Was erwartet der Vermieter eigentlich?
Hier wird’s komisch, weil: Es gibt keine einheitliche Regel. Ehrlich. Jeder Vermieter tickt anders. Manche sind total locker – „Hauptsache, es stinkt nicht und es wachsen keine Pilze aus der Tapete“. Andere wollen alles wie neu, obwohl sie selbst seit 20 Jahren nicht mal Farbe gekauft haben. Aber: Es gibt so eine Art unsichtbare Norm. Und die dreht sich um den Zustand der Wände bei Übergabe. Also: Wie waren sie, als du eingezogen bist? Genau so sollten sie ungefähr wieder sein. Oder zumindest nicht schlechter.
Ich meine, klar – Leben findet statt. Man hängt Bilder auf, mal kippt ein Regal um, ein Kind malt mit Buntstift an die Wand. Das ist normal. Aber: Veränderungen müssen dokumentiert sein. Und das ist der Punkt, den viele vergessen. Du musst beweisen, dass die Macke schon da war, bevor du kamst. Deshalb: Fotos, Fotos, Fotos. Bei Einzug. Und nicht nur das Wohnzimmer, wo alles schön ist. Nein, auch die Ecke hinterm Schrank. Die Stelle, wo die Tapete wellig ist. Alles.
Tapete oder Farbe? Das ist hier die Frage
Bei Farbe ist’s eigentlich einfacher. Wenn du keine neuen Farben gemischt hast (außer vielleicht beim Versuch, den Hund nach dem Regenbad abzutrocknen – ist mir mal passiert, keine schöne Geschichte), dann reicht in der Regel ein Anstrich, wenn’s nötig ist. Aber Achtung: Wenn die Wand vorher gestrichen war und jetzt tapetiert ist, wird’s teuer. Weil du das wieder rückgängig machen musst. Genauso andersherum. Weil: Du darfst nicht einfach den Charakter der Wohnung verändern. Das steht dann meistens so irgendwo im Mietvertrag, zwischen all den Kleingedruckten, die keiner liest.
Ich hatte mal eine Wohnung in Köln, da hatte der Vormieter die Tapete abgerissen und nur gestrichen. Sah eigentlich stylisch aus, modern. Aber der Vermieter wollte alles wieder mit Tapete. Also musste ich ran. Drei Tage lang. Mit Blasen an den Händen. Und das bei 35 Grad im August. Danke, Guido. (So hieß der Vermieter. War übrigens nie da, aber bei der Abnahme auf einmal Mega-engagiert.)
Wie sauber müssen die Wände sein?
Also, sauber so wie beim Einzug. Nicht wie nach einem Putzmarathon, aber auch nicht mit Fingerabdrücken vom letzten Fondue-Abend. Ich meine, ein bisschen Staub ist okay. Aber wenn du Spuren von Fett, Zigarettenrauch oder – Gott bewahre – Schimmel hast, dann wird’s kritisch. Vor allem Schimmel. Der ist bei Vermietern so beliebt wie Steuern bei Influencern.
Und noch was: Wenn du was abgehängt hast – Bilder, Spiegel, Regale – dann müssen die Löcher verschwinden. Egal, ob du sie selbst gemacht hast oder nicht. Wenn du beim Auszug mehr Löcher hast als beim Einzug, gilt: reparieren. Mit Spachtel, schleifen, ggf. neu streichen. Und zwar so, dass man’s nicht sieht. Kein „fast gut“. Sondern gut gut.
Was zählt als „normaler Verschleiß“?
Ah, das ewige Thema. Normaler Verschleiß. Klingt harmlos, ist aber ein Minenfeld. Graue Flecken an den Ecken? Könnte normal sein, wenn’s über Jahre entstanden ist. Eine abgeplatzte Ecke direkt neben der Tür? Vielleicht vom Türschlag. Aber eine ganze Wand mit Kratzern vom Hundekratzbaum? Da wird’s schwierig. Weil: Der Hund war deine Entscheidung. Der Kratzbaum auch.
Letztens hat mir ein Typ im Café erzählt, er hätte einfach alles neu tapeziert, weil die alte Tapete „irgendwie doof“ war. Und dann wollte der Vermieter Schadensersatz. Weil: Er hätte die alte Tapete zurückhaben wollen, um den Wert zu bewahren. Ich war baff. Aber rechtlich? Hatte der Vermieter nicht mal unrecht. Weil: Du darfst nicht einfach entscheiden, dass du die Optik änderst, nur weil dir was nicht passt.
Die Übergabe – und warum sie Angst macht
Ich glaube, das Schlimmste an der Wandübergabe ist nicht die Arbeit. Sondern die Angst. Die Angst vor dem Moment, wo der Vermieter mit dem Finger auf eine Stelle zeigt und sagt: „Das war vorher nicht da.“ Und du denkst: Doch! War es! Aber du hast kein Foto. Und dann zockelt er mit der Kaution ab. Und du stehst da wie ein Idiot.
Deswegen: Mach Fotos. Mach viele Fotos. Beim Einzug. Beim Auszug. Und schick sie auch rüber. Per Mail. Mit Datum. So, dass es nachvollziehbar ist. Und lies den Zustand gemeinsam ab. Mit dem Vermieter. Oder zumindest mit einem Zeugen. Egal ob Freund, Partner oder Nachbar. Hauptsache, jemand kann später sagen: „Ja, da war nichts.“
Und wenn die Wände einfach kaputt sind?
Also, was tun, wenn die Wand von alleine abblättert? Oder die Tapete sich ablöst, ohne dass du was gemacht hast? Dann ist das nicht dein Problem. Ehrlich. Das ist Instandhaltungspflicht des Vermieters. Aber – und jetzt kommt’s – du musst es gemeldet haben. Wenn du zwei Jahre lang nichts sagst und dann beim Auszug mit „Ja, das war schon immer so“ kommst, glaubt dir keiner. Weil: Warum hast du nichts gesagt? Weil du dachtest, es geht von alleine weg? (Hab ich mal gedacht. Ging nicht weg.)
Schreib eine Mail. Oder einen Brief. Formell. Mit Datum. Und sag Bescheid. Dann bist du auf der sicheren Seite. Und kannst später ruhig schlafen, auch wenn die Wand aussieht wie nach einem Erdbeben.
Fazit: Ehrlichkeit und Dokumentation
Am Ende geht’s nicht darum, perfekt zu sein. Sondern fair. Du musst nicht wie ein Profi tapezieren können. Aber du solltest ehrlich sein. Und dokumentieren. Weil: Die meisten Vermieter wollen keinen Krieg. Sie wollen nur, dass ihre Wohnung nicht aussieht, als hätte ein Bär darin gewohnt.
Also: Behalt den Überblick. Sei vorsichtig mit Veränderungen. Und wenn du unsicher bist – frag einfach. Oft reicht ein ehrliches Gespräch. Ich hab’s bei meiner letzten Wohnung so gemacht. Hab dem Vermieter eine Flasche Wein mitgebracht, wir haben uns hingesetzt, Fotos verglichen, und am Ende war alles gut. Keine Kaution verloren. Keine Streitereien. Nur ein bisschen Small Talk über den neuen Balkonkasten.
Weil manchmal ist es eben nicht die Wand, die zählt. Sondern die Art, wie man miteinander umgeht.
