Ehrlich jetzt – wer rechnet eigentlich besser?
Die alten Klischees halten sich hartnäckig
Ja, klar, früher dachte man das. Mathe = Jungs. Sprachen = Mädels. Wie so ein altes Schulbuch, das keiner mehr braucht, aber keiner wegschmeißt. Aber heute? Ich meine, guck dir mal die Abizeugnisse an. Bei uns in der Schule – das war in Wuppertal, Gymnasium an der Barmen – hatten die besten Noten in Mathe oft Mädchen. Und zwar nicht nur eins, zwei, sondern fast die Hälfte. Und nicht nur in der Oberstufe. Schon in der 8. Klasse hat Lena Peters den ganzen Kurs abgehängt, mit ihren Skizzen und Erklärungen, die plötzlich alles klar machten. Ich hab damals Brüche nicht kapiert – ehrlich gesagt, noch immer nicht so richtig – und sie hat’s mir mit Bananen erklärt. Ja, Bananen! Eine halbe hier, ein Viertel da. Hat funktioniert.
Aber ist es überhaupt fair, zu vergleichen?
Also, ich frage mich: Wieso stellen wir das immer als Wettkampf dar? „Wer ist besser?“ Als ob Mathe ein Sport wäre, bei dem am Ende eine Medaille rauskommt. Vielleicht ist die bessere Frage: Wie lernt man Mathe eigentlich am besten? Weil, ich kenn Jungs, die rechnen im Kopf wie Taschenrechner, aber keine Lust haben, einen Lösungsweg hinzuschreiben. Und Mädchen, die alles sauber aufschreiben, Schritt für Schritt, aber sich ständig zweifeln: „Hab ich das jetzt richtig gemacht?“
Und dann diese Sache mit der Angst vor Mathe. Also, ich hatte die. In der 10. Klasse brach mir der Schweiß aus, wenn Frau Scholz den Klassenarbeitstermin nannte. Herzrasen, trockener Mund, das volle Programm. Und rate mal – fast nur Mädchen in meiner Lerngruppe hatten das auch. Aber nicht, weil wir dümmer waren. Nein. Weil wir ständig das Gefühl hatten, wir müssten doppelt so gut sein, um als „gut“ wahrgenommen zu werden.
Forschung sagt: Es liegt nicht am Geschlecht
Ich hab neulich einen Artikel gelesen – glaub von der Uni München – da stand, dass es bei IQ-Tests und mathematischen Fähigkeiten praktisch keinen Unterschied zwischen Jungen und Mädchen gibt. Gar keinen. Die Unterschiede, die man sieht, kommen eher aus der Umwelt: Wie wird man ermutigt? Wer bekommt Nachhilfe? Wer wird ermahnt, „konzentrier dich mal mehr“? Mein kleiner Bruder Tim, 13, kriegt von meinem Vater ständig Zeitschriften über Roboter und Programmieren. Meine Cousine Lara? Bekommt ein neues Kochbuch. Beides cool, ja. Aber was glaubst du, wer eher denkt: „Ich kann was mit Zahlen“?
Und noch was: In einigen Ländern – zum Beispiel in Skandinavien – sind Mädchen in Mathe nicht nur gleichauf, sondern oft sogar vorn. Warum? Weil dort weniger Geschlechterklischees herrschen. Weil Lehrerinnen und Lehrer nicht unbewusst Jungs mehr ansprechen. Weil niemand sagt: „Mädchen sind ja eh nicht so gut im Kopfrechnen.“
Meine eigene Erfahrung – und die von Anna
Ich hab mal mit Anna, meiner alten Studienkollegin, darüber geredet. Die macht jetzt Data Science in Berlin. Unglaublich schlau, aber sie sagt: „Ich hab mich jahrelang nicht getraut, Mathe-LK zu wählen, weil alle sagten, das wäre ‚nicht mädchenhaft‘.“ Und heute? Sie verdient mehr als die Hälfte ihrer männlichen Kollegen. Nicht weil sie besser ist – okay, vielleicht ein bisschen –, sondern weil sie Ausdauer hat. Weil sie nicht aufgibt. Und weil sie gelernt hat, dass Zweifel normal sind. Bei Jungs wie bei Mädchen.
Vielleicht ist die Antwort: Es kommt drauf an
Also, wenn du mich fragst: Es gibt nicht das eine Geschlecht, das besser ist. Es gibt Menschen, die gut in Mathe sind. Punkt. Manche eben Jungs, manche Mädchen. Und viele davon wurden einfach ernst genommen. Oder hatten eine coole Lehrerin. Oder einen Vater, der nicht sagt: „So ein Mädchen braucht kein Integral berechnen.“
Hier bei mir im Viertel gibt’s eine Nachhilfelehrerin, Frau Özdemir. Die hat’s gesagt: „Bei mir lernt jeder so, wie er kann. Ob mit Rap-Texten, Comics oder Excel-Tabellen. Hauptsache, es klickt.“ Und weißt du was? Ihre besten Schülerinnen sind oft die, die vorher dachten, sie wären „Mathe-Muffel“.
Fazit: Es geht um Haltung, nicht um Hormone
Also, zurück zur Frage: Wer ist besser in Mathe? Ich sag’s mal so – es ist wie mit Schuhen. Nicht jeder Turnschuh passt jedem Fuß. Aber das heißt nicht, dass einer besser ist, nur weil er größer ist. Manche rechnen intuitiv, andere strukturiert. Manche brauchen Zeit, andere sehen’s sofort. Aber das hat nichts mit Mann oder Frau zu tun.
Wir sollten aufhören, danach zu fragen, wer besser ist – und stattdessen dafür sorgen, dass alle die Chance kriegen, gut zu werden. Ehrlich, das wäre mal was.
Du weißt, was ich meine, oder?
