Discount-Zigaretten – billiger, aber wer macht’s?
Lidl selbst stellt natürlich keine Zigaretten her. Das wäre auch ziemlich abgefahren, stell dir vor, in einem Lidl-Lager neben den Nudelpackungen laufen Zigarettenmaschinen. Nein, so läuft das nicht. Wie bei vielen Discountmarken: Lidl gibt den Namen vor, kontrolliert die Qualität – aber die Produktion outsourcen sie. Meistens an große Tabakkonzerne, die neben ihren eigenen Marken auch für andere produzieren. Das nennt man Private Label oder Handelsmarken.
Die große Frage: Ist es Reemtsma? Oder vielleicht Imperial?
Lange Zeit hat man spekuliert, ob Reemtsma (gehört zu British American Tobacco) die Zigaretten für Lidl herstellt. Immerhin: Die Harvest-Packung sieht irgendwie… bekannt aus. Aber offiziell sagt keiner was. Kein Hersteller steht auf der Packung, nur „Inverkehrbringer: Lidl Stiftung & Co. KG, Bad Waldsee“. Das ist völlig legal – aber frustrierend, wenn man wissen will, wer die Zigaretten wirklich dreht.
Was viele nicht wissen: Auch große Konzerne wie Imperial Brands (früher Imperial Tobacco) oder Japan Tobacco produzieren für Handelsmarken. Ich hab mal bei einer Freundin aus der Branche nachgefragt – sie arbeitet im Einkauf bei einem Tabakhändler in Düsseldorf. „Also, bei Lidl? Ich würd auf Imperial tippen“, hat sie gesagt. Aber sie war sich nicht sicher. „Ist wie bei Aldi und ihren Feinschmecker-Produkten – keiner redet drüber.“
Harvest, Davidoff, Barclay – was ist der Unterschied?
Lidl verkauft verschiedene Marken. Da ist zum Beispiel Harvest – die günstigste, meist rot oder blau. Dann gibt’s Davidoff Selection, die sieht edler aus, ist aber kein echter Davidoff, auch wenn der Name bekannt klingt. Das ist eine Lizenz. Und Barclay – die kennt man noch von früher. Die Marke existiert schon ewig, aber heute ist sie auch eine Lidl-Handelsmarke.
Ich hab mal beide probiert: Harvest Blue und Barclay Blue. Also, Harvest ist trocken, leicht herb – wie eine typische Discount-Zigarette. Barclay war weicher, fast schon zu mild für meinen Geschmack. Aber das ist ja auch Geschmackssache. Wobei… ich frag mich immer noch, ob Barclay vielleicht in derselben Fabrik wie früher produziert wird. Vielleicht in Bremen? Oder schon im Ausland? Wahrscheinlich Letzteres.
Produktion im Ausland – logisch, oder?
Deutschland hat hohe Tabaksteuern, hohe Löhne. Es wäre wirtschaftlich total sinnlos, wenn Lidl-Zigaretten hier produziert würden. Die meisten laufen vermutlich in Osteuropa oder Nordafrika vom Band. Rumänien, Polen, Marokko – da sind die Produktionskosten niedriger. Ich war mal in Bulgarien, und dort gibt es riesige Tabakfabriken. Ein Bekannter von mir, der da gearbeitet hat (nicht direkt bei Tabak, aber im Logistikbereich), hat erzählt, dass viele Discountmarken dort produziert werden. „Die haben Maschinen, die 24 Stunden am Tag laufen“, hat er gesagt.
Aber natürlich: Auch dort wird auf Qualitätsstandards geachtet. Lidl kann sich nicht leisten, dass plötzlich eine Charge schlecht schmeckt oder Rückrufe gibt. Die Kontrollen sind streng – auch wenn der Preis niedrig ist.
Ist „Billig“ gleich schlecht?
Das ist die große Frage, oder? Ich hab lange gedacht: Günstige Zigaretten = schlechter Tabak, mehr Zusatzstoffe, ekliges Rauchgefühl. Aber ehrlich – Harvest ist okay. Nicht luxuriös, aber auch nicht widerlich. Ich rauche selten, aber wenn ich mal will, greife ich manchmal zu Harvest Red. Kostet unter 5€, hält, was sie verspricht.
Was mich stört? Dass man als Verbraucher so wenig weiß. Kein Hersteller, keine klare Herkunft. Du kaufst blind. Ist das vertrauenswürdig? Einerseits: Lidl ist eine große Marke, die riskiert keinen Skandal. Andererseits – was, wenn sich rausstellt, dass die Zigaretten in einem Land mit miesen Arbeitsbedingungen gemacht werden? Oder mit fragwürdigen Tabakquellen?
Irgendwie unangenehm, oder? Du weißt einfach nicht, wer wirklich dahintersteckt.
Warum sagt Lidl nichts?
Das ist ja das Merkwürdige. Lidl kommuniziert fast gar nichts dazu. Keine Herstellerangabe, keine Produktionsländer, keine Zertifizierungen. Vielleicht wollen sie sich nicht an einen Hersteller binden? Vielleicht wechseln sie je nach Preis und Verfügbarkeit? Das wäre denkbar. Bei Lebensmitteln wechselt der Produzent ja auch mal – bei Zigaretten merkt das kaum wer.
Ich hab mal versucht, bei Lidl anzurufen. Kundenberatung. Die Frau war nett, aber wusste nichts. „Wir beziehen unsere Produkte von sorgfältig ausgewählten Partnern, die hohe Qualitätsstandards erfüllen.“ Klingt gut, sagt aber nichts. Klassische Unternehmenssprache. Ich habs mit einer E-Mail versucht – keine Antwort. Also, keine echte Antwort.
Persönlicher Take: Ich bleib bei Harvest – aber mit Fragen
Ich geb’s zu: Ich rauche nicht viel. Aber wenn, dann oft Harvest. Preis-Leistung stimmt. Geschmack ist okay. Aber ich wär schon gern informierter. Wer produziert sie? Wo? Unter welchen Bedingungen?
Vielleicht ist das naiv. Zigaretten sind nun mal nicht gesund, egal wer sie macht. Aber Transparenz wäre trotzdem schön. Oder denkst du anders? Hast du schon mal über die Herkunft deiner Zigaretten nachgedacht? Oder ist dir das egal, Hauptsache billig und rauchbar?
Letzte Woche hab ich Tom wiedergesehen. Der raucht immer noch Harvest. Hab ihn gefragt, ob er weiß, wer die herstellt. Er hat gelacht: „Keine Ahnung. Aber wenn’s Lidl verkauft, wird’s schon nicht völlig am Arsch sein.“ Irgendwie hat er recht. Aber irgendwie auch nicht.
Was meinst du?
