Warum Staatsverschuldung wirklich wichtig ist – und warum manchmal auch nicht
Interessanterweise sagt die absolute Höhe der Schulden aber gar nicht so viel aus. Wichtiger ist das Verhältnis zur Wirtschaftsleistung – also die Schuldenquote in Prozent des BIP. Das ist der Maßstab, den Ökonomen und Institutionen wie dem IWF oder der OECD nutzen. Und genau da wird’s spannend: Wer hat denn nun die niedrigste Staatsverschuldung? Die Antwort ist nicht immer die, die du erwarten würdest.
Die absoluten Tiefstschulner: Diese Länder setzen Maßstäbe
Wenn man die Liste der Länder mit der niedrigsten Staatsverschuldung durchforstet, stößt man schnell auf einige kleine, aber feine Ökonomien. Und überraschenderweise: Die Schweiz? Nee, nicht ganz vorne. Deutschland? Auch nicht die Nummer eins. Wer stattdessen ganz oben steht, sind oft Länder mit strengen Haushaltsregeln – oder solche, die einfach extrem reich sind.
Estonia: Der digitale Musterknabe aus dem Norden
Eh, Estland! Klar, wer denkt schon als Erstes an die baltischen Staaten? Aber Estland hat seit der Unabhängigkeit von der Sowjetunion (1991) eine extrem strikte Finanzpolitik gefahren. Schuldenquote? Unter 10 % des BIP – teilweise sogar unter 5 %. Wie geht das? Ganz einfach: striktes Haushaltsrecht, das neue Schulden verbietet, solange das BIP nicht wächst. Und dann noch eine super digitale Verwaltung – weniger Bürokratie, weniger Kosten. Respekt, Estland.
Bruni Darussalam: Der Ölscheich ohne Schulden
Brunei, dieser kleine Inselstaat im Südchinesischen Meer, hat praktisch keine Staatsverschuldung. Null. Nada. Warum? Weil das Land reich an Erdöl und Erdgas ist und der Staatshaushalt seit Jahrzehnten überschüssig ist. Die Bevölkerung zahlt weder Einkommensteuer noch Mehrwertsteuer. Klingt wie ein Traum, oder? Aber Achtung: Bei Rohstoffländern ist Vorsicht geboten. Wenn der Ölpreis einbricht, kann’s schnell kritisch werden. Also, langfristig nicht unbedingt nachahmenswert – aber im Moment? Jawoll, Platz eins.
Australien und Kanada – früher Musterschüler, heute leicht angeschlagen?
Früher galten beide als Vorbilder in Sachen Haushaltsdisziplin. Kanada hat in den 90ern sogar riesige Schulden abgebaut – beeindruckend! Doch seit der Finanzkrise 2008 und vor allem nach Corona sind die Schuldenquoten gestiegen. Immer noch im mittleren Bereich (unter 50 %), aber nicht mehr die niedrigsten. Also, „niedrigste“? Nee. Aber im Vergleich zu anderen Industriestaaten? Immer noch ganz ordentlich.
Deutschland im internationalen Vergleich: Ist die schwarze Null noch schwarz genug?
Deutschland hat lange mit der „Schwarzen Null“ geworben – also ohne neue Schulden zu machen. Und ja, die Schuldenquote liegt bei rund 60 % des BIP. Nicht schlecht, aber auch nicht sensationell. Vor allem, wenn man sieht, dass viele kleinere Länder deutlich niedrigere Quoten haben. Allerdings: Deutschland hat eine riesige Volkswirtschaft. Die absolute Schuldensumme ist hoch – aber im Verhältnis eigentlich okay.
Wobei… Moment mal. Seit der Pandemie und der Energiekrise hat Deutschland die Schuldenbremse ausgesetzt. Neue Schulden wurden gemacht. Also, ehrlich gesagt: Die Zeiten der strammen Disziplin sind erstmal vorbei. Ob das langfristig schlau ist? Diskutabel. Aber in Krisenzeiten… naja, manchmal geht’s nicht anders.
Die Tücken der Statistik: Wer misst eigentlich wie?
Hier wird’s ein bisschen fies: Nicht alle Organisationen messen die Staatsverschuldung gleich. Der IWF, die Weltbank, Eurostat – alle haben leicht unterschiedliche Definitionen. Manche zählen Pensionsverpflichtungen mit, andere nicht. Manche berücksichtigen Sondervermögen, andere nicht. Und dann gibt’s noch Länder, die… sagen wir mal… nicht 100 % transparent sind mit ihren Zahlen. (Looking at you, Nordkorea.)
Daher: Die Rangliste der „niedrigsten Staatsverschuldung“ hängt immer ein bisschen davon ab, wessen Daten du nimmst. Aber grob gesagt: Die Spitze bilden meist kleine, reiche oder rohstoffreiche Länder mit strikten Regeln. Und nein, die USA oder Italien sind da nicht dabei – da liegen die Quoten teilweise über 100 %.
Fazit: Wer wirklich vorne liegt – und warum das nicht alles ist
Also, wer hat die niedrigste Staatsverschuldung? Aktuell: Brunei und Estland führen das Feld an – beide unter 10 %, teilweise bei 0 %. Danach folgen Länder wie Luxemburg, Macau, die Vereinigten Arabischen Emirate – oft kleine, wohlhabende Staaten mit wenig Ausgaben und hohen Einnahmen.
Aber Achtung: Niedrige Schuldenquote = automatisch gut? Nicht unbedingt. Manche Länder investieren zu wenig in Zukunftsthemen. Andere leben nur von Rohstoffen. Und wieder andere haben einfach eine winzige Bevölkerung – da ist’s leichter, den Haushalt im Gleichgewicht zu halten.
Am Ende kommt’s nicht nur auf die Zahl an, sondern auf die Stabilität, Transparenz und nachhaltige Politik. Wer heute keine Schulden hat, aber morgen in der Krise steht, ohne Puffer zu haben… der hat auch ein Problem. Also, Schulden sind nicht per se böse. Es geht um Verantwortung. Und um Weitsicht. (Und vielleicht ein bisschen weniger Bürokratie – danke, Estland.)
