Der optische Betrug: Warum wir die wahre Größe jahrelang ignoriert haben
Es ist schon faszinierend, wie das menschliche Gehirn sich austricksen lässt, wenn die Referenzpunkte fehlen. Im Teletubbyland gab es keine Autos, keine normalen Häuser und keine anderen Menschen, an denen man die Proportionen hätte messen können. Alles, was wir sahen, war grünes Gras, ein paar Blumen und ein Staubsauger namens Noo-Noo. Doch genau hier liegt der Hund begraben. Die Hügel von Warwickshire, wo die Serie gedreht wurde, waren in Wirklichkeit ein riesiges Außengelände, das speziell präpariert wurde, um den Maßstab zu verzerren. Ich bin überzeugt, dass diese bewusste Desorientierung einen großen Teil des surrealen Charmes der Serie ausmachte, auch wenn es für die Schauspieler in den Kostümen alles andere als charmant war.
Wenn man sich heute die alten Aufnahmen ansieht, erkennt man es an den Bewegungen. Ein Wesen von drei Metern Höhe bewegt sich träger, die Masse muss erst einmal in Schwung gebracht werden. Aber weil die Bildrate und die Umgebung so perfekt aufeinander abgestimmt waren, wirkte Po, die Kleinste im Bunde, wie ein quirliges Kleinkind. In Wahrheit war Po mit ihren 1,98 Metern immer noch größer als fast jeder Profi-Basketballer, den Sie heute in der NBA finden würden. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Stellen Sie sich vor, Po würde in Ihrem Wohnzimmer stehen; sie müsste den Kopf einziehen, um nicht gegen die Decke zu stoßen.
Die nackten Zahlen: Wer ist wie groß im Teletubbyland?
Um die Dimensionen wirklich zu begreifen, müssen wir uns die offiziellen Daten von Ragdoll Productions ansehen. Die Unterschiede zwischen den Charakteren waren bewusst gewählt, um eine Art Geschwister-Hierarchie zu simulieren. Aber diese Hierarchie fand auf einem Niveau statt, das jenseits von Gut und Böse liegt.
Tinky Winky: Der lila Turm
Tinky Winky, der älteste und größte der Gruppe, brachte es auf satte 3,05 Meter. Wenn er seine rote Tasche schwang, war das nicht nur ein süßes Accessoire, sondern ein Objekt, das in etwa die Größe eines Reisekoffers für einen zweiwöchigen Übersee-Urlaub hatte. Man darf nicht vergessen, dass der Schauspieler Simon Shelton (und davor Dave Thompson) in diesem massiven Anzug stecken musste, was die Koordination zu einem echten Kraftakt machte. 305 Zentimeter sind eine Ansage, die selbst Giraffen Konkurrenz macht.
Dipsy und Laa-Laa: Die massive Mitte
Dipsy, der grüne Teletubby mit dem Faible für Hüte, war mit etwa 2,71 Metern nur unwesentlich kleiner. Danach folgte Laa-Laa, die gelbe Frohnatur, mit einer Körpergröße von zirka 2,59 Metern. Hier wird deutlich, dass selbst die "Mittelklasse" der Teletubbies jeden Türrahmen in einem normalen deutschen Haushalt sprengen würde. Die issue bleibt bestehen: Warum hat man sie so groß gebaut? Die Antwort liegt in der Technik. Die Kostüme mussten Platz für die Schauspieler, die Mechanik der Augen und die interne Belüftung bieten. Ein kleineres Kostüm hätte schlichtweg nicht funktioniert, ohne dass der Mensch darin nach fünf Minuten kollabiert wäre.
Po: Die kleine Riesin
Und dann ist da noch Po. Das rote Nesthäkchen. Mit 1,98 Metern ist sie die kleinste Figur der Serie. Aber lassen wir uns nicht täuschen. Wenn Po "Eh-oh" sagt, blickt sie auf die meisten Männer dieser Welt herab. Dass sie auf ihrem Roller fahren konnte, grenzt an ein physikalisches Wunder, wenn man bedenkt, welches Gewicht und welche Hebelwirkung ein fast zwei Meter großes Wesen auf ein solches Spielgerät ausübt. Aber gut, im Fernsehen ist eben alles möglich.
Die logistische Hölle hinter den Kulissen von Ragdoll Productions
Man kann sich kaum vorstellen, was es bedeutete, diese Monster-Anzüge täglich zu bewegen. Ein Teletubby-Kostüm wog zwischen 13 und 15 Kilogramm. Das klingt erst einmal nicht nach viel, aber probieren Sie mal, dieses Gewicht bei 25 Grad Außentemperatur in einem dicken Plüschpanzer über Stunden hinweg zu tragen, während Sie freudig herumhüpfen müssen. Die Belastung für die Wirbelsäule der Darsteller war enorm. Es gibt Berichte, nach denen die Schauspieler alle zehn bis fünfzehn Minuten eine Pause brauchten, um die Köpfe der Kostüme abzunehmen und frischen Sauerstoff zu tanken.
Die Kostüme: Zentnerlasten auf den Schultern der Stars
Die Anzüge waren so konstruiert, dass der Schauspieler durch den Mund des Teletubbys schauen konnte. Das bedeutet, dass der Kopf des Menschen eigentlich im Halsbereich des Charakters saß. Wenn Tinky Winky also nach links schaute, musste der Darsteller eine gewaltige Hebelwirkung überwinden, um den massiven Schaumstoffkopf zu drehen. Wo es richtig knifflig wurde, war die Hitzeentwicklung. In den Anzügen herrschten oft Temperaturen von über 35 Grad Celsius. Da hilft auch kein "Tubby-Toast" mehr, da hilft nur noch eine Klimaanlage, die es damals im Inneren der Anzüge noch nicht in effizienter Form gab.
Belüftung und physische Erschöpfung
Die Produktion musste extrem vorsichtig sein. Es wird oft erzählt, dass Sanitäter am Set bereitstanden, falls einer der Darsteller aufgrund der Dehydration umkippte. Und das passierte. Man darf nicht vergessen, dass die Hügel im Teletubbyland zwar weich aussahen, aber für jemanden, der in einem 3-Meter-Anzug steckt, waren sie tückische Hindernisse. Ein Sturz konnte fatale Folgen haben, da man sich in dem Kostüm kaum selbstständig wieder aufrichten konnte. Es ist ein bisschen so, als würde man versuchen, in einer Hüpfburg einen Marathon zu laufen, während man einen Kühlschrank auf dem Rücken trägt.
Warum wirken sie im Fernsehen so winzig? Die Rolle der flämischen Riesenkaninchen
Hier kommt der genialste Trick der Filmgeschichte ins Spiel. Um den Zuschauern vorzugaukeln, dass die Teletubbies klein und niedlich sind, brauchte man Tiere als Größenvergleich. Normale Kaninchen wären neben einem 3-Meter-Tinky-Winky wie Ameisen erschienen. Also was hat man gemacht? Man hat "Belgische Riesen" engagiert, auch bekannt als Flämische Riesenkaninchen. Diese Tiere können bis zu 10 Kilogramm wiegen und sind so groß wie kleine Hunde.
Wenn man im Fernsehen sah, wie ein Kaninchen neben Laa-Laa herhoppelte, dachte man: "Ach, wie süß, das Kaninchen ist fast so groß wie der Fuß des Teletubbys." In der Realität war dieses Kaninchen aber ein Monster von einem Nagetier. Ohne diesen cleveren Kniff mit den Riesenkaninchen wäre die Illusion sofort aufgeflogen. Die Produzenten haben uns also quasi mit biologischen Hilfsmitteln manipuliert. Ehrlich gesagt, ist das eine handwerkliche Meisterleistung, die heute wahrscheinlich komplett durch billiges CGI ersetzt werden würde, was der Serie aber ihre Seele geraubt hätte.
Teletubbies vs. Durchschnittsmensch: Ein absurder Vergleich
Lassen Sie uns ein kleines Gedankenexperiment machen. Stellen Sie sich vor, Sie laden die vier Teletubbies zu einer Grillparty in Ihren Garten ein. Tinky Winky würde vermutlich über Ihren Zaun schauen können, ohne sich auf die Zehenspitzen zu stellen. Wenn er sich auf Ihren Gartenstuhl setzt, würde dieser unter der Last von Kostüm und Darsteller (zusammen locker 100 bis 120 kg) wahrscheinlich sofort kapitulieren. Und wehe, Dipsy möchte mit seinem Hut ins Haus gehen. Er würde den Türsturz mit der Wucht eines Abrisshammers treffen.
Wir neigen dazu, Kinderserien in einer Art geschützten Raum in unserem Gedächtnis zu speichern, in dem alles weich, klein und harmlos ist. Aber die Realität der Produktion war brutal physisch. Die Teletubbies waren keine Avatare, sie waren physische Präsenzen, die mehr Platz beanspruchten als ein ausgewachsener Elch. Das verändert den Blick auf die Serie komplett, finden Sie nicht auch? Wenn man weiß, dass da oben auf dem Hügel vier Riesen tanzen, bekommt die ganze Sendung fast schon einen Touch von "Gullivers Reisen".
Häufige Mythen über die Anatomie der Teletubbies
Es gibt viele Gerüchte, die sich hartnäckig halten. Eines davon ist, dass die Teletubbies eigentlich Außerirdische seien, deren Größe durch die geringere Schwerkraft auf ihrem Heimatplaneten erklärt werden könne. Das ist natürlich völliger Quatsch, auch wenn die Fernsehbildschirme in ihren Bäuchen durchaus für eine fortgeschrittene Technologie sprechen könnten. Die Wahrheit ist viel profaner: Die Größe war eine technische Notwendigkeit, keine erzählerische Entscheidung. Ein weiterer Mythos besagt, dass die Schauspieler auf Stelzen gingen. Das stimmt nicht. Die Füße der Kostüme waren zwar riesig, aber die Darsteller standen mit ihren eigenen Füßen fest auf dem Boden, um die nötige Stabilität für die Tanzszenen zu haben.
Manche behaupten auch, die Teletubbies hätten keine Skelette. Nun ja, innerhalb der Fiktion der Serie ist das schwer zu sagen, aber die Kostüme selbst hatten ein sehr wohl definiertes Innenskelett aus Schaumstoff und Draht, um die Form zu halten. Ohne diese Struktur wären sie wie schlaffe Säcke in sich zusammengefallen. Das erklärt auch, warum sie sich so steif bewegten. Es war weniger ein Mangel an Gelenken, sondern mehr der Widerstand des Materials.
Was die Wissenschaft zu diesen Ausmaßen sagen würde
Würden Wesen dieser Größe in der Realität überleben? Wenn wir die Teletubbies als biologische Organismen betrachten, hätten sie mit dem Quadrat-Würfel-Gesetz zu kämpfen. Wenn man die Größe eines Objekts verdoppelt, vervierfacht sich seine Oberfläche, aber sein Volumen (und damit sein Gewicht) verachtfacht sich. Ein 3-Meter-Wesen wie Tinky Winky müsste extrem dicke Knochen haben, um sein eigenes Gewicht zu tragen. Seine Beine müssten eher wie die eines Elefanten aussehen als wie die eines bunten Kuscheltiers. Aber gut, wir reden hier von einer Sendung für Vorschulkinder, da darf man die Biomechanik ruhig mal ignorieren.
Interessant ist auch der Energiebedarf. Um einen Körper von drei Metern Höhe in ständiger Bewegung zu halten, bräuchte man Unmengen an Kalorien. Tubby-Toast und Tubby-Pudding müssten eine extrem hohe Nährstoffdichte haben, fast wie Astronautennahrung, um diesen Stoffwechsel zu befeuern. Vielleicht ist das der Grund, warum sie den ganzen Tag lang nichts anderes tun als essen und tanzen. Es ist ein reiner Überlebenskampf in einem bunten Paradies.
Frequently Asked Questions: Alles, was Sie über die Maße der bunten Wesen wissen müssen
Wie groß war das Set der Teletubbies?
Das Set war eine riesige, umgebaute Farm in Wimpstone, Warwickshire. Die "Tubbytronic Superdome"-Behausung war kein Modell, sondern ein echtes, begehbares Gebäude, das teilweise in den Boden eingelassen wurde. Es war so groß, dass man darin problemlos eine kleine Wohnung hätte unterbringen können. Nach dem Ende der Dreharbeiten wurde das Gelände übrigens geflutet, weil der Besitzer keine Lust mehr auf die vielen Touristen hatte, die ständig über seine Felder trampelten.
Warum wurden keine Kinder in die Kostüme gesteckt?
Das ist eine oft gestellte Frage. Die Antwort ist simpel: Arbeitsschutz und Physis. Ein Kind hätte niemals die Kraft gehabt, diese schweren Anzüge über Stunden zu bewegen, geschweige denn die Hitze darin auszuhalten. Zudem brauchte man professionelle Tänzer und Pantomimen, um die Emotionen allein durch Körpersprache auszudrücken, da die Gesichter der Teletubbies ja weitgehend starr waren. Nur Erwachsene konnten diese körperliche Disziplin aufbringen.
Gibt es einen Unterschied zwischen den alten und den neuen Teletubbies?
In der Neuauflage der Serie, die ab 2015 produziert wurde, hat man die Größe der Kostüme tatsächlich etwas reduziert, um den Schauspielern das Leben leichter zu machen. Auch wurde viel mehr mit Green-Screen-Technik gearbeitet. Die ursprünglichen Giganten aus den 90ern bleiben jedoch unerreicht in ihrer physischen Präsenz. Die neuen Tubbys wirken irgendwie... "sauberer", aber ihnen fehlt dieser leicht unheimliche Monumentalismus des Originals.
Das Urteil: Ein Kindheitstrauma oder geniale Fernsehkunst?
Wenn ich heute darüber nachdenke, wie groß diese Wesen wirklich waren, mischt sich Bewunderung mit einem leichten Schauer. Es ist ein bisschen so, als würde man erfahren, dass der Weihnachtsmann in Wirklichkeit ein fünf Meter hoher Riese ist. Es verändert die Perspektive auf unsere eigene Kindheit. Aber genau das macht die Faszination der Teletubbies aus. Sie waren eine Welt für sich, losgelöst von unseren physikalischen Gesetzen und unseren Vorstellungen von Proportionen.
Dass die Macher es geschafft haben, diese Giganten als sanftmütige, fast schutzbedürftige Wesen zu verkaufen, ist die eigentliche Leistung. Wir sahen keine Bedrohung, wir sahen Freunde. Dass diese Freunde uns mit einem einzigen Schritt hätten zerquetschen können, haben wir glücklicherweise erst Jahrzehnte später erfahren. Und vielleicht ist das auch gut so. Die Teletubbies bleiben ein Phänomen der TV-Geschichte – groß in ihrer Wirkung und noch viel größer in der Realität. Man muss sie einfach so nehmen, wie sie sind: als die freundlichsten Riesen, die jemals über einen Hügel in England gewalzt sind.
