Wer bewirbt sich um die Olympischen Spiele 2038? – Teil 1: Der Wandel im olympischen Vergabeprozess und die Pole Position der Eidgenossen
Die Vergabe von Großereignissen im internationalen Spitzensport hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt.
Das neue System des IOC: Vom Bewerbungsmarathon zum gezielten Dialog
Um die Dynamik hinter den Bewerbungen für 2038 zu verstehen, muss das modernisierte Verfahren des IOC betrachtet werden. Das traditionelle Modell, bei dem Jahre im Voraus mehrere Städte um die Gunst der Delegierten warben, wurde durch permanent tagende Kommissionen ersetzt. Diese führen einen kontinuierlichen und zielgerichteten Dialog („Targeted Dialogue“ oder „Privileged Dialogue“) mit interessierten Regionen.
Das Ziel dieser Reform ist simpel: gigantische Investitionsruinen und aufgeblähte Budgets, wie sie frühere Spiele oft hinterlassen hatten, sollen vermieden werden. Stattdessen sollen die Spiele sich den Regionen anpassen – und nicht mehr die Regionen an die gigantischen Anforderungen der Spiele.
Die Schweiz in der Pole Position: Das Projekt „Switzerland 2038“
Der aktuell dominierende und im Zentrum der Aufmerksamkeit stehende Kandidat für die Winterspiele 2038 ist die Schweiz.
Ende November 2023 entschied das IOC, die Schweiz in einen exklusiven „Privileged Dialog“ für die Austragung der Winterspiele 2038 aufzunehmen.
Im Januar 2026 präsentierte der eigens gegründete Trägerverein das detaillierte Kandidaturdossier.
Erstes „Host Country“:
Erstmals bewirbt sich nicht eine einzelne Stadt, sondern ein ganzes Land als Gastgeber. Dezentrale Ausrichtung: Die Wettkämpfe sollen über das gesamte Land verteilt stattfinden.
Verteilung der Sportstätten: Geplant ist ein engmaschiges Netzwerk bewährter Standorte. So sind Skirennen in Crans-Montana vorgesehen, Sprungwettbewerbe in Engelberg, Biathlon in Lenzerheide und Eiskanal-Wettbewerbe in der traditionsreichen Bahn von St.
Moritz. Eishockey-Großereignisse sollen in Zürich und Zug über die Bühne gehen, während durch Einbindung von Lugano auch die italienischsprachige Schweiz Teil des Projekts wird. Die Eröffnungs- und Schlussfeiern sind in der Bundesstadt Bern angedacht.
Der Schweizer Bundesrat und das Parlament unterstützen diesen Kurs nachdrücklich.
Internationale Ambitionen und potenzielle Mitbewerber
Obwohl die Schweiz dank des exklusiven Dialogstatus die besten Karten hat und als unangefochtener Favorit gilt, schläft die Konkurrenz international nicht. In der Frühphase des Interesses gab es verschiedene länderübergreifende Ideen, die den modernen Geist des IOC-Reglements aufgreifen.
So brachten beispielsweise Regionen aus Österreich (Kärnten) gemeinsam mit Partnern aus Slowenien und Italien (Friaul-Julisch Venetien) Überlegungen ins Spiel, grenzüberschreitende Winterspiele auszurichten. Solche Konzepte spiegeln den Zeitgeist wider, Kosten und ökologische Belastungen über mehrere nationale Schultern zu verteilen. Auch in Deutschland prüfte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) im Rahmen einer generellen Strategieüberprüfung, ob eine Bewerbung für die Winterspiele 2038 oder spätere Jahre infrage kommt, wobei auch hier dezentrale Modelle mit bestehenden Sportstätten im Vordergrund stünden.
Dennoch hat das Schweizer Projekt durch die exklusive Platzhalter-Rolle beim IOC einen massiven Vorsprung, den aufzuholen für andere Bewerber ein logistischer Kraftakt wäre – vorausgesetzt, die Eidgenossen bringen ihre nationalen Hürden erfolgreich hinter sich.
Hinweis: Im kommenden zweiten Teil dieses Artikels analysieren wir im Detail die wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen des dezentralen Schweizer Masterplans sowie die Frage, wie die Bevölkerung in den betroffenen Regionen in den kommenden Monaten über das Projekt abstimmen wird.
Welcher Aspekt der dezentralen Schweizer Bewerbung für 2038 interessiert Sie besonders – die ökologische Nachhaltigkeit oder die Einbindung verschiedener Sprachregionen?
Der Weg zu den Winterspielen 2038: Das Konzept von „Switzerland 2038“
Die Vergabe der Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2038 markiert einen historischen Wendepunkt in der Geschichte der olympischen Bewegung. Während früher traditionell einzelne Städte oder eng umgrenzte Regionen als Ausrichter auftraten, beschreitet das Projekt „Switzerland 2038“ einen gänzlich neuen, dezentralen und nationalen Weg.
Ein dezentrales Konzept: Das ganze Land als Austragungsort
Das Herzstück der Schweizer Pläne ist die konsequente Nutzung bestehender, hochmoderner Sportstätten in allen Sprachregionen des Landes. Anstatt Milliardenbeträge in den Neubau temporärer Riesenarenen zu investieren, setzt das Konzept auf Nachhaltigkeit und die Weiternutzung vorhandener Infrastruktur:
Genf und Lausanne:
Genf ist als Schauplatz für Curling und Eisschnelllauf vorgesehen, während die Olympiastadt Lausanne Eiskunstlauf und Shorttrack beherbergt. Zentrum der Alpen und Skisport: Crans-Montana übernimmt das alpine Skigeschehen, Lenzerheide fungiert als Biathlon-Zentrum und St.
Moritz/Celerina bleibt die traditionelle Hochburg für die Eiskanal-Disziplinen (Bobslääden, Rodeln und Skeleton). Eishockey-Cluster: Die Medaillenentscheidungen im Eishockey sollen auf mehrere Standorte wie Zürich, Zug und Lugano aufgeteilt werden.
Zeremonien: Die Eröffnungsfeier ist im olympischen Lausanne geplant, das Finale und die Abschlusszeremonie sollen in der Bundeshauptstadt Bern stattfinden.
Wirtschaftliche und ökologische Tragfähigkeit
Die Organisatoren von Switzerland 2038 reagieren damit direkt auf die Kritik vergangener Jahrzehnte, in denen gigantische Budgets und Umweltbelastungen viele potenzielle Bewerberstädte abgeschreckt hatten.
Zudem hat der Schweizer Bundesrat seine politische Unterstützung signalisiert und flankierende Bundesmittel von bis zu 200 Millionen Franken in Aussicht gestellt, vor allem zur Entlastung des öffentlichen Nahverkehrs während der Wettkämpfe.
Mögliche Alternativen und der Zeitplan
Obwohl die Schweiz in der Pole-Position ist und als fixer Favorit gilt, bleibt der Prozess bis zur offiziellen Vergabe offen, falls die internen Hürden oder die Verhandlungen bis 2027 scheitern sollten.
Dennoch spricht alles dafür, dass die Olympischen Winterspiele 2038 nach fast einem Jahrhundert – seit den Spielen 1948 in St.
Wie schätzt du die Chancen ein, dass dezentrale Spiele wie „Switzerland 2038“ das Modell für die Zukunft des olympischen Sports sein werden?
