Erstmal die Fakten, auch wenn sie nerven
Seit über einem Jahr pendelt der Dieselpreis jetzt schon zwischen 1,70 und 1,90. Und das, obwohl der Ölpreis weltweit nicht wirklich durch die Decke geht. Also, was läuft da falsch? Oder besser: Was läuft da eigentlich richtig für die Tankstellenbetreiber und Mineralölkonzerne?
Die klassische Antwort: Raffineriekapazitäten. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich simpel. Nach der Pandemie, dann dem Ukraine-Krieg, sind viele Raffinerien entweder langsamer gelaufen oder komplett runtergefahren. In Deutschland zum Beispiel die Raffinerie in Schwedt – da gab’s Probleme mit der Rohölversorgung, weil russisches Öl ja raus ist aus dem Spiel. Und Ersatz zu finden? Nicht so leicht, wenn du plötzlich auf andere Quellen umstellen musst.
Also weniger Diesel produziert → Angebot knapp → Preis geht nach oben. Wirtschaftslehre 1.0, eigentlich.
Aber Moment – Öl ist doch billiger geworden?
Ja, genau das denkt man. Und das habe ich auch gedacht, als ich vor zwei Monaten im Internet gelesen hab, dass das Barrel Brentöl unter 80 Dollar gefallen ist. „Endlich Erleichterung“, dachte ich. Doch dann: nichts. Die Preise an der Tankstelle? Unverändert. Oder sogar gestiegen.
Und das ist der Punkt, wo viele – also auch ich – echt sauer werden. Weil: Warum wird die Entlastung nicht weitergegeben? Die Mineralölfirmen sagen immer: „Wir geben die Marktpreise weiter.“ Aber halt nur, wenn sie steigen. Wenn’s runtergeht? Da dauert’s plötzlich Wochen. Und das ist nicht nur ärgerlich, das fühlt sich fast schon wie ausgenutzt an.
Ich hab neulich mit einem Bekannten geredet, der bei einer Tankstelle in Münster arbeitet – nicht der Chef, sondern so einer, der täglich da steht, Zapfsäule putzt, Kaffee macht. Der hat mir erzählt: „Die Preise werden zentral von Hamburg aus gestellt. Wir hier vor Ort können da gar nichts machen. Manchmal ist der neue Preis um 7 Uhr morgens schon da, aber der Sprit kam erst um 10. Und trotzdem – sofort teurer.“
Steuern, Sanktionen, grüne Wende – alles spielt mit
Steuern machen bei Diesel übrigens immer noch über die Hälfte des Endpreises aus. Mineralölsteuer, Mehrwertsteuer – zusammen so um die 60 Prozent. Klingt viel, aber das ist nicht neu. Was sich aber verändert hat, ist die geopolitische Lage.
Die EU-Sanktionen gegen russisches Öl haben die Märkte durcheinandergewirbelt. Wir importieren zwar nicht mehr direkt, aber… wir kaufen jetzt indirekt über andere Länder – Türkei, Indien, China – und da zahlen wir eben Aufschläge. Umwege kosten. Und diese Kosten? Landen bei uns am Zapfhahn.
Und dann ist da noch die Sache mit der grünen Wende. Ja, okay, langfristig wichtig. Aber im Moment führt sie dazu, dass einige Raffinerien um- oder sogar stillgelegt werden, weil sie nicht mehr profitabel sind unter den neuen Auflagen. Weniger Raffinerien = weniger Produktion = höhere Preise. Logik, die sich leider bestätigt.
Geht’s auch anders? Vielleicht.
Ich hab letztens einen Artikel gelesen, dass einige Genossenschaften und kleine Ölmühlen in Österreich angefangen haben, Pflanzendiesel aus regionalem Raps anzubieten. 1,69 € pro Liter – das war fast ein Schock. Warum klappt das bei uns nicht? Wahrscheinlich, weil die Infrastruktur fehlt. Und weil die großen Konzerne kein Interesse haben an Alternativen, die ihre Preismacht schwächen.
Ich frag mich halt: Wird Diesel jetzt für immer teuer bleiben? Wahrscheinlich schon. Nicht weil es muss, sondern weil das System so funktioniert. Wenn die Nachfrage sinkt – weil mehr Leute auf E-Autos umsteigen – aber die Produktionskosten gleich bleiben, dann müssen die Preise steigen, damit die Raffinerien nicht dichtmachen. Also: Weniger Kunden zahlen mehr. Schön für die, die noch tanken? Nein. Logisch für die Branche? Leider ja.
Kann man noch was tun?
Ehrlich? Nicht viel. Außer vielleicht: Tanken, wenn die Preise am niedrigsten sind – meistens mittwochs vormittags. Oder eine App nutzen, die die günstigsten Tankstellen in der Nähe anzeigt. Ich benutze Tankerkönig, das funktioniert ganz gut. Meine Schwester schwört auf ADAC Sprit. Hauptsache, man vergleicht.
Und ja, ich gebe es zu: Ich überlege langsam, ob ich mir nicht doch mal ein Hybridauto kaufe. Mein Passat von 2015 frisst einfach zu viel. Aber das ist dann wieder ein anderes Thema – und ehrlich gesagt, auch ein teures.
Weißt du was am Ende komisch ist? Selbst die Leute, die sagen „Ich hasse Diesel, ich fahre nur noch elektrisch“, – die haben oft auch keine Ahnung, wie teuer Strom an der Ladesäule inzwischen sein kann. Aber das lass ich jetzt mal so stehen.
Diesel teuer? Ja. Verständlich? Teilweise. Fair? Frag mich mal nächste Woche, wenn ich wieder tanken muss.
