Warum wir den Reichtum der Royals oft völlig falsch einschätzen
Die Sache ist die: Wenn wir an königlichen Wohlstand denken, haben wir meistens die Queen (oder jetzt den King) vor Augen, wie sie in einer goldenen Kutsche zum Parlament fährt. Aber das ist eine optische Täuschung, denn der wahre Reichtum versteckt sich heute nicht mehr in Kronjuwelen, sondern in hochkomplexen Investmentvehikeln und Staatsbesitz, der nur schwer vom Privatvermögen zu trennen ist. Wo hört der Staat auf und wo fängt die Familie an? In absoluten Monarchien wie in den Golfstaaten ist diese Trennung oft rein kosmetisch, was die Schätzungen der Experten so extrem schwanken lässt. Es ist ein Spiel mit Schattenzahlen. Wir reden hier von einer Welt, in der Grundbesitz, Firmenanteile und Kunstsammlungen über Generationen angehäuft wurden, ohne dass jemals ein Finanzamt eine Betriebsprüfung gewagt hätte.
Privatvermögen versus Staatsbesitz: Die große Grauzone
Hier wird es richtig knifflig, denn ein König kann zwar über ein Land herrschen, aber das bedeutet nicht, dass ihm jede Autobahn persönlich gehört – außer vielleicht in Riad. In Europa hingegen ist das meiste, was wir als "königlich" wahrnehmen, in Stiftungen oder staatlichen Treuhandhänden gebunden. Nehmen wir den Crown Estate in Großbritannien: Ein gigantisches Portfolio, aber Charles III. darf davon weder ein Stück Land verkaufen, um sich eine neue Yacht zu leisten, noch fließen die Gewinne direkt auf sein Privatkonto. Er bekommt lediglich eine Apanage, den sogenannten Sovereign Grant. Aber wer hat nun wirklich die volle Verfügungsgewalt über seine Milliarden? Das unterscheidet den modernen konstitutionellen Monarchen vom autokratischen Herrscher alter Schule, der sein Land faktisch als Familienunternehmen führt. Und genau deshalb führen die Listen der reichsten Royals fast ausschließlich Namen aus dem arabischen Raum an, während die Europäer zwar prestigeträchtig, aber auf dem Papier fast schon "arm" wirken.
Die unangefochtene Spitze: Das Haus Saud und die Billionen-Grenze
Wenn wir über das Haus Saud sprechen, reden wir über eine Familie mit etwa 15.000 Mitgliedern, von denen ein harter Kern von etwa 2.000 Personen den Großteil der Macht und des Geldes kontrolliert. Man muss sich das einmal vorstellen: 1.400.000.000.000 US-Dollar stehen im Raum, eine Summe, die das Bruttoinlandsprodukt vieler Industrienationen locker in den Schatten stellt. Das Fundament dieses Reichtums ist natürlich Saudi Aramco, das wertvollste Unternehmen der Welt, dessen Gewinne fast ungefiltert in die Kassen der Königsfamilie fließen (oder zumindest in den Public Investment Fund, den sie kontrollieren). Aber ist das wirklich alles privat? Experten streiten sich seit Jahrzehnten darüber, wie man diese Gelder verbuchen soll, doch am Ende zählt die faktische Kontrolle.
Öl, Gas und die Diversifizierung des Portfolios
Aber es wäre ein Fehler zu glauben, dass die Saudis nur auf ihren Ölquellen sitzen und warten, bis die Welt auf Elektroautos umsteigt. Das Gegenteil ist der Fall. Über den PIF investiert das Königshaus in alles, was Rang und Namen hat – von Uber über Lucid Motors bis hin zu gigantischen Tourismusprojekten wie NEOM, dieser Science-Fiction-Stadt in der Wüste. Sie kaufen sich in den globalen Sport ein, übernehmen Fußballvereine wie Newcastle United und finanzieren ganze Golf-Touren. Warum tun sie das? Weil sie wissen, dass die Ära der fossilen Brennstoffe endlich ist. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, finanziert durch das Kapital der Vergangenheit. Aber lassen wir uns nicht täuschen: Der aktuelle Cashflow ist so gewaltig, dass sie praktisch jeden Preis für strategische Assets zahlen können, was die globale Wirtschaftsordnung nachhaltig verschiebt.
Der Lifestyle der 15.000 Prinzen
Man hört oft von vergoldeten Privatjets und Jachten, die so lang sind wie Kreuzfahrtschiffe, aber das ist nur die Spitze des Eisbergs. Ein einzelner Prinz, wie etwa Al-Waleed bin Talal, besaß zeitweise Anteile an Citigroup, Apple und Twitter, was ihn zu einem der einflussreichsten Investoren der Welt machte. Doch Machtkämpfe innerhalb der Familie können diesen Reichtum schnell umschichten, wie die Verhaftungen im Ritz-Carlton in Riad im Jahr 2017 zeigten. Dort wurden Milliarden von Dollar quasi über Nacht "eingesammelt". Das zeigt uns: Reichtum in diesen Sphären ist nicht nur eine Frage des Kontostandes, sondern auch der politischen Überlebensfähigkeit innerhalb einer absolutistischen Hierarchie.
Die Konkurrenz aus den Emiraten und Kuwait
Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, nur nach Saudi-Arabien zu schauen, wenn man wissen will, welches Königshaus am meisten Geld hat, denn die Nachbarn schlafen nicht. Die Al Nahyan-Dynastie aus Abu Dhabi verfügt über ein geschätztes Vermögen von 300 Milliarden Dollar. Das ist zwar weniger als bei den Saudis, aber die Familie ist deutlich kleiner, was den Reichtum pro Kopf massiv erhöht. Die Kontrolle über den Staatsfonds ADIA, der fast eine Billion Dollar verwaltet, macht sie zu einem der mächtigsten Akteure an der Wall Street. Und dann ist da noch Katar. Die Al Thanis haben durch Flüssiggas (LNG) eine derartige Goldgrube gefunden, dass sie pro Einwohner das höchste Einkommen der Welt generieren konnten. Ihre Investitionen in London sind so weitreichend, dass man scherzhaft sagt, der Familie gehöre mehr von der britischen Hauptstadt als der Krone selbst. Das Harrods-Kaufhaus, der Shard-Wolkenkratzer, Anteile an Barclays – die Liste ist endlos.
Das Geheimnis von Kuwait: Der älteste Staatsfonds der Welt
Leute denken nicht genug über Kuwait nach, dabei hat das Haus Al-Sabah eine finanzielle Disziplin an den Tag gelegt, die ihresgleichen sucht. Bereits 1953 gründeten sie den Kuwait Investment Office in London, lange bevor andere überhaupt das Wort Staatsfonds buchstabieren konnten. Ihr Portfolio ist so diskret wie lukrativ. Während andere mit Prunkbauten protzen, kaufen die Kuwaitis lieber im großen Stil Infrastruktur und Versicherungen im Westen. Es ist ein leiserer Reichtum, aber einer, der über Krisen und Kriege hinweg Bestand hatte. Selbst die irakische Invasion konnte dieses globale Finanznetzwerk nicht zerstören. Das ist echte Resilienz, die weit über den bloßen Besitz von Öl hinausgeht.
Thailand: Der reichste Monarch im fernen Osten
Werfen wir einen Blick weg vom Nahen Osten hin nach Südostasien, wo König Maha Vajiralongkorn von Thailand eine Sonderrolle einnimmt. Sein persönliches Vermögen wird auf 30 bis 43 Milliarden Dollar geschätzt. Das Besondere hier: Im Gegensatz zu vielen arabischen Herrschern wurde der Besitz des Crown Property Bureau unter seine direkte Kontrolle gestellt. Das umfasst riesige Ländereien in Bangkok, Beteiligungen an der Siam Commercial Bank und dem Industriegiganten Siam Cement Group. Man stelle sich vor, dem deutschen Bundespräsidenten würde plötzlich die Deutsche Bank und die Hälfte der Berliner Innenstadt gehören. Unvorstellbar? In Thailand ist das die Realität. Dieser Reichtum macht ihn faktisch zum reichsten Einzelmonarchen der Welt, wenn man die weitverzweigten Großfamilien des Orients einmal außen vor lässt und nur das Individuum an der Spitze betrachtet. Das ändert alles in der Wahrnehmung, denn hier ist der Reichtum nicht auf 15.000 Köpfe verteilt, sondern konzentriert sich in einer einzigen Hand.
Immobilien als Renditebringer in Bangkok
Ein Großteil des thailändischen Vermögens steckt in 6.500 Hektar Land allein in Thailand, wobei über 40.000 Mietverträge in der Hauptstadt Bangkok für einen stetigen Geldfluss sorgen. Doch die Verwaltung dieses Erbes ist nicht ohne Risiko. In einem Land, das politisch oft auf Messers Schneide steht, ist der königliche Reichtum sowohl ein Symbol der Stabilität als auch ein Zielpunkt für Kritik. Aber die finanzielle Macht ist so tief im thailändischen Wirtschaftssystem verwurzelt, dass eine Trennung von Thron und Kapital fast unmöglich erscheint. Es ist eine Symbiose aus Tradition und modernstem Immobilienmanagement, die den König von Thailand in einer globalen Finanz-Rangliste immer ganz weit oben hält. Aber wie schlagen sich dagegen eigentlich die Europäer mit ihrem alten Geld? Das ist eine ganz andere Geschichte, die oft mehr mit Imagepflege als mit echtem Cash zu tun hat.

