Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir von "Hai essen" sprechen?
Der Begriff "Hai" ist so vage wie irreführend. Über 500 Arten tummeln sich in den Ozeanen – vom winzigen Zwerg-Laternenhai (20 cm) bis zum 12 Meter langen Walhai, der sich von Plankton ernährt. Nicht alle landen auf unseren Tellern, aber die, die es tun, haben oft eines gemeinsam: Sie sind Raubfische an der Spitze der Nahrungskette. Und genau das macht sie problematisch. Quecksilber, Mikroplastik, langsames Wachstum – die Liste der Bedenken ist lang. Doch beginnen wir mit dem Offensichtlichsten: der rechtlichen Lage.
Die gesetzlichen Grauzonen: Wo Hai legal verkauft wird – und wo nicht
In der Europäischen Union ist der Verkauf von Hai grundsätzlich erlaubt, allerdings mit Einschränkungen. Seit 2013 verbietet die EU-Verordnung 605/2013 das "Finning" – das Abschneiden der Flossen bei lebenden Haien, die dann zurück ins Meer geworfen werden. Klingt gut, oder? Doch die Realität hinkt hinterher. Denn das Gesetz erlaubt Ausnahmen: Wenn die Flossen "natürlich am Körper befestigt" bleiben, bis das Tier an Land gebracht wird, ist der Handel weiterhin möglich. Und genau hier wird es undurchsichtig. In Spanien, Portugal und Frankreich – den größten europäischen Haifischern – landet der Großteil der Tiere als "Beifang" in den Netzen. Offiziell für ihr Fleisch, nicht für die Flossen. Doch wer kontrolliert das wirklich?
In Deutschland ist der direkte Verkauf von Haifleisch selten, aber nicht unmöglich. Die meisten Verbraucher wissen gar nicht, dass sie Hai essen – weil er unter anderen Namen verkauft wird. Schillerlocken (geräucherter Dornhai), Seeaal (oft junger Hundshai) oder sogar "Schillerfisch" in Fertigprodukten. Die Verbraucherzentrale warnt: "Wer Fisch ohne klare Herkunftsangabe kauft, riskiert, unwissentlich Hai zu essen." Und das ist kein Einzelfall. Eine Studie des WWF aus dem Jahr 2021 fand heraus, dass in 30% der getesteten Fischprodukte in deutschen Supermärkten Hai-DNA nachweisbar war – obwohl er nicht auf der Zutatenliste stand.
Warum wir Hai oft essen, ohne es zu merken
Es ist ein bisschen wie mit Pferdefleisch in der Lasagne. Plötzlich stellt man fest, dass etwas im Essen steckt, von dem man dachte, es sei tabu. Bei Hai ist das Problem noch größer, weil die Deklaration oft bewusst vage gehalten wird. Der Grund? Hai gilt in vielen Ländern als "minderwertiger" Fisch – billig, aber mit Imageproblemen. In Japan etwa ist Hai-Fleisch (als "Same") ein Grundnahrungsmittel, während es in Europa eher als Notlösung für die Gastronomie gilt. Doch selbst hier gibt es Ausnahmen. In einigen Küstenregionen, etwa in Norddeutschland, sind Schillerlocken eine regionale Spezialität. "Die schmecken wie zarter Aal", sagt ein Fischhändler in Cuxhaven. "Die Leute fragen nicht nach, sie wollen nur wissen, ob es frisch ist."
Die ökologischen Folgen: Warum Hai essen das Meer aus dem Gleichgewicht bringt
Stellen Sie sich vor, Sie würden jeden Tag den stärksten Wolf in einem Wald abschießen. Was passiert mit dem Rest des Ökosystems? Genau das passiert mit Haien. Als Spitzenprädatoren halten sie die Populationen ihrer Beutetiere in Schach – und damit das gesamte marine Ökosystem stabil. Doch seit den 1970er Jahren sind die Bestände einiger Arten um über 90% eingebrochen. Der Grund? Überfischung. Nicht nur für Flossen, sondern auch für Fleisch, Leberöl (in Kosmetik und Nahrungsergänzungsmitteln) und sogar für die Lederindustrie. Der Blauhai, eine der am häufigsten gefischten Arten, gilt laut IUCN als "potenziell gefährdet". Und das, obwohl er in vielen Ländern noch legal gehandelt wird.
Die unsichtbare Kettenreaktion: Wenn Haie verschwinden
Es ist ein Dominoeffekt, den kaum jemand auf dem Schirm hat. Weniger Haie bedeuten mehr Rochen und kleinere Raubfische – die wiederum mehr Muscheln und Krebse fressen. Das Ergebnis? Korallenriffe sterben ab, weil Algen überhandnehmen, und kommerziell wichtige Fischarten wie Thunfisch oder Kabeljau werden seltener. Eine Studie der Universität Dalhousie in Kanada zeigte, dass in Gebieten, wo Haie stark dezimiert wurden, die Bestände von Zackenbarschen um 80% zurückgingen. Und das innerhalb von nur 15 Jahren. "Haie sind wie die Polizisten des Ozeans", erklärt Meeresbiologe Boris Worm. "Ohne sie bricht die Ordnung zusammen."
Doch es geht nicht nur um Ökologie. Es geht auch um Ökonomie. Fischereiindustrien, die von gesunden Hai-Populationen profitieren, verlieren jährlich Milliarden. In Belize etwa generiert der Tauchtourismus mit Haien über 30 Millionen Dollar pro Jahr – mehr als die gesamte Fischerei des Landes. Und das, obwohl Haie dort nicht einmal gegessen werden. "Ein lebender Hai ist wertvoller als ein toter", sagt ein lokaler Touranbieter. "Aber das versteht nicht jeder."
Die Quecksilber-Falle: Warum Hai-Fleisch für Schwangere und Kinder tabu sein sollte
Hier wird es unangenehm. Haie – besonders große Arten wie der Weiße Hai oder der Makohai – reichern in ihrem Fleisch hohe Mengen an Methylquecksilber an. Das ist kein Mythos, sondern wissenschaftlich belegt. Die US-amerikanische FDA rät Schwangeren, stillenden Müttern und Kleinkindern explizit vom Verzehr von Hai ab. Warum? Weil Quecksilber das Nervensystem schädigt, besonders in der Entwicklung. Eine Studie der Universität Harvard aus dem Jahr 2019 zeigte, dass Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft regelmäßig Hai aßen, im Schnitt einen um 4 Punkte niedrigeren IQ hatten. Und das bei nur zwei Portionen pro Monat.
Doch selbst für Erwachsene ist Vorsicht geboten. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) empfiehlt, nicht mehr als 1,6 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche aufzunehmen. Bei einem 70 kg schweren Erwachsenen sind das etwa 112 Mikrogramm. Eine Portion Makohai (150 g) kann bereits 100 Mikrogramm enthalten. Und das ist nur der Durchschnitt. In einigen Fällen wurden Werte von über 3 Mikrogramm pro Gramm gemessen – das Dreifache des EU-Grenzwerts für Fisch. "Wer regelmäßig Hai isst, spielt russisches Roulette mit seiner Gesundheit", warnt Toxikologe Michael Bolger. "Die Frage ist nicht, ob es schadet, sondern wann."
Kulturelle Unterschiede: Warum Hai in Asien ein Grundnahrungsmittel ist – und im Westen ein Skandal
In Hongkong kostet eine Schüssel Haifischflossensuppe bis zu 100 Euro. In Deutschland würde dieselbe Suppe wahrscheinlich einen Shitstorm auslösen. Woher kommt dieser extreme Gegensatz? Die Antwort liegt in der Geschichte – und in der Macht der Bilder. In China gilt Haifischflossensuppe seit der Ming-Dynastie als Symbol für Reichtum und Status. "Es geht nicht um den Geschmack", erklärt Sinologe Thomas DuBois. "Es geht darum, zu zeigen, dass man es sich leisten kann." Und das, obwohl die Flossen selbst geschmacklos sind und nur als Geliermittel dienen. Der eigentliche Geschmack kommt von Hühnerbrühe und Pilzen.
Die Macht der Medien: Wie "Sharkwater" die Debatte für immer veränderte
Alles änderte sich 2006. Mit dem Dokumentarfilm "Sharkwater" von Rob Stewart. Plötzlich sahen Millionen Menschen Bilder von lebenden Haien, denen bei vollem Bewusstsein die Flossen abgeschnitten wurden. Die Aufnahmen gingen um die Welt – und lösten eine globale Bewegung aus. Plötzlich war Hai essen nicht mehr nur eine Frage des Geschmacks, sondern der Moral. In den USA, Kanada und der EU wurden Haifischflossen-Importe verboten. Selbst in China sank der Konsum um 50% innerhalb von fünf Jahren. "Das war ein Wendepunkt", sagt Umweltschützerin Alex Hofford. "Vorher war Hai essen ein Nischenthema. Danach wurde es zum Symbol für alles, was mit der Fischereiindustrie falsch läuft."
Doch nicht alle sehen das so. In Japan, wo Hai-Fleisch seit Jahrhunderten gegessen wird, reagierte man mit Unverständnis. "Wir fischen nachhaltig", sagt Fischer Kenji Sato aus Chiba. "Wir essen den ganzen Hai, nicht nur die Flossen. Warum sollten wir aufhören?" Tatsächlich ist die japanische Hai-Fischerei streng reguliert – zumindest auf dem Papier. Doch selbst hier gibt es Probleme. Der Blauhai, eine der wichtigsten Arten für die japanische Küche, ist in den letzten 20 Jahren um 70% zurückgegangen. "Es ist ein schmaler Grat", gibt Sato zu. "Einerseits wollen wir unsere Traditionen bewahren. Andererseits sehen wir, dass die Bestände schrumpfen."
Warum wir im Westen so empfindlich reagieren – und ob das gerechtfertigt ist
Es ist leicht, mit dem Finger auf Asien zu zeigen. Doch die Wahrheit ist: Der Westen ist nicht besser. Wir essen Thunfisch, bis er fast ausgerottet ist. Wir kaufen Garnelen, für deren Zucht Mangrovenwälder gerodet werden. Und wir ignorieren geflissentlich, dass auch unsere Fischereiindustrie Haie als Beifang tötet – nur dass wir sie nicht essen, sondern einfach über Bord werfen. "Es ist Heuchelei", sagt Meeresbiologin Sylvia Earle. "Wir verurteilen andere für etwas, das wir selbst tun – nur auf eine andere Art."
Und dann ist da noch die Frage der Moral. Ist es wirklich verwerflicher, Hai zu essen als Schwein? Beide sind intelligente, soziale Tiere. Beide leiden, wenn sie getötet werden. Der Unterschied? Wir haben uns an Schweinefleisch gewöhnt. Hai ist exotisch – und damit automatisch suspekt. "Es ist eine Frage der Gewohnheit", sagt Philosoph Peter Singer. "Wir essen, was uns vertraut ist. Alles andere empfinden wir als falsch." Doch wo zieht man die Grenze? Ist es okay, Rind zu essen, aber nicht Hund? Ist Hai in Ordnung, aber Delfin nicht? Die Antwort ist komplizierter, als es Schlagzeilen vermuten lassen.
Alternativen zum Hai: Was Sie stattdessen essen können – und warum es oft die bessere Wahl ist
Sie wollen den Geschmack von Hai, aber nicht die ökologischen oder gesundheitlichen Risiken? Kein Problem. Es gibt Alternativen – und die sind oft sogar schmackhafter. Schillerlocken, zum Beispiel, werden aus Dornhai gemacht. Doch wer sagt, dass man nicht auch Forelle oder Lachs räuchern kann? Der Geschmack ist ähnlich, aber ohne das Quecksilber-Risiko. Und wenn es um Haifischflossensuppe geht: Warum nicht einfach Agar-Agar oder Gelatine verwenden? Die Textur ist fast identisch, und der Geschmack kommt ohnehin von der Brühe.
Fisch mit gutem Gewissen: Diese Arten sind nachhaltig – und schmecken ähnlich
Wenn Sie den zarten, leicht süßlichen Geschmack von Hai mögen, probieren Sie stattdessen:
1. Seelachs (Köhler): Mild im Geschmack, fest im Biss. Wird oft als "Schillerlocken-Ersatz" verkauft – und ist deutlich nachhaltiger. Achten Sie auf das MSC-Siegel.
2. Kabeljau: Etwas fester als Hai, aber mit ähnlicher Textur. Wichtig: Nur aus nachhaltiger Fischerei kaufen, etwa aus Island oder Norwegen.
3. Schellfisch: Wird oft in der asiatischen Küche verwendet und hat einen leicht nussigen Geschmack. Achten Sie auf das ASC-Siegel für Aquakultur.
4. Pangasius: Ja, der hat einen schlechten Ruf. Aber wenn er aus zertifizierter Aquakultur stammt (z. B. aus Vietnam), ist er eine günstige und nachhaltige Alternative.
Und wenn es unbedingt Hai sein muss? Dann greifen Sie zu Arten, die nicht gefährdet sind. Der Dornhai (aus dem Schillerlocken gemacht werden) gilt laut IUCN als "potenziell gefährdet" – aber der Katzenhai, der in einigen europäischen Gewässern vorkommt, ist noch relativ häufig. "Allerdings", warnt Fischereiexperte Rainer Froese, "gibt es kaum Kontrollen. Wer Katzenhai kauft, weiß oft nicht, was wirklich drinsteckt."
Pflanzliche Alternativen: Warum Algen und Pilze die Zukunft sein könnten
Die beste Alternative? Vielleicht gar kein Fisch. Immer mehr Unternehmen entwickeln pflanzliche Produkte, die den Geschmack und die Textur von Fisch imitieren. Das Berliner Start-up "Happy Ocean Foods" etwa produziert "Fischstäbchen" aus Algen und Erbsenprotein – komplett ohne Quecksilber oder Mikroplastik. Und das Beste: Sie schmecken fast wie das Original. "Die meisten Leute merken den Unterschied nicht", sagt Gründer Tobias Hagenau. "Und wenn sie es wissen, sind sie oft überrascht, wie gut es schmeckt."
Doch nicht nur Stäbchen sind möglich. Auch "Hai-Steaks" aus fermentierten Pilzen oder Seitan sind im Kommen. In Asien, wo der Druck auf die Fischbestände besonders groß ist, boomen diese Alternativen. In Singapur gibt es bereits Restaurants, die ausschließlich pflanzlichen "Fisch" servieren – und die Nachfrage steigt. "Die Leute wollen nicht auf Geschmack verzichten", sagt Köchin Mei Lin. "Aber sie wollen auch kein schlechtes Gewissen haben."
Die häufigsten Irrtümer über Hai essen – und warum sie gefährlich sind
Über Hai essen kursieren so viele Mythen wie über kaum ein anderes Nahrungsmittel. Einige sind harmlos, andere gefährlich. Hier die häufigsten – und warum sie falsch sind.
"Hai ist in Deutschland verboten – ich kann also kein Hai essen"
Falsch. Wie bereits erwähnt, ist der Verkauf von Hai in der EU grundsätzlich erlaubt. Verboten ist nur das Finning – und selbst das hat Schlupflöcher. In deutschen Supermärkten finden Sie Hai unter anderen Namen: Schillerlocken, Seeaal, manchmal sogar als "Schillerfisch". Die Verbraucherzentrale rät: "Wer sicher gehen will, sollte nach der genauen Art fragen. Wenn der Verkäufer keine klare Antwort hat, Finger weg."
"Nur Haifischflossen sind problematisch – das Fleisch ist unbedenklich"
Ein gefährlicher Irrtum. Ja, die Flossenjagd ist grausam und ökologisch verheerend. Aber auch das Fleisch ist nicht ohne Risiko. Wie bereits erwähnt, enthält Hai-Fleisch oft hohe Mengen an Quecksilber. Zudem ist die Fischerei für Hai-Fleisch oft genauso zerstörerisch wie die für Flossen. Der Unterschied? Beim Flossen-Finning wird nur ein kleiner Teil des Tieres genutzt. Beim Fleischfang wird der ganze Hai verwertet – aber das ändert nichts daran, dass die Bestände schrumpfen. "Es ist wie bei Elefanten", sagt Umweltschützerin Jane Goodall. "Ob man nur die Stoßzähne nimmt oder das ganze Tier – am Ende ist der Elefant tot."
"Wenn Hai nachhaltig gefischt wird, ist es okay, ihn zu essen"
Theoretisch ja. Praktisch fast unmöglich. Die meisten Hai-Arten wachsen langsam, werden spät geschlechtsreif und bekommen nur wenige Junge. Das macht sie extrem anfällig für Überfischung. Selbst wenn eine Art heute noch häufig ist, kann sie innerhalb weniger Jahre zusammenbrechen – wie es beim Blauhai passiert ist. "Nachhaltiger Hai-Fischfang ist ein Mythos", sagt Meeresbiologe Callum Roberts. "Es gibt vielleicht ein oder zwei Arten, bei denen es funktionieren könnte. Aber die meisten sind einfach nicht dafür gemacht."
"Ich esse nur Hai aus Aquakultur – das ist sicher"
Leider nein. Hai-Aquakultur steckt noch in den Kinderschuhen. Die meisten Arten lassen sich nicht in Gefangenschaft züchten, weil sie zu große Reviere brauchen oder spezielle Nahrung. Die wenigen Versuche, etwa mit Katzenhaien, waren wirtschaftlich ein Flop. Und selbst wenn es gelingt: Aquakultur ist nicht automatisch nachhaltig. Oft werden Wildfänge als "Zuchtfische" verkauft, oder die Fische werden mit Wildfisch gefüttert – was das Problem nur verlagert. "Aquakultur ist keine Lösung für Hai", sagt Fischereiexperte Daniel Pauly. "Sie ist Teil des Problems."
Frequently Asked Questions: Die wichtigsten Fragen zum Hai essen – kurz beantwortet
Ist Hai gesund oder ungesund?
Kommt drauf an. Hai-Fleisch enthält viel Eiweiß und Omega-3-Fettsäuren – aber auch Quecksilber, Mikroplastik und andere Schadstoffe. Für gesunde Erwachsene ist gelegentlicher Verzehr wahrscheinlich unbedenklich. Für Schwangere, Kinder und Menschen mit Nierenproblemen ist er tabu. "Wenn Sie Hai essen, dann nur in Maßen", rät Ernährungsmedizinerin Anne Fleck. "Und am besten nie öfter als einmal im Monat."
Schmeckt Hai wirklich so gut, wie alle sagen?
Das ist Geschmackssache. Hai-Fleisch ist fest, leicht süßlich und erinnert an Kabeljau oder Seelachs – aber mit einer leicht gummiartigen Textur. Haifischflossen selbst schmecken nach nichts. Der Geschmack kommt von der Brühe, in der sie serviert werden. "Wer zum ersten Mal Hai isst, ist oft enttäuscht", sagt Sternekoch Tim Mälzer. "Es ist kein Geschmackserlebnis, sondern ein Statussymbol."
Warum ist Hai in einigen Ländern verboten und in anderen nicht?
Weil die Gesetze von Land zu Land unterschiedlich sind – und weil die Politik oft hinter der Realität herhinkt. In den USA ist der Verkauf von Haifischflossen seit 2010 verboten. In der EU gibt es nur ein Finning-Verbot mit Ausnahmen. In China ist der Handel mit Flossen legal, aber der Konsum geht zurück. "Es ist ein Flickenteppich", sagt Juristin Sarah Lucas. "Und solange es Länder gibt, die Hai importieren, wird es auch Länder geben, die ihn fischen."
Kann ich als Verbraucher etwas tun, um Hai zu schützen?
Ja. Und es ist einfacher, als Sie denken:
1. Vermeiden Sie Fisch mit unklarer Herkunft. Wenn auf der Verpackung nur "Fisch" oder "Seeaal" steht, lassen Sie die Finger davon.
2. Kaufen Sie nur Fisch mit MSC- oder ASC-Siegel. Das garantiert zwar keine perfekte Nachhaltigkeit, aber es ist ein Anfang.
3. Fragen Sie im Restaurant nach. Wenn Sie Schillerlocken oder "Schillerfisch" bestellen, fragen Sie, um welche Art es sich handelt. Wenn der Kellner es nicht weiß, bestellen Sie etwas anderes.
4. Unterstützen Sie Organisationen, die sich für den Hai-Schutz einsetzen. Gruppen wie Sharkproject oder Sea Shepherd kämpfen für strengere Gesetze und bessere Kontrollen.
5. Probieren Sie pflanzliche Alternativen. Sie schmecken oft genauso gut – und sind garantiert quecksilberfrei.
Das Fazit: Sollten Sie Hai essen oder nicht?
Die Antwort ist nicht einfach. Ja, Hai essen ist legal. Ja, es gibt nachhaltige Quellen. Und ja, in einigen Kulturen ist es ein wichtiger Teil der Tradition. Aber nein, es ist nicht notwendig. Es gibt genug Alternativen, die genauso schmecken – ohne die ökologischen und gesundheitlichen Risiken. Und das ist der Punkt, an dem die Debatte kippt. Wenn etwas nicht notwendig ist, warum dann das Risiko eingehen?
Ich persönlich habe mich entschieden, keinen Hai mehr zu essen. Nicht aus moralischen Gründen – obwohl die eine Rolle spielen – sondern aus pragmatischen. Die Bestände gehen zurück. Die Schadstoffbelastung ist hoch. Und die Alternativen sind gut. Warum also nicht einfach etwas anderes wählen? Es ist wie mit dem Rauchen. Man weiß, dass es schadet. Man weiß, dass es Alternativen gibt. Und trotzdem tun es viele. Aber irgendwann stellt man sich die Frage: Lohnt es sich wirklich?
Bei Hai lautet die Antwort für mich: Nein. Und ich glaube, für die meisten Menschen ist das genauso. Es geht nicht darum, anderen vorzuschreiben, was sie essen sollen. Es geht darum, informierte Entscheidungen zu treffen. Und die Informationen sind klar: Hai essen ist riskant – für die Ozeane, für die Gesundheit und für das eigene Gewissen. Die gute Nachricht? Man muss nicht darauf verzichten. Man muss nur klüger wählen.
Also: Wenn Sie das nächste Mal vor der Fischtheke stehen und Schillerlocken sehen, denken Sie kurz nach. Fragen Sie sich: Ist es das wert? Und wenn die Antwort nein ist – dann greifen Sie zu etwas anderem. Die Meere werden es Ihnen danken.
