Ehrlich gesagt: Ich dachte erst, die Leber wäre bloß für Alkohol zuständig
Weißt du, was ich früher glaubte? Dass die Leber nur dafür da ist, Wodka abzubauen nach einer durchzechten Nacht. Klar, man merkt’s am nächsten Tag, wenn sie gerade Überstunden macht. Aber dass sie auch so was wie ein Speicherschrank für Vitamine ist – nö, das wusste ich nicht. Und B12? Davon hab ich erst richtig was gehört, als ich mal ein bisschen müde war, total erschöpft, fast wie nach einer Grippe, ohne dass ich krank war. Der Arzt meinte dann: „Mal auf B12 testen?“
Das große Aha! – Die Leber ist der Hauptlagerort
Und jetzt kommt’s: Die Leber. Ja, wirklich. Die speichert B12 – und zwar ziemlich effizient. Eigentlich fast wie ein Hamster, der Nüsse sammelt für den Winter. Nur dass wir halt kein Winterfell brauchen, sondern funktionierende Nerven und gesundes Blut. Die Leber nimmt das Vitamin B12 auf, sobald es über die Nahrung (oder Tabletten) in den Körper kommt, und legt einen Großteil davon einfach beiseite. Für schlechte Zeiten, sozusagen.
Interessant ist, dass der Körper das nicht unendlich lange kann – aber immerhin Jahre, wenn du mal wenig B12 zu dir nimmst. Ich hab das mal bei meinem Onkel Karl gesehen, der lange Zeit vegan gelebt hat, aber keine Supplemente nahm. Nach zwei, drei Jahren ging’s bergab: Kribbeln in den Händen, Konzentrationsschwierigkeiten. Der Arzt sagte dann: Leberspeicher leer. B12-Mangel. Hatte er echt nicht kommen sehen.
Aber wie kommt B12 überhaupt in die Leber?
Okay, jetzt wird’s kurz ein bisschen „biochemisch“, aber ich versuch’s einfach zu erklären. B19 kommt über die Nahrung – Fleisch, Fisch, Eier, Milchprodukte. (Veganer: ihr kennt das ja.) Im Magen wird es freigesetzt, dann bindet es sich an einen speziellen Transporter, den intrinsic Factor. Ohne den geht gar nichts. Der geht dann durch den Dünndarm, vorbei am Terminalileum – hört sich an wie eine Seuche, ist aber einfach der letzte Teil davon – und wird da aufgenommen. Von dort aus geht’s zur Leber. Die nimmt das B12, speichert es, und gibt es nach und nach ab, wenn der Körper was braucht.
Hast du schon mal von perniziöser Anämie gehört? Das ist so eine Autoimmunerkrankung, bei der der Körper den intrinsic Factor angreift. Dann kann das B12 gar nicht mehr aufgenommen werden – egal, wie viel du isst. Dann muss man es spritzen. Kenn ich von einer Nachbarin, Frau Huber. Die bekommt seit Jahren B12-Spritzen – sagt, danach fühlt sie sich wie neu geboren.
Ist der Darm auch beteiligt? Ja, ein bisschen.
Ach so, nebenbei: Auch der Darm selbst speichert eine winzige Menge B12. Weil – Überraschung – unsere Darmbakterien das Zeug teilweise selber produzieren. Aber: Es wird nicht richtig aufgenommen, weil es weiter unten im Dickdarm passiert, wo keine Aufnahme stattfindet. Also leider nix bringen. Habe ich mal gelesen, hab’s meiner Kollegin Sandra erzählt, die meinte nur: „Na toll, hätte ja sein können.“
Was kannst du daraus machen?
Wenn du dich vegan ernährst, oder einfach merkst, dass du oft müde bist, gereizt, oder ein Kribbeln spürst – teste mal dein B12. Und überleg dir, ob du was supplementierst. Die Leber ist zwar clever, aber sie kann nicht zaubern. Wenn nichts nachkommt, ist irgendwann Schluss mit Speichern.
Ich persönlich nehme jetzt seit zwei Jahren ein B12-Präparat, meistens als Tropfen. Warum Tropfen? Keine Ahnung, fühlte sich am Anfang einfach leichter an als Tabletten. Und ich vergesse es seltener. (Obwohl ich letzte Woche das Fläschchen auf der Fensterbank vergessen hab – bei Sonne. Hoffentlich hat’s das Vitamin nicht kaputtgemacht. Muss ich noch mal nachschlagen.)
Hast du schon mal B12 gemessen? Oder merkst du was, wenn du mal vergisst, es zu nehmen? Bei mir dauert’s ein paar Wochen, bis ich so ein dumpfes Gefühl im Kopf kriege, wie Watte im Schädel. Dann weiß ich: Zeit für Nachschub.
Am Ende ist es eigentlich ganz beruhigend: Der Körper hat einen Plan. Er speichert vor. Aber er braucht unsere Hilfe, wenn wir die natürliche Quelle weglassen. Die Leber macht ihren Job – aber sie ist keine Magierin.
Also: Pass auf dich auf. Und auf deine Leber. Die arbeitet schon genug für dich.
