Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Durchführung
Um optimale Ergebnisse zu erzielen und das Dammgewebe bestmöglich auf die bevorstehende Dehnung vorzubereiten, ist eine korrekte Technik von großer Bedeutung. Hebammen empfehlen, die Massage etwa drei- bis viermal pro Woche für jeweils fünf bis zehn Minuten durchzuführen.
Die optimale Vorbereitung
Bevor Sie mit der eigentlichen Massage beginnen, sollten einige hygienische und entspannende Vorkehrungen getroffen werden:
Hände gründlich waschen: Da die Finger im Intimbereich zum Einsatz kommen, ist absolute Sauberkeit oberstes Gebot. Die Fingernägel sollten zudem kurz und glatt gefeilt sein, um Verletzungen des empfindlichen Gewebes zu vermeiden.
Gewebe erwärmen: Eine vorherige Entspannung des Beckenbodens erleichtert die Massage ungemein. Ein warmes Bad, eine warme Dusche oder eine feuchtwarme Kompresse auf dem Dammbereich öffnen die Poren, fördern die lokale Durchblutung und machen das Gewebe geschmeidiger.
Das richtige Öl verwenden: Nutzen Sie ein reines, natürliches Pflanzenöl ohne künstliche Duft- oder Konservierungsstoffe.
Spezielle Dammmassageöle (oft auf Basis von Mandel- oder Weizenkeimöl) sind in Apotheken, Drogerien oder Bioläden erhältlich und pflegen die Haut optimal.
Die Durchführung in der Praxis
Nehmen Sie eine bequeme Position ein – viele Frauen bevorzugen es, sich entspannt zurückzulehnen, ein Bein auf den Badewannenrand oder das Bett zu stellen, oder die Massage in der Hocke auszuführen.
Öl auftragen: Geben Sie einige Tropfen des Öls auf Ihre Daumen und verteilen Sie es großzügig auf dem Damm sowie im äußeren Scheidenbereich.
Einführen des Daumens: Führen Sie den Daumen (oder alternativ den Zeigefinger, je nachdem, was anatomisch angenehmer ist) etwa zwei bis drei Zentimeter tief in die Vagina ein.
Druck ausüben: Üben Sie mit dem eingeführten Daumen einen sanften, gleichmäßigen Druck nach unten in Richtung Anus sowie zu den Seiten (auf die Positionen von fünf und sieben Uhr bezogen auf ein Zifferblatt) aus.
U-förmige Bewegungen: Ziehen Sie den Daumen – während Sie den Druck aufrechterhalten – in einer sanften, halbmondförmigen oder U-förmigen Bewegung von einer Seite zur anderen.
Das Gewebe soll dabei spürbar gedehnt werden.
Wichtig: Ein leichtes Ziehen oder ein intensives Dehnungsgefühl sind völlig normal und erwünscht. Die Massage darf jedoch niemals schmerzhaft sein.
Sollten Schmerzen auftreten, reduzieren Sie den Druck sofort.
Einbindung des Partners: Ja oder Nein?
Die Frage, ob der Partner oder die Partnerin in die Dammmassage einbezogen werden sollte, ist sehr individuell. Beide Wege bieten Vor- und Nachteile, die jede Schwangere für sich selbst abwägen muss.
Vorteile der Partnermassage
Bessere Erreichbarkeit: Gegen Ende der Schwangerschaft schränkt der wachsende Bauch die Beweglichkeit stark ein. Die Massage in Eigenregie wird dadurch oft zu einer körperlichen Verrenkung.
Gemeinsame Vorbereitung: Viele Paare empfinden es als bereichernd, den Partner aktiv in die Geburtsvorbereitung einzubinden. Es schafft eine intime Verbindung und nimmt dem Partner das Gefühl, während der Geburt nur passiver Zuschauer zu sein.
Entlastung: Die Schwangere kann sich komplett entspannen, während die andere Person die feinfühlige Dehnung übernimmt.
Gründe für die Eigenmassage
Volle Selbstkontrolle: Niemand spürt den Schmerz- und Dehnbeschwerdegrad so exakt wie Sie selbst. Bei der Eigenmassage haben Sie die Intensität und das Tempo zu hundert Prozent in der eigenen Hand.
Hemmungen abbauen: Manche Frauen empfinden es als unangenehm oder schamhaft, den veränderten Intimbereich in dieser Phase aktiv von außen massieren zu lassen. Hier ist der Druck durch die Eigenregie oft geringer.
Mögliche Risiken und wann Vorsicht geboten ist
Obwohl die Dammmassage eine etablierte und natürliche Methode zur Geburtsvorbereitung darstellt, gibt es klare medizinische Grenzen. In bestimmten Situationen sollte unbedingt auf die Massage verzichtet oder vorab Rücksprache mit der Frauenärztin oder der betreuenden Hebamme gehalten werden:
Vorzeitige Wehen: Zeigt der Uterus eine vorzeitige Wehentätigkeit oder besteht ein erhöhtes Risiko für eine Frühgeburt, sollte die Dammmassage keinesfalls durchgeführt werden, da mechanische Reize im Vaginalbereich kontraproduktiv sein können.
Infektionen und Entzündungen: Bei akuten Pilzinfektionen, bakteriellen Vaginosen, Herpes-Läsionen oder Entzündungen im Scheiden- und Dammbereich ist von der Massage dringend abzuraten, da Erreger tiefer verschleppt werden können und das gereizte Gewebe Schaden nimmt.
Placenta praevia: Liegt der Mutterkuchen tief oder vor dem Muttermund, verbieten sich Manipulationen im inneren Bereich meist komplett.
Krampfadern im Intimbereich: Haben sich in der Schwangerschaft Varizen (Krampfadern) im Vulva- oder Dammbereich gebildet, kann Druck zu Verletzungen und starken Blutungen führen. Hier muss die Hebamme grünes Licht geben.
Fazit: Sanfte Vorbereitung ohne Leistungsdruck
Die Dammmassage ab der 34. Schwangerschaftswoche ist ein wunderbares, wissenschaftlich und hebammenkundlich bewährtes Werkzeug, um das Gewebe auf die enorme Dehnung bei der Geburt vorzubereiten, die Durchblutung anzuregen und das eigene Körperbewusstsein zu stärken.
Dennoch gilt der wichtigste Grundsatz in der Schwangerschaft: Kein Druck und kein Perfektionismus! Wenn Sie die Massage als unangenehm empfinden, sie schlichtweg vergessen oder aufgrund von Erschöpfung auslassen, ist das kein Beinbruch. Jede Schwangerschaft verläuft individuell, und Ihr Körper ist ohnehin auf Höchstleistungen programmiert. Besprechen Sie offene Fragen am besten direkt bei Ihrer nächsten Vorsorgeuntersuchung oder im Rahmen der Geburtsvorbereitung mit Ihrer Hebamme, um einen sicheren und passenden Weg für Sie zu finden.
Haben Sie bereits begonnen, sich und Ihren Körper mit gezielten Übungen auf die Entbindung vorzubereiten, oder überlegen Sie noch, welche Methoden für Sie am besten infrage kommen?
