Die Realität sieht anders aus als im Film
Weißt du, was mich echt nervt? Diese ganzen Serien, diese romantischen Szenen – Lichterfluss, sanfte Musik, ein tiefer Seufzer, und zack: beide gleichzeitig am Höhepunkt. Totaler Blödsinn. Wirklichkeit sieht anders aus. Bei den meisten Mädchen – und das sagen auch Ärztinnen immer wieder – kommt beim ersten Mal so gut wie nie ein Orgasmus. Echt jetzt. Wir reden hier von vielleicht 10, 15 Prozent. Maximal. Und das ist nicht, weil irgendwas falsch läuft. Es ist einfach… so.
Warum? Na ja, erstmal: Der Körper kennt das noch nicht. Du weißt doch selbst, wie das ist – wenn du ein neues Handy hast, brauchst du auch ein paar Tage, bis du alle Funktionen findest, oder? Beim Sex ist es ähnlich. Besonders bei Frauen ist der Weg zum Orgasmus oft länger, komplexer. Und beim ersten Mal? Da ist meistens mehr Angst als Lust. Angst vor Schmerzen, vor schlechtem Geruch, vor was weiß ich. Und Angst tötet nun mal die Lust. Punkt.
Was heißt eigentlich „beim ersten Mal“?
Warte mal – was meinen wir eigentlich mit „beim ersten Mal“? Denn das ist ja schon die erste Irreführung. Wenn ich mit Lara drüber geredet hab, hat sie gesagt: ‚Mein erstes Mal war mit 17, mit Tom. Aber mein erstes Mal mit Gefühl war erst zwei Jahre später.‘ Und das fand ich irgendwie wichtig. Weil „erstes Mal“ nicht gleich „erstes Mal mit Gefühl“ sein muss. Manche meinen damit den ersten Peniskontakt. Andere den ersten Kuss, der was bedeutet. Wieder andere den ersten Orgasmus überhaupt – unabhängig von wem oder wie.
Also, zurück zur Zahl: Wenn wir vom ersten Mal Vaginalverkehr reden – ja, das klingt so klinisch, aber okay – dann kommen wirklich nur wenige zum Orgasmus. Studien sagen zwischen 10 und 30 Prozent. Aber! Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn viele Mädchen kommen gar nicht durch Penetration allein. Sie brauchen Klitorisstimulation. Und wenn der Partner nicht weiß, wo die Klitoris ist – geschweige denn, wie man sie anfasst – dann bleibt’s halt beim „Naja, war okay“.
Und was ist mit dem Druck?
Ach Mensch, der Druck. Der ist riesig. Vor allem, wenn du in einer Clique bist, wo alle schon „es gemacht“ haben. Oder wenn du denkst: ‚Wenn ich ihn jetzt nicht ranlasse, verliere ich ihn.‘ Das hab ich bei einer Freundin erlebt – Marie, aus der alten WG. Sie hat mit ihrem Typen geschlafen, obwohl sie null Bock hatte. Nur, damit er sie nicht verlässt. Und danach hat sie geweint. Nicht vor Schmerz, sondern vor schlechtem Gewissen. Weil sie dachte: ‚Ich sollte jetzt glücklich sein. Warum bin ich’s nicht?‘
Und dann dieser ganze Quatsch mit der Jungfräulichkeit. Als ob das eine Medaille wäre, die du abgeben musst. Und wenn du’s tust, musst du gleich alles fühlen. Aber nein. Manchmal ist es nass, manchmal weh, manchmal peinlich, manchmal nur halb da. Und das ist völlig okay.
Kommt es später besser?
Hier kommt die gute Nachricht: Ja. Meistens. Also, nicht automatisch – aber mit Zeit, Vertrauen und Kommunikation. Lara hat mir erzählt, dass sie erst mit 21, mit ihrem jetzigen Freund Ben, das erste Mal wirklich gekommen ist. Und zwar mehrfach. Weil er langsam war. Weil er gefragt hat: ‚So? Oder so?‘ Weil er sich Zeit genommen hat. Weil sie sich sicher gefühlt hat.
Und das ist der Punkt: Sicherheit. Ohne die funktioniert bei den meisten Frauen gar nichts. Du kannst noch so viele Tipps lesen – ohne Vertrauen läuft da nix. Und das braucht Zeit. Manche kommen nach drei Mal. Andere erst nach einem halben Jahr. Und manche erst, wenn sie sich selbst besser kennenlernen – durch Selbstbefriedigung zum Beispiel.
Soll man es ihm sagen?
Das ist so eine Sache. Ich hab mal mit einem Typen geschlafen – nennen wir ihn Alex, war in Berlin – und hab ihm gesagt, dass ich nicht gekommen bin. Er hat nur genickt und gemeint: ‚Nächste Mal besser.‘ Keine Frage, kein Interesse, nichts. Hat mich echt verletzt. Andere, wie Ben, wollen es wissen. Weil sie besser werden wollen. Also: Es kommt drauf an. Aber ich glaube, Ehrlichkeit hilft. Auch wenn’s unangenehm ist. Sonst denkt er vielleicht: ‚Alles super‘ – und macht beim nächsten Mal genau das Gleiche.
By the way: Es ist übrigens völlig normal, dass man beim Sex auch mal nichts fühlt. Oder nur wenig. Das heißt nicht, dass was mit dir nicht stimmt. Manchmal bist du einfach nur müde. Oder abgelenkt. Oder hast Stress. Oder magst den Typen nicht mehr so. Egal. Es ist okay, wenn nicht immer was passiert.
Was können Jungs eigentlich tun?
Also, Jungs – wenn du das liest: Hör auf, dich nur auf deinen Schwanz zu konzentrieren. Ehrlich. Das ist nicht der einzige Knopf im Raum. Frag! Streichle! Küsse! Mach langsamer! Und hör auf, wenn sie sagt, es tut weh. Und ja – es ist nicht immer nur Penetration. Viele Mädchen kommen erst durch Oral oder Hand. Und das ist auch Sex. Ganz wichtig: Sex ist nicht erst da, wenn der Penis drin ist. Alles davor zählt mindestens genauso viel.
Und noch was: Nicht jeder Orgasmus sieht aus wie im Porno. Manche kommen still. Mit Zittern. Mit einem tiefen Atemzug. Nicht mit Schreien und Zappeln. Also, schau hin. Höre zu. Sei präsent.
Fazit: Es ist kein Wettkampf
Am Ende ist es einfach so: Beim ersten Mal kommen die wenigsten Mädchen. Und das ist völlig in Ordnung. Es ist kein Versagen. Es ist kein Zeichen dafür, dass du kaputt bist oder der Typ schlecht war. Es ist einfach der Anfang. Und Anfänge sind oft holprig. Ungeschickt. Unsicher.
Wichtig ist, dass du dich wohlfühlst. Dass du sagst, was du willst – oder nicht willst. Dass du dir Zeit nimmst. Und dir erlaubst, es nicht zu schaffen. Weil irgendwann – vielleicht bald, vielleicht erst später – kommt der Moment, wo du denkst: ‚Ah. Das. Das ist es.‘ Und dann ist es schön. Echt schön.
Hast du das erste Mal noch vor dir? Oder schon hinter dir – mit oder ohne Höhepunkt? Egal. Du bist okay. Wirklich. Und wenn du willst, kannst du jederzeit nochmal anfangen. Von vorn. Mit dir. Mit jemandem. Mit mehr Geduld. Weil das, was zählt, nicht der erste Mal ist – sondern die vielen Male danach.
