Der klassische Reisende – ein bisschen langweilig, ehrlich gesagt
Na ja, „Reisender“ – das ist natürlich die offensichtliche Antwort. Klingt aber irgendwie… nüchtern. Wie aus einem Reiseführer von 1983. „Herr Müller, Reisender, gebucht für zwei Nächte.“ Nein, das passt nicht wirklich, wenn du jemanden meinst, der förmlich lebt für das Unterwegssein.
Wanderer – aber nicht nur im Harz
Ich hatte mal einen Freund, Tom – der war so einer. Jedes Wochenende irgendwo mit Rucksack unterwegs. Wandern, Pilgern, mal auf dem Jakobsweg, mal quer durch die Schweizer Alpen. Den hab ich dann irgendwann einfach „Wanderer“ genannt. Aber Moment – ist das nicht was anderes?
Also, im übertragenen Sinne schon. „Wanderer“ klingt nach Sehnsucht, nach Bewegung, nach Unterwegssein. Es hat so was Poetisches, findest du nicht? Goethe hätte dazu bestimmt was geschrieben. Aber heute? Heute klingt’s fast ein bisschen… romantisch überladen?
Weltenbummler – das klingt nach Abenteuer
Dann gibt’s ja noch „Weltenbummler“. Das ist mein Favorit, ehrlich. Klingt lustig, dynamisch, ein bisschen schräg. Wer das ist, der kennt nicht nur Paris und Mallorca, sondern auch das kleine Dorf irgendwo in Usbekistan, von dem noch keiner was gehört hat.
Meine Tante Gisela – die war mal in einem Hostel in Bali neben einem Typen, der seit fünf Jahren nicht mehr zu Hause war. Keinen festen Wohnsitz, lebte von Bloggertipps und Gelegenheitsjobs. Den hat sie „Weltenbummler“ genannt, und das passte. Total. Obwohl er selber meinte: „Ich bin kein Abenteurer, ich bin nur… unfähig, einen Job zu behalten.“
Backpacker, Globetrotter, Nomade – was passt wofür?
„Globetrotter“ – klingt edel, aber irgendwie ein bisschen vorfabriziert. Wie ein Werbeslogan. „Sie suchen einen Globetrotter? Wir haben die passende Versicherung.“ Also, nett, aber nicht wirklich persönlich.
„Backpacker“ – ja, das ist klar: junger Mensch, Rucksack, Hostel, wenig Geld, viel Zeit. Aber was, wenn die Person 55 ist und trotzdem jedes Jahr in ein neues Land fliegt? Ist sie dann kein Backpacker mehr? Quatsch, Alter hat damit nichts zu tun. Aber das Wort bleibt jung.
Und dann der „Nomade“. Oh. Der ist tief. Der berührt was. Digitale Nomaden, ja, das ist heute ein Ding. Aber eigentlich ist Nomade jemand, der nicht nur reist, sondern sein Leben auf der Bewegung aufbaut. Keine Heimat im klassischen Sinn. Klingt cool, aber auch ein bisschen einsam, oder?
Und wenn’s einfach nicht in ein Wort passt?
Hier kommt’s: Manchmal ist es eigentlich zu schade, jemanden in ein einziges Wort zu stecken. Meine Schwester sagt immer: „Mensch, du bist so ein Reisevirus-Träger.“ Weil ich immer alle anstecke mit meinen Geschichten. „Du warst wo? Wie? Warum hab ich da noch nie von gehört?“ Genau das.
Also, vielleicht gibt’s das perfekte Wort gar nicht. Vielleicht ist jeder anders. Vielleicht ist der eine ein Entdecker, der nächste ein Flüchtling vor dem Alltag, ein anderer einfach nur süchtig nach neuen Eindrücken.
Was treibt uns eigentlich an?
Weißt du, was mich beeindruckt? Dass Leute, die viel reisen, oft nicht nur neue Orte sehen wollen. Sondern sich selbst. Ich war mal in Marrakesch, total überfordert, habe mich verlaufen, kein Wort Arabisch, kein Plan. Und in diesem Moment – total gestresst – hab ich mich plötzlich total lebendig gefühlt. Vielleicht geht’s genau darum. Nicht nur um „Urlaub“, sondern um das Gefühl: Ich bin hier. Jetzt. Mitten drin.
Daher denke ich: Wer gerne reist, der ist vielleicht vor allem eins – neugierig. Auf die Welt, auf Menschen, auf Gerüche, auf Momente, die man nicht planen kann.
Fazit: Nenn ihn, wie er lebt
Also, wie nennt man jemanden, der gerne reist? Keine Ahnung. „Reisefanatiker“? Klingt doof. „Ortswechsler“? Noch schlimmer.
Ich sag einfach: „Du, du bist wieder unterwegs, du Weltenbummler.“ Oder manchmal: „Du Nomade, komm mal wieder runter von der Couch in Bangkok.“
Hauptsache, es passt. Und du merkst: Es geht nicht um das Wort. Es geht um die Sehnsucht. Um das Kofferpacken am Freitagabend. Um das Gefühl, wenn der Zug abfährt oder das Flugzeug abhebt. Um das „Was kommt jetzt?“
Du weißt, was ich meine?
Am Ende: Wer viel reist, ist vielleicht am besten einfach nur… unruhig. Auf die schönste Art unruhig.
