Ich hab’s mal gemacht – und prompt Ärger gekriegt
Ich geb’s zu: Ich hab mal eins mitgenommen. War vor drei Jahren, bei einer Tour oben am Eibsee. Fand das Ding einfach zu schade, um es verrotten zu lassen. Hab’s eingepackt, stolz nach Hause getragen, meiner Oma gezeigt – sie meinte nur: Das hätte ich nicht gemacht, Junge. Und sie hatte recht.
Wenig später bei einer Wanderwacht-Kontrolle (ja, sowas gibt’s echt) wurde ich angehalten, weil ich das Geweih im Rucksack hatte. Der Typ guckte erst komisch, fragte, woher ich’s hab, und meinte dann: Darf man nicht. Ist gegen das Bundesnaturschutzgesetz. Ich war baff. Aber es war doch schon abgefallen!, hab ich protestiert. Ja, sagt er, schon. Aber trotzdem geschützt.
Warum eigentlich? Ist es denn nicht nur tote Substanz?
Gute Frage. Immerhin: Das Geweih ist nicht mehr am Tier. Es ist abgeworfen, im Herbst oder Frühjahr, je nach Art. Der Hirsch oder Reh lebt weiter. Das Geweih wächst jedes Jahr neu. Klingt logisch, dass man es dann sammeln dürfte, oder?
Aber hier kommt der Haken: Es geht nicht um das Geweih an sich – sondern um den Schutz der Arten und des Ökosystems. Wenn jeder, der im Wald ist, anfängt, abgefallene Geweihe mitzunehmen, dann fehlt das Material in der Natur. Und das hat Konsequenzen.
Was denn für Konsequenzen?
Erstens: Tiere brauchen das! Klar, klingt komisch – aber zum Beispiel Mäuse, Hasen oder Eichhörnchen knabbern an den alten Geweihen, weil sie Kalzium und Mineralien brauchen. Gerade im Frühjahr, wenn’s an Nährstoffen mangelt. Ein abgeworfenes Geweih ist wie ein natürliches Vitaminpräparat für Kleinwild.
Zweitens: Es ist Teil des Kreislaufs. Alles, was im Wald liegt, wird irgendwann zersetzt, wird wieder Erde. Wenn wir ständig Sachen rausnehmen – Pilze, Äste, Steine, Geweihe – dann stören wir diesen natürlichen Ablauf. Der Wald ist kein Dekoladenregal.
Aber was ist mit Trophäensammlern oder Jägern?
Gute Frage. Jäger dürfen Geweihe sammeln – aber nur unter bestimmten Bedingungen. Wenn sie das Tier gejagt haben, dürfen sie das Geweih behalten. Oder wenn sie eine Genehmigung haben. Aber eben: Als normaler Spaziergänger ohne Jagdschein? Nein. Punkt.
Es gibt übrigens auch Ausnahmen – in manchen Bundesländern darf man kleine Mengen sammeln, wenn man eine Erlaubnis vom zuständigen Forstamt hat. In Bayern zum Beispiel? Fast nirgends. Da ist fast alles streng. In Brandenburg? Da gab’s mal Regeln für privates Trophäensammeln – aber auch da: nur mit schriftlicher Genehmigung.
Und was passiert, wenn man erwischt wird?
Kommt drauf an. Bei mir damals: nur eine Verwarnung. Der Ranger meinte, ich soll’s zurückbringen – was ich auch gemacht hab, übrigens. Hab’s nachts wieder hingelegt, ganz leise, fast wie ein schlechtes Gewissen. Aber theoretisch kann’s bis zu 50.000 Euro Bußgeld geben. Ja, richtig gehört. Weil’s unter Naturschutz fällt.
Geht’s hier eigentlich um das Geweih – oder um Respekt?
Ich glaub, am Ende ist es beides. Klar, die Gesetze sind wichtig. Aber eigentlich geht’s um Haltung. Dass wir als Gäste im Wald unterwegs sind – nicht als Besitzer. Wenn du dir vorstellst, wie viele Leute jedes Wochenende in die Natur strömen… jeder mit ‘nem Stück mitnehmen will… bald ist nix mehr da.
Ich hab inzwischen meinen Frieden damit gemacht. Ich fotografiere die Geweihe jetzt. Mache ein Bild – und lass’s liegen. Irgendwie hat das auch was. Und wer weiß – vielleicht findet ein Igel das Ding und freut sich riesig.
Hast du auch schon mal eins mitgenommen? Oder dich gefragt, warum das nicht erlaubt ist? Ich finds echt interessant, wie unterschiedlich die Leute da drauf sind. Manche sagen: Was die Natur frei gibt, darf ich nehmen. Andere: Alles bleibt, wie es ist. Wo stehst du?
Ehrlich gesagt – ich bin mittlerweile auf der Seite der Zweiten. Nicht perfekt, nicht streng – aber mit mehr Respekt. Und manchmal ist das genug.
