Was spürt man eigentlich, wenn das Herz nicht im Takt schlägt?
Ich denke, das Schwierigste am Anfang ist die Unterscheidung zwischen normaler Aufregung und einem echten Problem. Viele Menschen, so habe ich das Gefühl, erleben sogenannte Palpitationen, also Herzklopfen, einfach nur, weil sie zu viel Kaffee getrunken haben oder gerade einen Stressmoment durchleben. Das ist oft harmlos, aber wenn es anders ist, muss man genauer hinsehen.
Manche spüren ein deutliches Aussetzen, so als würde das Herz kurz den Atem anhalten, bevor es mit einem kräftigen Schlag zurückkommt – das sind oft die sogenannten Extrasystolen. Andere beschreiben es als rasendes Rennen, ein Gefühl, als würde der Puls auf 150 oder mehr schießen, ohne dass man sich körperlich angestrengt hat. Und dann gibt es die fiesen, subtilen Symptome, die man leicht ignoriert, wie unerklärliche Müdigkeit oder plötzlich auftretender Schwindel, der wirklich beunruhigend sein kann.
Ich habe mal einen Patienten getroffen, der meinte, er würde das Stolpern immer nur morgens beim Aufwachen spüren, wenn er zur Ruhe kam. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie variabel diese Symptome sein können. Es geht nicht nur um die Intensität, sondern auch um die Regelmäßigkeit und die Begleiterscheinungen.
Der erste Weg zur Diagnose: EKG vs. Langzeit-EKG
Wenn Sie beim Hausarzt sitzen und erzählen, dass Ihr Herz manchmal verrücktspielt, wird die erste Maßnahme fast immer ein Standard-EKG sein. Das ist schnell gemacht, dauert nur ein paar Minuten, klebt ein paar Elektroden an und fertig. Das Problem dabei, und das ist wichtig zu verstehen, ist, dass Herzrhythmusstörungen oft nur sporadisch auftreten. Wenn Sie Glück haben, erwischt das EKG genau den Moment, in dem das Herz stolpert, und der Arzt sieht den Beweis schwarz auf weiß.
Wenn das Ruhe-EKG aber völlig normal ist – was, glauben Sie mir, sehr oft vorkommt, wenn die Symptome nur einmal die Woche auftreten –, dann muss man die Ursache anders finden. Hier kommt das Langzeit-EKG ins Spiel, oft auch Holter-Monitor genannt. Das ist ein kleines Gerät, das Sie für 24 Stunden, 48 Stunden oder manchmal sogar sieben Tage lang tragen müssen. Ich finde diesen Test genial, weil er den Alltag aufzeichnet.
Der Kardiologe bittet Sie dann, ein kleines Protokoll zu führen. Wenn Sie also wieder dieses komische Gefühl haben, notieren Sie die Uhrzeit und was Sie gerade getan haben. Später kann der Arzt die EKG-Aufzeichnung genau mit Ihrem Protokoll abgleichen. So kann man oft die Auslöser identifizieren, sei es Kaffee, bestimmte Bewegungen oder einfach nur Ruhephasen.
Was ist mit Ereignisrekordern und Implantaten?
Für wirklich seltene Ereignisse, vielleicht nur einmal im Monat, reicht selbst das einwöchige Langzeit-EKG nicht aus. Dann kommen Ereignisrekorder zum Einsatz. Das sind entweder externe Geräte, die Sie nur dann einschalten, wenn Sie Symptome spüren, oder, und das ist schon invasiver, ein kleiner Loop-Recorder, der unter die Haut implantiert wird und monatelang oder sogar Jahre lang Daten sammelt. Das ist natürlich ein größerer Schritt, aber wenn der Verdacht auf eine ernste, seltene Störung besteht, ist es manchmal notwendig, um Klarheit zu gewinnen.
Die Rolle von Fitness-Trackern und Smartwatches bei der Feststellung
Ich muss gestehen, ich bin da zwiegespalten. Mein Handy und meine Smartwatch messen ständig meinen Puls, und ja, sie warnen mich, wenn der Puls zu hoch oder zu niedrig ist oder wenn sie Anzeichen für Vorhofflimmern erkennen. Das ist super, weil es uns überhaupt erst aufmerksam macht. Ich habe durch so eine App schon Freunde darauf hingewiesen, dass sie mal zum Arzt gehen sollten, weil die App konstant Unregelmäßigkeiten meldete.
Aber hier ist der Haken: Die meisten dieser Consumer-Geräte sind nicht für die medizinische Diagnose zugelassen. Sie sind gut darin, Alarme auszulösen, die Sie dann zum Arzt treiben. Sie können aber keine definitive Diagnose stellen. Wenn Ihre Uhr meldet: "Mögliche Arrhythmie erkannt", dann ist das ein starker Hinweis, aber es ist kein ärztliches Urteil. Ich denke, man muss diese Daten immer als Anstoß sehen, nicht als Endergebnis.
Häufige Fehler, die man bei der Selbstbeobachtung vermeiden sollte
Ein häufiger Fehler, den ich immer wieder sehe, ist die Überinterpretation von harmlosen Dingen. Jeder hat ab und zu eine Extrasystole, das sind quasi "Fehlzündungen" des Herzens. Wenn man sich einmal darauf fixiert hat, die eigenen Herzschläge zu zählen, nimmt man jedes kleine Stolpern wahr, das man vorher ignoriert hätte. Das führt unnötig zu Angst.
Ein weiterer Punkt, der oft falsch interpretiert wird, ist die Reaktion auf Angst selbst. Angst und Panikattacken können Herzrasen auslösen, das sich exakt wie eine tachykarde Herzrhythmusstörung anfühlt. Wenn Sie also zum ersten Mal so etwas erleben, ist es wichtig, das einmal ärztlich abklären zu lassen, um sicherzugehen, dass es kein körperliches Problem ist, bevor man es rein psychologisch einordnet.
Man sollte auch nicht eigenmächtig Medikamente absetzen oder verändern, nur weil man glaubt, die Symptome zu kennen. Viele Herzmedikamente selbst können den Rhythmus beeinflussen, und das ist kein Spielplatz für Laien. Vertrauen Sie auf die Diagnostik, wenn die Symptome wiederkehren.
Wann ist es wirklich dringend und ich muss nicht warten?
Obwohl viele Herzrhythmusstörungen gutartig sind, gibt es klare Warnsignale, bei denen man sofort handeln sollte. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Herz stolpert oder rast und Sie gleichzeitig starke Schmerzen in der Brust bekommen, die vielleicht in den Arm oder Kiefer ausstrahlen – das ist ein absoluter Notfall, rufen Sie den Rettungsdienst. Das ist nicht die Zeit für einen Arzttermin nächste Woche.
Auch wenn die Symptome zwar nicht schmerzhaft sind, aber mit wiederholten, unerklärlichen Ohnmachtsanfällen (Synkopen) einhergehen, sollten Sie nicht zögern. Eine Ohnmacht bedeutet, dass Ihr Gehirn kurzzeitig nicht ausreichend durchblutet wurde, und das deutet auf eine potenziell gefährliche Störung der Herzfrequenz hin. Wenn Sie also das nächste Mal das Gefühl haben, wegzudriften, fahren Sie bitte nicht selbst Auto, sondern suchen Sie sofort Hilfe auf.
Nach der Feststellung: Was passiert dann mit dem Wissen?
Wenn die Diagnose dann feststeht – sei es eine harmlose, aber störende Extrasystolie oder eine behandlungsbedürftige Vorhofarrhythmie –, dann beginnt erst der Weg zur Linderung. Der Kardiologe wird Ihnen erklären, welche Art von Störung vorliegt und welche Optionen es gibt. Manchmal reicht es, den Lebensstil anzupassen, also Kaffee zu reduzieren oder mehr auf Schlaf zu achten.
In anderen Fällen kann eine medikamentöse Therapie notwendig sein, um die Frequenz zu kontrollieren oder den Rhythmus zu stabilisieren. Und bei bestimmten Formen, wie dem Vorhofflimmern, kann eine sogenannte Katheterablation, ein minimalinvasiver Eingriff, sehr hilfreich sein, um die störenden elektrischen Impulse im Herzen zu unterbinden. Es ist wichtig, sich nicht von der Diagnose entmutigen zu lassen; heutzutage gibt es für fast jede Herzrhythmusstörung eine passende Strategie.
Letztendlich ist der Schlüssel, um festzustellen, ob Sie Herzrhythmusstörungen haben, immer die Kombination aus Ihrer eigenen Aufmerksamkeit für Ihren Körper und der professionellen, apparativen Diagnostik. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl, aber verlassen Sie sich bei der endgültigen Antwort immer auf das EKG.

