Wie viele Marder sind wirklich noch in der Truppe?
Wenn man die Schlagzeilen liest, könnte man meinen, Deutschland hätte alle seine Schützenpanzer abgegeben. Das stimmt so nicht ganz, aber die Zahlen sind ernüchternd, wenn man sie mit der Situation vor 2022 vergleicht. Vor dem russischen Angriffskrieg sprachen Experten von etwa 350 bis 400 potenziell nutzbaren Marder-Einheiten, die theoretisch in den Depots lagen. Aber hier kommt der erste Haken, den viele vergessen: Nur weil ein Fahrzeug im Inventar steht, heißt das nicht, dass es sofort losfahren kann. Die Wartungsrückstände waren schon immer ein endemisches Problem.
Ich habe neulich gelesen, dass die Bundeswehr nach den ersten großen Tranchen an Kiew nur noch knapp über 200 Einheiten für eigene Übungszwecke behalten hat, wobei ein erheblicher Teil davon – manche schätzen bis zu 40 Prozent – erstmal wieder instandgesetzt werden musste, bevor sie überhaupt wieder auf dem Übungsplatz auftauchen konnten. Das ist ein ziemlicher Unterschied, wenn man bedenkt, wie viele Bataillone theoretisch diesen Panzer als Rückgrat benötigen. Es ist ein ständiges Abwägen, was man geben kann und was man für die eigene Landesverteidigung unbedingt behalten muss, eine Zwickmühle, die ich als Außenstehender nur schwer beurteilen kann.
Die Definition von "Einsatzbereit"
Was bedeutet es überhaupt, wenn die Bundeswehr sagt, sie hat noch Marder? Oftmals bedeutet es, dass sie in einem Zustand sind, der nach intensiver, zeitaufwendiger und teurer Nacharbeit wieder den vollen operativen Standard erreicht. Das ist der Unterschied zwischen dem theoretischen Bestand und dem, was wirklich auf Knopfdruck verfügbar ist. Ich denke, genau diese mangelnde Transparenz bei den Verfügbarkeitsquoten führt zu so viel Verwirrung in der öffentlichen Diskussion.
Der große Aderlass: Was die Ukraine-Hilfe mit dem Bestand macht
Die Unterstützung der Ukraine mit dem Marder war politisch und moralisch richtig, keine Frage. Aber es hat natürlich eine direkte Auswirkung auf unsere eigenen Kapazitäten, und das müssen wir ehrlich benennen. Die Entscheidung, Fahrzeuge aus dem aktiven Bestand oder aus dem Materialpool der Industrie zu ziehen, hat Lücken gerissen, die nicht sofort gefüllt werden können.
Man muss sich vor Augen führen, dass der Marder ein erprobter Veteran ist, der seit den 1970ern im Dienst ist. Man kann ihn nicht einfach durch einen neuen ersetzen, der gerade erst aus dem Werk rollt – das ist ja das Problem mit dem Puma. Die Industrie arbeitet auf Hochtouren, um die Lücken zu schließen, aber diese Prozesse dauern. Ich habe den Eindruck, dass die Beschaffungsbürokratie manchmal langsamer arbeitet, als die geopolitische Realität es erfordert. Es ist frustrierend zuzusehen, wie ein bewährtes System aufgebraucht wird, ohne dass der Nachfolger schon in ausreichender Stückzahl bereitsteht.
Ist der Puma der würdige Nachfolger, oder hinken wir hinterher?
Der Schützenpanzer Puma ist technisch gesehen ein Quantensprung im Vergleich zum Marder. Er ist digitalisierter, besser gepanzert und verfügt über modernere Systeme. Aber, und das ist ein großes "Aber", er ist auch notorisch kompliziert und war in seinen Anfangsjahren von Kinderkrankheiten geplagt. Ich erinnere mich noch gut an die Berichte über die mangelnde Zuverlässigkeit der Elektronik.
Der Marder hingegen, so alt er auch ist, ist ein Arbeitstier. Er funktioniert, er ist robust, und die Mechaniker wissen nach Jahrzehnten genau, wie man ihn repariert, oft auch mit Bordmitteln oder in Feldwerkstätten. Wenn ich ehrlich bin, würde ich mir wünschen, dass wir den Marder länger als Übergangslösung hätten behalten, um den Puma in Ruhe "kinderkrankheitsfrei" hochfahren zu können. Der Puma soll ja irgendwann die 350er-Marke erreichen, aber diese Transformation dauert eben ihre Zeit. Das ist kein einfacher Austausch, das ist ein Generationswechsel unter Hochdruck.
Das ewige Problem: Ersatzteile und die Wartungsfalle
Hier liegt, glaube ich, der Kern der aktuellen Verfügbarkeitsproblematik, und das hat wenig mit dem Krieg in Osteuropa zu tun, sondern mit jahrzehntelanger Vernachlässigung der Instandsetzungsketten. Wenn ein Bauteil im Marder kaputt geht, das seit 20 Jahren nicht mehr serienmäßig produziert wird, dann wird es plötzlich extrem schwer, das Ersatzteil zu beschaffen. Die Industrie hat die Fertigungslinien für viele ältere Komponenten längst stillgelegt, weil der Bedarf der Bundeswehr über Jahre hinweg als gering eingeschätzt wurde.
Ich habe gehört, dass man jetzt versucht, alte Lieferanten wiederzubeleben oder sogar neue, kleine Fertigungen aufzulegen, was natürlich immense Kosten verursacht und Zeit kostet. Das ist, finde ich, ein klassisches Beispiel dafür, wie der Fokus auf die Beschaffung neuer Systeme oft dazu führt, dass die Lebensdauer älterer, aber noch wichtiger Systeme vernachlässigt wird. Man muss die Wartung als integralen Bestandteil der Verteidigungsfähigkeit sehen, nicht als optionalen Kostenfaktor.
Was die Politik plant: Neue Beschaffungen und die Zeitachse
Die Bundesregierung hat reagiert, natürlich. Es gibt Programme, um die Lücken zu schließen, sowohl beim Marder (durch Modernisierung und das Zurückholen von Einheiten aus der Reserve) als auch beim Puma-Hochlauf. Konkret geht es darum, die Stückzahlen des Puma aufzustocken und gleichzeitig die Lebensdauer des Marders durch gezielte Upgrades zu verlängern, damit er noch bis in die späten 2030er Jahre durchhalten kann, falls nötig.
Das größte Problem ist die Zeit. Selbst wenn heute ein neuer Vertrag über 100 Puma unterzeichnet würde, vergehen Jahre, bis diese beim Truppenübungsplatz ankommen und die Soldaten darin ausgebildet sind. Deshalb ist die kurzfristige Strategie entscheidend: Wie viele Marder können wir aus dem Bestand zurückholen, wie schnell können wir die Ersatzteilversorgung sicherstellen? Ich bin da vorsichtig optimistisch, aber ich glaube, wir werden die nächsten fünf Jahre noch eine sehr gemischte Flotte sehen, in der der Marder, trotz seines Alters, eine tragende Rolle spielen muss.
Was bedeutet das für die Ausbildung der Soldaten heute?
Für die jungen Soldaten, die heute anfangen, ist das eine Herausforderung. Sie müssen sich auf ein System einstellen, das vielleicht nicht immer die neueste Technik bietet, aber absolute Verlässlichkeit zeigen muss. Wenn ich mit jungen Offizieren spreche, merke ich, dass sie Respekt vor der Robustheit des Marder haben, aber auch den Wunsch nach moderner Sensorik verspüren, die der Puma bietet.
Die Ausbildung muss flexibel sein. Man trainiert vielleicht auf einem Marder, wird aber später vielleicht auf einem Puma eingesetzt, oder umgekehrt, wenn Fahrzeuge zwischen Einheiten verschoben werden müssen. Es erfordert von den Technikern ein breiteres Wissen als früher. Ich denke, diese Phase zwingt die Bundeswehr dazu, wieder mehr Wert auf die "klassische" Mechanik und Instandsetzung zu legen, was vielleicht gar nicht so schlecht ist, um nicht nur auf Software-Updates angewiesen zu sein.
Zusammenfassend lässt sich also sagen: Ja, es sind noch Marder vorhanden, aber die Verfügbarkeit für die eigene Truppe ist angespannt, weil viele Fahrzeuge entweder nach Osteuropa gingen oder lange Warteschlangen hatten. Die Zukunft gehört dem Puma, aber der Marder wird uns noch eine Weile begleiten müssen, ob wir wollen oder nicht. Es ist eine Zeit des Übergangs, und Übergänge sind selten reibungslos, das sehen wir ja überall.

