Wann beginnt die Saison überhaupt und welche Sorten sind die Langläufer?
Der Startpunkt ist oft schon im Juni, wenn man früh genug vorgezogen hat, aber die eigentliche Hochsaison, in der die Pflanzen richtig Gas geben, beginnt meistens, sobald die Nächte konstant warm sind, also oft erst Anfang Juli. Was die Dauer angeht, da trenne ich immer strikt zwischen den sogenannten determinierten und den indeterminierten Sorten.
Die Determinierten, die oft für den Freilandanbau gedacht sind, geben ihr Erntegut relativ kompakt ab. Das ist praktisch, wenn man Platz braucht, aber es verkürzt die Gesamtzeit. Ich persönlich schwöre auf die Indeterminierten, also die Stabtomaten, die immer weiterwachsen, solange man sie lässt. Die können Sie wochenlang immer wieder beernten, weil sie ständig neue Blüten bilden, solange die Temperaturen stimmen und sie nicht durch Krankheiten gestresst werden.
Haben Sie zum Beispiel eine 'Moneymaker' oder eine alte Fleischtomate, die hoch hinaus will, dann ist die Laufzeit prinzipiell unbegrenzt, solange Sie die Spitze nicht kappen und die Pflanze gesund bleibt. Ich habe bemerkt, dass Sorten mit einer eher langen Reifezeit, die man eh erst spät im Sommer erntet, oft auch länger durchhalten, weil sie robuster gegen die ersten Herbstschwankungen sind.
Temperaturmanagement: Der Schlüssel zur Verlängerung der Erntezeit
Das Glashaus ist Ihr größter Vorteil, aber es ist auch Ihre größte Verantwortung. Die Tomate ist eine Sonnenanbeterin, aber noch wichtiger als die Tagestemperatur ist die Nachttemperatur. Wenn die Temperatur nachts dauerhaft unter 12 Grad Celsius fällt, stellen die Pflanzen die Fruchtbildung fast komplett ein, und das ist der eigentliche Bremsklotz für die lange Ernte.
Wenn Sie also bis in den November hinein Tomaten ernten wollen, müssen Sie anfangen, im September oder Oktober aktiv zu heizen. Das ist der Punkt, wo viele Hobbygärtner aufgeben, weil die Heizkosten explodieren. Ich meine, es macht nur Sinn, wenn die Pflanzen noch massiv tragen. Wenn Sie nur noch ein paar mickrige Früchte pro Woche bekommen, aber 5 Euro pro Nacht für Gas ausgeben, dann ist die Rechnung schnell negativ.
Ein weiterer wichtiger Punkt, den man oft vergisst, ist die Belüftung. Im Spätsommer, wenn die Sonne noch stark scheint, aber die Luftfeuchtigkeit steigt, muss man extrem aufpassen. Zu hohe Luftfeuchtigkeit in Kombination mit kühlen Nächten ist der perfekte Nährboden für Kraut- und Braunfäule, und wenn die einmal drin ist, ist die gesamte Erntesaison schlagartig vorbei, egal wie warm es ist.
Lichtmangel im Spätherbst: Was tun, wenn die Sonne nachlässt?
Im Oktober und November wird es selbst im Gewächshaus merklich dunkler. Die Photosyntheseleistung sinkt drastisch, und die Früchte, die dann noch an der Pflanze hängen, reifen nur noch sehr langsam nach. Das ist der Grund, warum viele Gärtner im Herbst einen Schnitt machen und die Pflanzen komplett entfernen.
Wenn Sie wirklich das Maximum herausholen wollen, müssten Sie über eine Zusatzbeleuchtung nachdenken, was für den Hausgebrauch meist unrealistisch ist. Alternativ, und das ist mein Tipp, konzentrieren Sie sich darauf, nur noch die Früchte reifen zu lassen, die schon eine anständige Größe erreicht haben. Die kleinen grünen, die erst im September angesetzt wurden, werden sowieso nichts Gescheites mehr, wenn das Licht fehlt. Schneiden Sie die Spitzen und die neuen Blütenansätze ab, um die Energie in die vorhandenen Früchte zu lenken. Das beschleunigt die Reifung der letzten Ladung.
Krankheiten und Schädlinge: Die natürlichen Endpunkte der Ernte
Selbst wenn Sie heizen und lüften, gibt es natürliche Feinde, die die Lebensdauer Ihrer Tomatenpflanzen abrupt beenden können. Der klassische Feind ist die bereits erwähnte Kraut- und Braunfäule, die sich durch die feuchte Herbstluft schnell ausbreitet. Wenn Sie das sehen, müssen Sie handeln, und zwar schnell, sonst ist die ganze Pflanze innerhalb weniger Tage braun und tot.
Ich habe einmal den Fehler gemacht, zu lange zu warten, weil die Tomaten so schön aussahen. Ich dachte, ich kann die letzte Kiste noch retten. Falsch gedacht. Die Fäulnis sprang über, und ich musste alles rausreißen, bevor es sich auf die wenigen verbliebenen Pflanzen ausbreitete. Das ist ein harter Schnitt, der die Erntezeit abrupt beendet, oft schon Mitte November.
Auch der Weiße Fliege kann im Herbst, wenn die Belüftung reduziert wird, schnell überhandnehmen, was die Pflanzen schwächt und die Erntequalität mindert. Man muss also rigoros pflegen und regelmäßig die Unterseiten der Blätter kontrollieren, besonders wenn die Tage kürzer werden.
Der ultimative Stichtag: Wann macht es ökonomisch keinen Sinn mehr?
Letztendlich müssen Sie sich fragen: Wie lange ist es sinnvoll, den Aufwand zu betreiben? Die meisten professionellen Gärtner, die nicht auf biologische Spezialitäten setzen, fahren ihre Gewächshäuser spätestens Ende November herunter. Der Grund ist einfach die Energiebilanz. Die Kosten für die Aufrechterhaltung der optimalen Temperatur von 16 bis 18 Grad Celsius in der Nacht, wenn draußen Minusgrade herrschen, fressen den Ertrag auf.
Meine persönliche Grenze ziehe ich, wenn die Tageslichtstunden so gering sind, dass die Pflanzen kaum noch Energie produzieren können, selbst wenn ich sie warm halte. Wenn Sie nur noch 10 bis 15 Früchte pro Woche ernten können, aber dafür täglich heizen müssen, dann ist es Zeit, die Pflanzen zurückzuschneiden, die restlichen grünen Tomaten ins Haus zu holen, damit sie drinnen nachreifen, und das Gewächshaus für die Überwinterung vorzubereiten.
Also, um die Frage zusammenzufassen: Wie lange kann man Tomaten im Gewächshaus ernten? Wenn Sie bereit sind, zu heizen und Krankheiten aggressiv zu bekämpfen, sind vier bis fünf Monate Erntezeit realistisch, von Juli bis Dezember. Aber es ist ein aktiver Kampf gegen die Natur, kein Selbstläufer.

