Bei uns zu Hause war das früher immer Glühwein
Also, bei meiner Oma Hilde – die hatte das immer fest im Griff. Schon ab dem 23. Dezember roch es bei ihr in der Küche nach rotgefärbtem Zuckerwasser mit Nelken. Okay, das klingt jetzt doof, aber Glühwein war bei ihr ein Ritual. Der Topf stand auf dem Herd, dampfte den ganzen Tag, und man durfte sogar als Kind ein kleines Glas – „nur ein Schuss, damit du was vom Aroma hast“, sagte sie.
Ich erinner mich noch, wie ich mit zwölf zum ersten Mal richtig betrunken war – von Oma Hildes Glühwein. Der hatte mindestens 12% Alkohol, weil sie heimlich einen Schuss Amaretto reingekippt hat. Hat sie nie zugegeben. Aber ich hab’s gerochen. Und gespürt. Und danach auch bereut. Aber ehrlich? Es war auch irgendwie schön. Diese Wärme, dieses Gefühl, als ob die Welt ein bisschen weicher wäre.
Aber nicht überall läuft Glühwein
Meine Schwester zum Beispiel – die ist mit ihrem Mann nach München gezogen, und da machen sie das ganz anders. Da gibt’s am Heiligabend erstmal eine Sekt-Verkostung. „Weil’s elegant ist“, sagt sie. Ich find’s ein bisschen… viel. Aber okay, jeder wie er mag. Sie hat mir letztes Jahr sogar einen Flaschenöffner in Form eines Weihnachtsmanns geschenkt. Irgendwie süß. Und passend, weil ich immer noch diesen alten Metallhebel von Oma Hilde benutze – der sieht aus wie aus dem 19. Jahrhundert.
Aber du weißt, was lustig war? Bei ihr in der Familie trinken die Kinder dann alkoholfreien Traubensaft – aus kleinen Sektgläsern. „Damit sie sich auch feierlich fühlen“, hat ihr Mann mal gesagt. Finde ich eigentlich total süß. Also, nicht der Traubensaft, sondern die Geste.
Dann gab’s da mal den Heiligabend in Österreich
Ich war mal mit einem Freund – nennen wir ihn Markus – in Tirol. Ganz romantisch, Berge, Schnee, dieser eine Hund, der die ganze Nacht gebellt hat. Und da haben sie was ganz anderes getrunken: heißen Punsch. Nicht Glühwein, nein – Punsch. Mit weißem Rum. Und Zitrone. Und Orangenscheiben, die rumgeschwommen sind wie winzige Boote.
War krass. Hab ich vorher nie probiert. Aber es war gut. Weil es nicht so süß war wie Glühwein, sondern irgendwie fruchtiger, frischer. Und weil man den Alkohol besser gemerkt hat. Was bei mir damals – wie gesagt – zu einer ziemlich frühen Weihnachtsnacht geführt hat. Aber hey, ich hab den Weihnachtsmann gesehen. Also, nein. Hab ich nicht. Aber ich dachte es.
Was machen eigentlich die Alkoholfreien?
Das ist ja auch wichtig. Nicht jeder trinkt was mit Alkohol. Meine Cousine Sarah zum Beispiel – die stillt gerade ihr zweites Kind. Und die hat mir neulich gesagt: „Ich will trotzdem was Festliches!“ Da hab ich erstmal nachgedacht. Weil alkoholfreier Glühwein? Ja, gibt’s. Aber ehrlich – schmeckt oft wie erhitzter Fruchtsaft mit Geschmacksverstärker.
Aber dann hab ich bei einem Bioladen diesen alkoholfreien Gewürz-Punsch entdeckt. Mit Sternanis, Kardamom, Apfel und Holunder. Und der war… wirklich gut. Nicht so süß, eher würzig. Hab ich ihr mitgebracht. Und sie hat tatsächlich gesagt: „Das fühlt sich an wie Weihnachten.“
Und was trinke ich dieses Jahr?
Hm. Schwierige Frage. Ich glaube, ich mixe was. Also, ich hab mir vorgenommen, mal meinen eigenen Punsch zu machen. Mit Rotwein, aber nicht zu viel Zucker. Ein bisschen Orangensaft, frische Orangenscheiben, Zimtstange, Nelken – und einen winzigen Schuss Amaretto. Für Oma Hilde.
Und für die, die keinen Alkohol wollen: Ich koch extra einen Topf ohne. Mit Traubensaft, Apfel, frischer Ingwer, Zimt. Und vielleicht ein Spritzer Zitrone. Damit auch alle das Gefühl haben: Heute ist was Besonderes.
Eigentlich geht’s gar nicht um das Getränk, oder?
Sonst noch was? Na ja. Ich glaub, am Ende geht’s nicht darum, ob man Sekt, Glühwe9in, Punsch oder einfach nur Wasser trinkt. Sondern darum, dass man was in der Hand hält. Dass man sich Zeit nimmt. Dass man den Moment spürt – auch wenn der Weihnachtsbaum schon wieder tropft und die Geschenke schief eingepackt sind.
Weihnachten ist nicht perfekt. Aber manchmal genau deshalb schön. Und wenn du da sitzt, mit einem warmen Getränk, und lachst, weil dein Onkel schon wieder vom Krieg erzählt – dann passt das. Egal, was in deinem Glas ist.
Du weißt, was ich meine, oder?
Ich geh jetzt mal meinen Punsch probieren. Mal sehen, ob er mir diesmal nicht wieder zu Kopf steigt.
