Die Basics: Was macht eine Begrüßung eigentlich aus?
Also, grundsätzlich geht’s bei einer Begrüßung ja darum, dem anderen zu zeigen: „Hey, ich sehe dich. Du bist mir nicht egal.“ Klingt simpel, oder? Aber allein die Art, wie wir das tun, sagt schon so viel über uns aus. Ob du jemanden mit Handschlag begrüßt, mit Umarmung oder nur mit einem „Moin“ – das hängt vom Kontext ab, von der Kultur, von der Beziehung… und ja, auch ein bisschen von deiner Tagesform.
Ich erinner mich an einen Moment in München, da bin ich einem Kollegen im Flur begegnet – wir hatten uns vorher nur per Mail geschrieben. Er kommt auf mich zu, breites Grinsen, Arme ausgebreitet – will mich zur Begrüßung umarmen. Und ich? Ich hatte gerade Handschuh an, weil ich am Morgen noch mein Fahrrad repariert hatte. Hab stattdessen die Hand ausgestreckt. Total peinlich. Wir standen da wie zwei Tänzer, die unterschiedliche Musik hören. (Das war übrigens Thomas. Thomas, falls du das liest – sorry nochmal.)
Hände, Wangen, Luftküsse – was ist wann okay?
Also, mal ehrlich: Wer hat sich das eigentlich ausgedacht mit den Wangenküssen? In Deutschland ist das ja nicht mal flächendeckend so. In Bayern küssen sich viele zur Begrüßung – ein Mal, zwei Mal, manchmal drei? Keine Ahnung, ich zähle immer falsch. In Hamburg reicht oft ein „Moin, alles klar?“ und schon geht’s weiter. Und in Berlin? Da nickst du, guckst cool, und wenn du Glück hast, gibt’s ein „Hey“ mit leichtem Schulterklopf.
Beim Handschlag – aah, da gibt’s auch so viel, was schiefgehen kann. Zu fest, zu weich, zu lange, zu kurz. Ich hatte mal einen Gesprächspartner, der hat so fest zugepackt, dass ich danach meine Hand nicht mehr richtig bewegen konnte. Fühlte mich wie nach einem Boxtraining. Andererseits: der wässrige Händedruck – nein danke. Ehrlich, das ist fast schlimmer.
Und dann die Sache mit den Luftküsse. In manchen Kreisen ist das ganz normal – du kommst in die Runde, links, rechts, luftig-küsschenmäßig. Aber wenn du das noch nie gemacht hast, fühlt sich das an wie Schauspielerei. Wie damals, als ich bei einer Kollegin zum Geburtstag war – Sarah, aus Frankreich – und plötzlich alle umarmen und küssen. Ich hab’s nachgemacht, aber wahrscheinlich mit der Haltung von jemandem, der gerade einen Fisch riecht.
Wann Umarmung – und wann lieber nicht?
Umarmung ist so ein Ding. Bei guten Freunden? Klar. Bei der Oma? Unbedingt. Aber bei der neuen Kollegin aus der Buchhaltung, die du gerade erst kennengelernt hast? Hm. Da zögere ich. Ich meine, was, wenn sie Abstand braucht? Was, wenn sie denkt: „Alter, warum umarmt der mich? Wir kennen uns seit drei Minuten!“
Letztes Jahr auf einer Konferenz hab ich’s dann einfach riskiert – Frau aus der Personalabteilung, nettes Gespräch, ich dachte: warum nicht? Hab die Arme ausgebreitet. Sie hat zurückgegrinst – und dann sind wir beide in Gelächter ausgebrochen, weil wir gleichzeitig gemerkt haben, dass wir beide eigentlich unsicher waren. Am Ende: halbe Umarmung, halber Handschlag. Irgendwas dazwischen. Aber es war okay. Weil es ehrlich war.
Kulturunterschiede: Was in Berlin normal ist, nervt in Tokio
Ach ja, das habe ich fast vergessen: im Ausland wird’s noch komplizierter. In Japan zum Beispiel – da verbeugt man sich. Und zwar richtig. Nicht so ein lässiges Kopfnicken, sondern tief, mit Respekt. Und Händeschütteln? Oft eher unüblich, zumindest geschäftlich. In Indien sagt man „Namaste“ und legt die Hände wie zum Gebet zusammen. In vielen arabischen Ländern gibt’s lange Händeschläge, manchmal mit der linken Hand am Herzen. Total emotional.
Als ich vor zwei Jahren in Marokko war, hab ich das erst falsch verstanden. Hab einem Geschäftspartner die Hand gegeben – und er hat sie so lange gehalten, dass ich dachte, er will mich irgendwohin ziehen. War aber nur seine Art, Respekt zu zeigen. Hab dann gelernt: Manchmal muss man sich einfach auf das Tempo des anderen einlassen.
Und wenn man unsicher ist? Einfach beobachten!
Mein Tipp, wenn du nicht weißt, wie du jemanden begrüßen sollst: Schau erstmal. Wie begrüßen sich die anderen? Was macht derjenige, den du begrüßen willst? Manchmal sagt schon die Körpersprache alles. Offene Arme? Dann wahrscheinlich Umarmung. Zurückhaltender Blick? Vielleicht lieber nur ein Lächeln und ein „Hallo“.
Oder du machst es wie ich: Du beginnst mit einer offenen Geste. Hand leicht ausgestreckt, lächelnd, aber nicht aufdringlich. Wenn der andere darauf eingeht – super. Will er lieber Abstand, signalisiert er das meist subtil. Und dann? Einfach anpassen. Kein Drama.
Was, wenn man niemanden begrüßen will?
Okay, das sage ich jetzt mal ganz ehrlich: Manchmal will man einfach niemanden begrüßen. Weil man schlecht drauf ist. Weil man gerade in Gedanken war. Weil man den Typen eigentlich nicht mag. Und? Darf man das? Ich glaube schon. Aber es geht ja nicht darum, unhöflich zu sein – sondern darum, authentisch zu sein. Manchmal reicht ein kleines Nicken. Manchmal ein „Hey“, ohne große Geste. Das ist okay. Begrüßen muss nicht immer großes Theater sein.
Fazit: Es geht um Respekt – nicht um Perfektion
Am Ende geht’s nicht darum, alles richtig zu machen. Sondern darum, dem anderen Respekt und Aufmerksamkeit zu zeigen. Ob mit Handschlag, Umarmung, Nicken oder einem simplen „Grüß dich“ – Hauptsache, es kommt von Herzen. Und wenn’s mal schiefgeht? Na und. Dann lacht man drüber. Oder vergisst es. Weil, ehrlich – wer erinnert sich schon an den einen peinlichen Begrüßungsversuch von 2017?
Außer vielleicht Thomas. Sorry nochmal, Thomas.
Was ist eigentlich deine Begrüßungsart? Machst du lieber Abstand oder gehst du direkt zur Umarmung? Schreib’s mir mal – ich bin gespannt.
