. Das Papier schützt vor Austrocknung, die Dose vor Fremdgerüchen. Klingt aufwendig? Ist es auch. Aber wenn Sie viel Käse essen, lohnt es sich. Besonders bei teuren Sorten wie Parmigiano Reggiano oder einem guten Comté.
Die optimale Temperatur: Warum der Kühlschrank nicht überall gleich kalt ist
Die meisten Kühlschränke haben eine Temperatur zwischen 4 und 8 Grad Celsius. Doch nicht jeder Bereich ist gleich kalt. Die kältesten Zonen sind die Rückwand und die untersten Fächer, die wärmsten die Tür und die oberen Fächer. Für Käse gilt: Je härter die Sorte, desto kälter darf es sein. Ein Parmesan fühlt sich bei 4 Grad wohl, ein Camembert dagegen bei 6 bis 8 Grad.
Das Problem: Die meisten Menschen lagern Käse in der Tür – weil es praktisch ist. Doch genau dort schwankt die Temperatur am stärksten, weil die Tür ständig geöffnet wird. Besser ist das mittlere Fach, wo die Temperatur am konstantesten ist. Und wenn Sie einen Weinkühlschrank haben: Perfekt. Die meisten Modelle halten eine konstante Temperatur von 10 bis 12 Grad, ideal für viele Käsesorten.
Luftfeuchtigkeit: Warum zu trocken genauso schlimm ist wie zu feucht
Käse braucht eine bestimmte Luftfeuchtigkeit, um nicht auszutrocknen oder zu schimmeln. Ideal sind 70 bis 80%. Doch die meisten Kühlschränke haben eine Luftfeuchtigkeit von nur 40 bis 50%. Die Folge: Der Käse verliert Feuchtigkeit, wird hart und verliert sein Aroma. Besonders betroffen sind Weichkäse wie Brie oder Camembert, die ohnehin schon viel Wasser enthalten.
Die Lösung? Eine Schale mit Wasser in den Kühlschrank stellen. Das erhöht die Luftfeuchtigkeit leicht. Oder den Käse in einer Käsebox lagern, die die Feuchtigkeit besser hält. Und wenn der Käse doch mal austrocknet: Einfach ein feuchtes Tuch über das Stück legen und es für ein paar Stunden im Kühlschrank ruhen lassen. Das bringt oft erstaunliche Ergebnisse.
Käse retten: Was tun, wenn er schon erste Anzeichen von Verderb zeigt?
Nicht jeder Käse, der komisch aussieht oder riecht, muss gleich in den Müll. Manchmal reicht es, die betroffenen Stellen großzügig abzuschneiden – vorausgesetzt, es handelt sich um Schimmel und nicht um eine bakterielle Infektion. Doch wo ist die Grenze? Und wann ist es besser, den Käse komplett zu entsorgen?
Schimmel abschneiden: Wann es funktioniert und wann nicht
Bei Hartkäse wie Parmesan oder Cheddar können Sie Schimmelstellen großzügig abschneiden – mindestens einen Zentimeter um die betroffene Stelle herum. Der Grund: Die dichte Struktur verhindert, dass sich die Schimmelsporen im gesamten Stück ausbreiten. Bei Weichkäse wie Mozzarella oder Frischkäse sollten Sie dagegen vorsichtig sein. Hier dringen die Sporen oft tiefer ein, als man sieht.
Doch Achtung: Nicht jeder Schimmel ist gleich. Weißer Schimmel auf einem Camembert ist gewollt, grüner oder schwarzer Schimmel auf einem Gouda dagegen nicht. Wenn Sie unsicher sind, lieber entsorgen. Und wenn der Käse schon länger als zwei Wochen im Kühlschrank liegt, sollten Sie ohnehin vorsichtig sein – selbst wenn er noch gut aussieht.
Käse wiederbeleben: Wenn er ausgetrocknet oder hart geworden ist
Ein ausgetrockneter Käse ist nicht unbedingt verdorben. Oft lässt er sich wiederbeleben – wenn auch nicht immer in seiner ursprünglichen Form. Hartkäse wie Parmesan oder Pecorino können Sie reiben und für Saucen oder Aufläufe verwenden. Weichkäse wie Brie oder Camembert lassen sich mit etwas Milch oder Sahne wieder geschmeidig machen. Einfach den Käse in eine Schüssel legen, mit etwas Flüssigkeit beträufeln und für ein paar Stunden im Kühlschrank ziehen lassen.
Und dann gibt es noch den Trick mit dem Brot. Wenn der Käse nur leicht ausgetrocknet ist, können Sie ihn zusammen mit einer Scheibe Brot in eine Dose legen. Das Brot gibt Feuchtigkeit ab und macht den Käse wieder weicher. Funktioniert besonders gut bei Schnittkäse wie Gouda oder Edamer. Aber Achtung: Wenn der Käse schon ranzig riecht oder schmeckt, hilft auch das beste Brot nichts mehr.
Käse einfrieren: Eine Notlösung mit Tücken
Käse lässt sich einfrieren – aber nicht jede Sorte. Hartkäse wie Parmesan oder Cheddar überstehen den Gefrierprozess relativ gut, Weichkäse wie Mozzarella oder Frischkäse dagegen nicht. Der Grund: Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die Struktur des Käses zerstören. Nach dem Auftauen ist er oft bröckelig oder matschig.
Wenn Sie Käse einfrieren wollen, sollten Sie ihn in kleine Portionen aufteilen und luftdicht verpacken. So taut er gleichmäßiger auf. Und denken Sie daran: Eingefrorener Käse eignet sich am besten zum Kochen oder Backen, nicht zum direkten Verzehr. Ein aufgetauter Gouda schmeckt auf dem Brot oft fad – in einer Lasagne oder Pizza dagegen merkt man den Unterschied kaum.
Die größten Irrtümer über Käse im Kühlschrank – und warum sie gefährlich sind
Jeder hat so seine eigenen Regeln, wenn es um Käse geht. Manche schwören darauf, ihn in Folie einzuwickeln, andere lagern ihn offen im Kühlschrank. Doch nicht alles, was sich bewährt hat, ist auch richtig. Einige Mythen halten sich hartnäckig – und können im schlimmsten Fall sogar gesundheitsschädlich sein.
Mythos 1: "Käse hält ewig, wenn er nur kalt genug ist"
Der Kühlschrank ist kein Zeitstopper. Er verlangsamt nur die Prozesse, die irgendwann unweigerlich einsetzen. Selbst bei optimaler Lagerung hält Käse nicht ewig. Ein Hartkäse wie Parmesan kann zwar monatelang halten, aber irgendwann wird auch er ranzig oder schimmelig. Und Weichkäse wie Camembert oder Brie sind oft schon nach zwei Wochen nicht mehr genießbar – selbst wenn sie noch gut aussehen.
Das Problem: Viele Menschen verlassen sich blind auf das Mindesthaltbarkeitsdatum. Doch das sagt nichts über die tatsächliche Haltbarkeit aus. Es ist nur eine Empfehlung des Herstellers – und die basiert auf optimalen Lagerbedingungen. Wenn der Käse schon beim Kauf nicht mehr ganz frisch war oder falsch gelagert wurde, kann er auch vor Ablauf des Datums verderben.
Mythos 2: "Ein bisschen Schimmel ist kein Problem – einfach abschneiden"
Das stimmt – aber nur bei Hartkäse. Bei Weichkäse oder Frischkäse sollten Sie vorsichtig sein. Der Grund: Die Schimmelsporen können sich im gesamten Stück ausbreiten, ohne dass man es sieht. Besonders tückisch sind Schimmelarten wie Aspergillus, die Toxine produzieren, die auch durch Erhitzen nicht zerstört werden.
Und dann gibt es noch die psychologische Komponente: Wer einmal einen Käse mit Schimmel gegessen hat, der eigentlich noch essbar war, wird beim nächsten Mal vielleicht zu vorsichtig sein – und einen perfekt guten Käse wegwerfen. Die Regel lautet: Lieber einmal zu viel entsorgen als einmal zu wenig. Und wenn Sie unsicher sind: Finger weg.
Mythos 3: "Käse gehört immer in den Kühlschrank"
Nicht jeder Käse mag es kalt. Manche Sorten, wie etwa der französische Roquefort oder der italienische Pecorino, entwickeln ihr Aroma erst bei Raumtemperatur. Und dann gibt es noch die Frage der Reifung: Manche Käsesorten, wie etwa der deutsche Tilsiter, reifen auch im Kühlschrank weiter – wenn auch langsamer. Andere, wie der griechische Feta, halten sich in Salzlake wochenlang, ohne zu verderben.
Die Regel lautet: Je härter der Käse, desto kälter darf er gelagert werden. Je weicher, desto wärmer. Und wenn Sie Käse bei Raumtemperatur lagern wollen, sollten Sie ihn regelmäßig kontrollieren – und nicht zu lange offen liegen lassen. Denn auch bei Raumtemperatur kann Käse verderben, wenn er mit Keimen in Kontakt kommt.
Käse vs. andere Milchprodukte: Warum Joghurt länger hält als Mozzarella
Nicht alle Milchprodukte sind gleich. Während Joghurt wochenlang hält, ist Frischkäse oft schon nach einer Woche nicht mehr genießbar. Der Grund liegt in der Herstellung und der Zusammensetzung. Joghurt wird pasteurisiert und mit speziellen Bakterienkulturen versetzt, die das Wachstum unerwünschter Keime hemmen. Käse dagegen wird oft aus Rohmilch hergestellt und enthält eine Vielzahl von Mikroorganismen, die sich mit der Zeit verändern.
Die Haltbarkeit von Milchprodukten im Vergleich
Hier ein kleiner Überblick, wie lange verschiedene Milchprodukte im Kühlschrank halten – vorausgesetzt, sie wurden richtig gelagert:
Joghurt: 2 bis 3 Wochen
Sahne: 1 Woche
Butter: 3 bis 4 Wochen
Frischkäse: 1 Woche
Weichkäse (Brie, Camembert): 1 bis 2 Wochen
Schnittkäse (Gouda, Edamer): 2 bis 3 Wochen
Hartkäse (Parmesan, Pecorino): 2 bis 6 Monate
Doch Achtung: Diese Angaben sind nur Richtwerte. Die tatsächliche Haltbarkeit hängt von vielen Faktoren ab – von der Lagertemperatur über die Luftfeuchtigkeit bis hin zur ursprünglichen Qualität des Produkts. Und nicht jedes Produkt hält gleich lange: Ein industriell hergestellter Gouda hält oft länger als ein handwerklich produzierter Käse aus Rohmilch.
Warum pasteurisierte Milch länger hält als Rohmilch
Pasteurisierung ist ein Verfahren, bei dem Milch kurzzeitig erhitzt wird, um Keime abzutöten. Das verlängert die Haltbarkeit deutlich. Rohmilch dagegen enthält noch alle natürlichen Mikroorganismen – und ist damit anfälliger für Verderb. Das Problem: Viele Käsesorten, besonders aus Frankreich oder Italien, werden aus Rohmilch hergestellt. Das gibt ihnen ihr typisches Aroma, macht sie aber auch anfälliger für Keime.
Die Lösung? Rohmilchkäse sollte besonders sorgfältig gelagert werden. Und wenn Sie unsicher sind, lieber früher entsorgen als später bereuen. Denn während ein verdorbener Joghurt "nur" unangenehm schmeckt, kann ein verdorbener Rohmilchkäse ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.
Frequently Asked Questions: Die wichtigsten Fragen zum Thema Käse im Kühlschrank
Kann man Käse essen, wenn er schon Schimmel hat?
Kommt drauf an. Bei Hartkäse wie Parmesan oder Cheddar können Sie die Schimmelstellen großzügig abschneiden – vorausgesetzt, es handelt sich um einen kleinen, lokal begrenzten Befall. Bei Weichkäse oder Frischkäse sollten Sie dagegen vorsichtig sein. Hier dringen die Schimmelsporen oft tiefer ein, als man sieht. Und wenn der Käse schon länger als zwei Wochen im Kühlschrank liegt, sollten Sie ihn ohnehin entsorgen – auch wenn er noch gut aussieht.
Warum riecht mein Käse plötzlich nach Ammoniak?
Ein leichter Ammoniakgeruch ist bei gereiftem Käse wie Limburger oder Romadur normal. Doch wenn der Geruch so intensiv wird, dass er in der Nase beißt, ist Vorsicht geboten. Das Problem? Ammoniak entsteht, wenn Proteine abgebaut werden – ein natürlicher Prozess, der aber irgendwann in Fäulnis übergeht. Wenn der Käse so riecht, sollten Sie ihn nicht mehr essen – auch nicht, wenn Sie den Schimmel großzügig abschneiden.
Wie lagert man Käse am besten, damit er nicht austrocknet?
Käse braucht Luft zum Atmen – aber nicht zu viel. Die beste Methode: Wachspapier oder Pergamentpapier. Das lässt den Käse atmen, ohne ihn auszutrocknen. Noch besser: eine spezielle Käsebox aus Holz oder Keramik. Diese Boxen regulieren die Luftfeuchtigkeit und schützen den Käse vor Gerüchen anderer Lebensmittel. Und wenn der Käse doch mal austrocknet: Einfach ein feuchtes Tuch über das Stück legen und es für ein paar Stunden im Kühlschrank ruhen lassen.
Kann man Käse einfrieren, um ihn länger haltbar zu machen?
Ja, aber nicht jede Sorte. Hartkäse wie Parmesan oder Cheddar überstehen den Gefrierprozess relativ gut, Weichkäse wie Mozzarella oder Frischkäse dagegen nicht. Der Grund: Beim Einfrieren bilden sich Eiskristalle, die die Struktur des Käses zerstören. Nach dem Auftauen ist er oft bröckelig oder matschig. Wenn Sie Käse einfrieren wollen, sollten Sie ihn in kleine Portionen aufteilen und luftdicht verpacken. So taut er gleichmäßiger auf.
Das Fazit: Wann Sie Käse wirklich entsorgen sollten – und wann nicht
Käse ist ein lebendiges Produkt. Er verändert sich mit der Zeit – und nicht jede Veränderung ist ein Zeichen von Verderb. Ein leichter Ammoniakgeruch bei einem gereiften Käse ist normal, ein fauliger Geruch dagegen nicht. Ein bisschen Schimmel auf einem Hartkäse lässt sich abschneiden, bei einem Weichkäse sollten Sie vorsichtig sein. Und wenn der Käse plötzlich gummiartig oder schleimig wird, ist das ein klares Warnsignal.
Die wichtigste Regel: Vertrauen Sie Ihren Sinnen. Wenn der Käse komisch riecht, komisch schmeckt oder komisch aussieht, sollten Sie ihn entsorgen – auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum noch nicht abgelaufen ist. Und wenn Sie unsicher sind: Lieber einmal zu viel entsorgen als einmal zu wenig. Denn während ein verdorbener Joghurt "nur" unangenehm schmeckt, kann ein verdorbener Käse ernsthafte gesundheitliche Folgen haben.
Und noch ein letzter Tipp: Kaufen Sie Käse in kleinen Mengen und verbrauchen Sie ihn schnell. Denn selbst der beste Käse verliert mit der Zeit an Aroma – und irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem es einfach keinen Spaß mehr macht, ihn zu essen. Dann ist es besser, ihn zu entsorgen und sich auf das nächste Stück zu freuen. Denn eines ist sicher: Käse ist zu schade, um ihn schlecht zu lagern – oder gar zu verschwenden.
