Der Durchbruch im Jahr 1605: Johann Carolus und die Straßburger Relation
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Zeitung als Medium eine Erfindung des 19. Jahrhunderts sei. Tatsächlich liegen die Wurzeln viel tiefer im Barock. Johann Carolus, ein gelernter Buchbinder, der in Straßburg eine Schreibstube für handgeschriebene Nachrichtenbriefe betrieb, erkannte das wirtschaftliche Potenzial des Buchdrucks für die Informationsverbreitung. Vor 1605 kopierten Lohnschreiber mühsam Berichte für reiche Kaufleute und Adlige. Carolus realisierte, dass er durch den Einsatz von beweglichen Lettern die Produktionskosten senken und die Reichweite massiv erhöhen konnte. Sein Bittgesuch an den Rat der Stadt Straßburg aus dem Jahr 1605, in dem er um das Privileg für den Druck seiner Wochenzeitung bat, gilt heute als die Geburtsurkunde des Zeitungswesens. Er argumentierte damals sehr modern: Der Druck spare Zeit und verhindere Kopierfehler, die beim manuellen Abschreiben unumgänglich seien.
Die Relation erschien im sogenannten Quartformat, was etwa der Größe eines heutigen Notizbuches entspricht. Es gab keine Schlagzeilen, keine Fotos und keine Trennung zwischen Nachricht und Meinung. Die Berichte wurden chronologisch nach ihrem Eintreffen in der Druckerei sortiert. Wenn ein Postreiter aus Venedig verspätet eintraf, erschien die Meldung eben erst in der nächsten Ausgabe, unabhängig von ihrer politischen Relevanz. Die Druckauflage lag schätzungsweise bei nur 150 bis 200 Exemplaren, was für die damalige Zeit jedoch eine beachtliche logistische Leistung darstellte. Man muss sich klarmachen, dass Papier im 17. Jahrhundert ein extrem teures Gut war; oft machten die Materialkosten über 50 Prozent der gesamten Produktionsausgaben aus. Wer heute über die Preise von Qualitätszeitungen klagt, vergisst oft, dass eine einzige Ausgabe im Jahr 1605 für einen einfachen Handwerker nahezu unerschwinglich war.
Warum die Relation als erste echte Zeitung der Welt definiert wird
In der Kommunikationswissenschaft gibt es klare Kriterien, die ein Medium erfüllen muss, um als Zeitung zu gelten. Die Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien war das erste gedruckte Erzeugnis, das alle vier wesentlichen Merkmale vereinte: Periodizität, Publizität, Aktualität und Universalität. Periodizität bedeutet, dass das Blatt in regelmäßigen Abständen erscheint – bei Carolus war dies einmal pro Woche, meist am Donnerstag oder Freitag, pünktlich zur Ankunft der Post. Publizität meint die allgemeine Zugänglichkeit; jeder, der lesen konnte und das nötige Kleingeld besaß, konnte die Informationen konsumieren. Die Universalität beschreibt die inhaltliche Breite: Es ging nicht nur um lokale Klatschgeschichten, sondern um Politik, Kriege, diplomatische Missionen und Handelsnachrichten aus ganz Europa.
Ein entscheidender Faktor war die Transformation der "Neuen Zeitungen". Vor 1605 gab es zwar sogenannte Flugblätter oder Einblattdrucke, die über spektakuläre Einzelereignisse wie Kometenerscheinungen, Missgeburten oder gewonnene Schlachten berichteten. Diese waren jedoch Einmalpublikationen ohne inneren Zusammenhang. Carolus schuf eine Marke. Die Leser wussten, dass sie nächste Woche wieder informiert werden würden. Dieser psychologische Effekt der Erwartbarkeit legte den Grundstein für die heutige Medienbindung. Ich finde es faszinierend, dass sich an diesem Grundprinzip trotz Digitalisierung und Echtzeit-News in über 400 Jahren kaum etwas geändert hat. Die Strukturierung von Weltgeschehen in regelmäßige Häppchen ist eine kulturelle Errungenschaft, die erst durch die Straßburger Druckpresse möglich wurde.
Interessanterweise war die Sprache der ersten Zeitung ein frühes Neuhochdeutsch, das für heutige Leser zwar entzifferbar, aber durch seine verschachtelten Sätze und die damals noch nicht standardisierte Orthografie schwerfällig wirkt. Ein Satz konnte sich über eine halbe Seite erstrecken, gespickt mit lateinischen Lehnwörtern. Die Redaktion bestand im Wesentlichen aus Carolus selbst, der die eingehenden Briefe sichtete, kürzte und für den Satz vorbereitete. Er war Verleger, Redakteur und Vertriebsleiter in Personalunion – ein Geschäftsmodell, das heute unter dem Begriff "Solopreneur" wieder modern ist, damals aber schlicht bittere Notwendigkeit war.
Die Konkurrenz aus Wolfenbüttel: Avisa Relation oder Zeitung
Lange Zeit stritten Historiker darüber, wie heißt die erste Zeitung der Welt wirklich, denn es gab einen ernsthaften Konkurrenten: die Avisa Relation oder Zeitung. Diese erschien ab Januar 1609 in Wolfenbüttel. Bis zur Entdeckung des Straßburger Archivmaterials in den 1940er Jahren galt die Avisa oft als die älteste Zeitung. Heute wissen wir, dass sie "nur" die Nummer zwei ist, aber sie war in technischer Hinsicht oft sauberer gedruckt und verfügte über ein besseres Korrespondentennetz in den Norden und Osten Europas. Der Herausgeber der Avisa, vermutlich Lucas Schulte, legte großen Wert auf eine nüchterne Berichterstattung. Während Carolus in Straßburg oft Nachrichten aus dem Habsburger Reich und Frankreich priorisierte, bot die Avisa einen detaillierten Blick auf die Geschehnisse im Ostseeraum.
Der Wettbewerb zwischen Straßburg und Wolfenbüttel zeigt, dass der Bedarf an Informationen im frühen 17. Jahrhundert rasant wuchs. Es war die Zeit vor dem Dreißigjährigen Krieg. Die politische Anspannung in Europa war greifbar, und Kaufleute benötigten verlässliche Daten über Truppenbewegungen und Handelsblockaden, um ihre Waren sicher über den Kontinent zu leiten. Die Avisa unterschied sich optisch kaum von der Relation. Beide nutzten die Frakturschrift und verzichteten auf jegliche gestalterische Auflockerung. Ein moderner Leser würde diese Zeitungen wahrscheinlich nach drei Sekunden gelangweilt weglegen, da das Auge keinen Anhaltspunkt findet. Dennoch betrug die jährliche Wachstumsrate des Zeitungsmarktes in den ersten Jahrzehnten nach 1605 geschätzte 15 bis 20 Prozent, da immer mehr Städte eigene Blätter gründeten.
Ein kleiner Exkurs am Rande: Das Wort "Zeitung" bedeutete ursprünglich schlicht "Botschaft" oder "Nachricht". Wenn man im 15. Jahrhundert sagte, man habe eine gute Zeitung erhalten, meinte man damit keine gedruckte Gazette, sondern einfach eine Information. Erst durch die Titel der ersten periodischen Blätter wie der Avisa verfestigte sich der Begriff für das physische Medium. Es ist eine jener sprachlichen Entwicklungen, bei denen das Objekt den Namen seiner Funktion übernommen hat.
Von Einblattdrucken zu periodischen Nachrichten: Der technologische Wandel
Die Entstehung der ersten Zeitung wäre ohne die Vorarbeit von Johannes Gutenberg etwa 150 Jahre zuvor undenkbar gewesen. Doch warum dauerte es von der Erfindung des Buchdrucks um 1450 bis zur ersten Zeitung 1605 so lange? Die Antwort liegt in der Infrastruktur. Eine Zeitung benötigt nicht nur eine Druckpresse, sondern ein funktionierendes Postwesen. Erst als die Familie Thurn und Taxis im Auftrag der Kaiser ein verlässliches System von Poststationen und Reiterstafetten etablierte, konnten Nachrichten mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern pro Tag durch Europa transportiert werden. Ohne diese logistische Kette hätte Carolus keine Inhalte für seine wöchentliche Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien gehabt.
Technisch gesehen war der Zeitungsdruck Schwerstarbeit. Die Bleilettern mussten einzeln von Hand gesetzt werden. Ein geübter Setzer schaffte etwa 1.000 bis 1.500 Buchstaben pro Stunde. Für eine vierseitige Zeitung im Quartformat waren Tausende Handgriffe nötig. Nach dem Druck mussten die Bögen getrocknet werden, bevor sie gefaltet und versendet werden konnten. Die Pressefreiheit war damals ein völlig unbekanntes Konzept. Jeder Drucker benötigte eine obrigkeitliche Erlaubnis. In Straßburg überwachte der Magistrat peinlich genau, dass keine Nachrichten veröffentlicht wurden, die die diplomatischen Beziehungen der freien Reichsstadt gefährden könnten. Zensur war nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall. Wer gegen die Auflagen verstößte, riskierte die Konfiszierung seiner Presse oder sogar Festungshaft.
Trotz dieser Hürden war die Effizienz des Systems beeindruckend. Ein Bericht aus Rom brauchte im Sommer etwa 10 bis 12 Tage bis nach Straßburg, im Winter konnte es doppelt so lange dauern. Wenn man bedenkt, dass heute Informationen in Millisekunden um den Globus rasen, wirkt das langsam, aber im Vergleich zur vorherigen Ära, in der Nachrichten oft Monate brauchten, war es eine Revolution. Die erste Zeitung verkürzte die gefühlte Distanz zwischen den europäischen Metropolen massiv. Man könnte sagen, Carolus war der erste, der das "globale Dorf" auf Papier skizzierte, auch wenn dieses Dorf damals nur aus Europa und Teilen des Orients bestand.
Die ökonomische Realität frühneuzeitlicher Verleger
Wer glaubt, dass Johann Carolus mit der ersten Zeitung der Welt reich wurde, irrt gewaltig. Der Betrieb einer Druckerei war ein finanzieller Hochseilakt. Die Fixkosten für die Lettern, die Presse und die Miete der Räumlichkeiten waren enorm. Dazu kamen die variablen Kosten für das handgeschöpfte Papier aus Lumpen. Da es noch kein Anzeigengeschäft gab – Werbung tauchte erst Jahrzehnte später in nennenswertem Umfang auf –, war die Zeitung rein über den Verkaufspreis und Abonnements finanziert. Ein Jahresabonnement kostete oft mehrere Gulden, was den Wert von mehreren hundert Litern Bier oder einem kleinen Ochsen entsprach. Die Leserschaft war somit auf die Bildungselite und das wohlhabende Bürgertum beschränkt.
Ein interessanter Aspekt der frühen Zeitungsökonomie war das "Raubdruckertum". Sobald eine Zeitung in einer Stadt eintraf, wurde sie oft von lokalen Druckern nachgesetzt und unter eigenem Namen billiger verkauft. Urheberrecht existierte nicht. Carolus musste also ständig versuchen, schneller zu sein als seine Kopierer. Dieser Zeitdruck prägt die Branche bis heute. Die Nachrichtenproduktion war damals wie heute ein Verdrängungswettbewerb. Schätzungen zufolge überlebten nur etwa 30 Prozent der im 17. Jahrhundert gegründeten Zeitungen die ersten fünf Jahre. Dass sich die Relation über Jahrzehnte hielt, spricht für das unternehmerische Geschick von Carolus und die strategische Bedeutung Straßburgs als Nachrichtenknotenpunkt.
Die erste Zeitung hatte zudem mit einer geringen Alphabetisierungsrate zu kämpfen. In den Städten konnten zwar immer mehr Menschen lesen, auf dem Land lag die Quote jedoch oft unter 5 Prozent. Die Lösung war das Vorlesen. Eine einzige Zeitung wurde in Kaffeehäusern (die gerade erst aufkamen) oder Wirtshäusern laut vorgelesen, sodass ein Exemplar oft 20 bis 50 Zuhörer erreichte. Die effektive Reichweite der Relation war also um ein Vielfaches höher als die reine Verkaufszahl. Diese kollektive Medienrezeption sorgte dafür, dass politische Themen erstmals in breiten Schichten diskutiert wurden, was langfristig den Boden für die Aufklärung bereitete.
Zensur und Reichweite im 17. Jahrhundert
Die Frage "Wie heißt die erste Zeitung der Welt?" führt uns unweigerlich zur Frage der Kontrolle. Die Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien war kein freies Medium im modernen Sinne. Die Zensoren in Straßburg waren besonders empfindlich, wenn es um religiöse Konflikte ging. Da Straßburg eine protestantische Stadt in einer prekären Lage zwischen dem katholischen Frankreich und dem katholischen Kaiserhaus war, musste Carolus einen diplomatischen Eiertanz aufführen. Kritik am Kaiser oder am Papst konnte zur sofortigen Schließung der Druckerei führen. Daher zeichneten sich die frühen Zeitungen durch einen sehr neutralen, fast schon trockenen Protokollstil aus. Wertungen wurden meist vermieden oder so subtil verpackt, dass sie nur für Eingeweihte erkennbar waren.
Dennoch war die Wirkung der Zeitung subversiv. Allein durch die Tatsache, dass über verschiedene politische Systeme und Entscheidungen berichtet wurde, entstand eine Vergleichbarkeit. Die Untertanen begannen zu verstehen, dass Politik kein gottgegebenes Schicksal war, sondern das Ergebnis von Verhandlungen und Kriegen. Die Informationsfreiheit begann also paradoxerweise unter den Bedingungen der strengen Zensur. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die trockenen Auflistungen von Truppenbewegungen in der Relation das politische Bewusstsein der Bürger weckten. Manchmal ist die bloße Information mächtiger als jeder flammende Leitartikel.
Die Reichweite der ersten Zeitung erstreckte sich über das gesamte Rheintal bis nach Frankfurt und in die Schweiz. Straßburg war damals eines der wichtigsten Kommunikationszentren Europas. Durch die Lage am Fluss konnten die gedruckten Zeitungen relativ schnell per Schiff transportiert werden. Ein Schiff flussabwärts war oft schneller als ein Postreiter auf den schlammigen Straßen der Zeit. Die logistische Intelligenz, die hinter dem Vertrieb der ersten Zeitung steckte, wird oft unterschätzt. Carolus nutzte jede verfügbare Transportmöglichkeit, um seine "Wochenblätter" an den Mann zu bringen.
Häufige Irrtümer über die Entstehung der Presse
In vielen Köpfen spukt die Vorstellung herum, die "Acta Diurna" der Römer sei die erste Zeitung gewesen. Das ist fachlich falsch. Die Acta Diurna waren zwar tägliche Bekanntmachungen, die auf dem Forum Romanum ausgehängt wurden, aber sie waren weder gedruckt noch für eine breite Distribution vorgesehen. Es handelte sich um ein staatliches Verlautbarungsorgan, nicht um ein journalistisches Medium. Wer also fragt, wie heißt die erste Zeitung der Welt, und mit "Acta Diurna" antwortet, verwechselt eine Wandzeitung mit einem periodischen Druckmedium. Der entscheidende Unterschied liegt in der Vervielfältigungstechnik und dem privaten Unternehmertum.
Ein weiterer Mythos besagt, dass Zeitungen von Anfang an täglich erschienen. Tatsächlich dauerte es bis 1650, bis in Leipzig mit den Einkommenden Zeitungen die erste Tageszeitung der Welt erschien. Carolus und seine unmittelbaren Nachfolger hielten am Wochenrhythmus fest, weil die Post nicht öfter kam. Es hätte schlicht keinen Sinn ergeben, täglich ein Blatt zu drucken, wenn keine neuen Nachrichten eingetroffen waren. Die Frequenz der Zeitung war also direkt an die Geschwindigkeit der Pferde gekoppelt. Erst als sich die Postfrequenz erhöhte, konnten auch die Intervalle der Zeitungen kürzer werden.
Oft wird auch behauptet, die erste Zeitung sei in England oder Frankreich entstanden. Das ist ein Resultat der späteren Dominanz dieser Länder im 19. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation jedoch der absolute Vorreiter in Sachen Presse. Nirgendwo sonst gab es so viele freie Städte und so einen regen Austausch von Informationen. Deutschland war das "Silicon Valley" der frühneuzeitlichen Medienwelt. Dass die Relation in Straßburg erschien, war kein Zufall, sondern das Ergebnis einer einzigartigen Kombination aus Handwerkstradition, Handelswegen und politischer Struktur.
FAQ: Wissenswertes zur ersten Zeitung der Welt
Wie heißt die erste Zeitung der Welt und wer hat sie erfunden?
Die erste Zeitung der Welt heißt Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien. Sie wurde von Johann Carolus im Jahr 1605 in Straßburg gegründet. Carolus wandelte seine zuvor handgeschriebenen Nachrichtenbriefe in ein gedrucktes Wochenblatt um, um die Produktion effizienter zu gestalten.
Was war der Unterschied zwischen der Relation und der Avisa?
Während die Relation 1605 in Straßburg startete, erschien die Avisa Relation oder Zeitung erst 1609 in Wolfenbüttel. Die Relation gilt heute als die erste echte Zeitung, da sie die Kriterien der Periodizität und Publizität bereits vier Jahre früher erfüllte. Beide Blätter ähnelten sich jedoch in Format und inhaltlicher Ausrichtung sehr stark.
Wie teuer war die erste Zeitung und wer konnte sie lesen?
Ein Exemplar der ersten Zeitung war im Vergleich zum Einkommen der breiten Bevölkerung sehr teuer. Die Kosten für ein Jahresabonnement entsprachen oft dem Monatslohn eines Facharbeiters. Daher gehörten vor allem Kaufleute, Gelehrte, Adlige und hohe Beamte zur Leserschaft. In öffentlichen Gastäusern wurden die Exemplare jedoch oft laut vorgelesen, was die Reichweite erhöhte.
Fazit: Das Erbe von Johann Carolus
Die Geschichte der Relation aller Fürnemmen und gedenckwürdigen Historien ist mehr als nur eine bibliografische Randnotiz. Sie markiert den Moment, in dem Information zu einer Ware und gleichzeitig zu einem öffentlichen Gut wurde. Johann Carolus hat mit seiner Innovation in Straßburg eine Entwicklung angestoßen, die über die Aufklärung bis hin zur heutigen Informationsgesellschaft führt. Wenn wir heute fragen, wie heißt die erste Zeitung der Welt, dann erinnern wir uns an den Mut eines Druckers, der das Risiko einging, die Welt jede Woche aufs Neue zu erklären. Trotz Zensur, hoher Papierpreise und logistischer Alpträume schuf er ein Format, das vier Jahrhunderte lang das wichtigste Medium der Menschheit bleiben sollte. Die Relation war der Prototyp für alles, was wir heute unter Journalismus verstehen: das Sammeln, Filtern und Verbreiten von Nachrichten für eine breite Öffentlichkeit. Ohne die Pionierarbeit von 1605 wäre unsere moderne Demokratie, die massiv auf informierte Bürger angewiesen ist, kaum vorstellbar.

