Eine Operation der Nasenscheidewand, in der Fachsprache als Septumplastik bezeichnet, zählt zu den am häufigsten durchgeführten chirurgischen Eingriffen im Bereich der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde.
Die kurze und direkte Antwort lautet: Ja, es wird genäht. Die Nahttechnik spielt in der modernen Nasenchiurgie eine absolut zentrale Rolle. Sie dient nicht nur dem Verschluss der Zugänge, sondern sichert auch den langfristigen Erfolg der Begradigung. Doch wie genau muss man sich das vorstellen? In diesem ersten Teil unseres ausführlichen Expertenartikels beleuchten wir die anatomischen Grundlagen, die chirurgischen Methoden und die essenzielle Funktion von Nähten bei einer Septumplastik.
1. Die Anatomie der Nasenscheidewand und das Ziel des Eingriffs
Die Nasenscheidewand (das Septum) teilt unsere Nase in zwei Hälften. Sie besteht aus einem vorderen, sehr flexiblen Knorpelanteil und einem hinteren, festen Knochenanteil, die beide von einer sensiblen Schleimhaut überzogen sind.
Wenn diese Krümmung jedoch so ausgeprägt ist, dass sie den Luftfluss mechanisch blockiert, spricht man medizinisch von einer Septumdeviation. Um diese zu korrigieren, erfolgt der chirurgische Eingriff in der Regel komplett durch das Naseninneren.
Der Zugang: Der Chirurg setzt einen feinen Schnitt direkt an der Schleimhaut der Nasenscheidewand.
Die Präparation: Die empfindliche Schleimhaut wird vorsichtig von dem darunterliegenden Knorpel und Knochen abgehoben (untertunnelt).
Die Korrektur:
Verkrümmte Knorpel- und Knochenstrukturen werden sparsam entfernt, begradigt oder in eine exakte Mittelposition gebracht.
2. Warum und an welchen Stellen wird bei der Operation genäht?
Da die Schleimhaut während des Eingriffs vom Stützgerüst abgelöst werden muss, entsteht im Inneren der Nase eine Operationswunde.
Der Verschluss des Schleimhautschnitts
Der primäre Grund für eine Naht ist der direkte Wundverschluss. Der Schleimhautschnitt, über den der Operateur in das Innere der Nasenscheidewand gelangt ist, muss präzise adaptiert werden. Hierfür verwenden Chirurgen hochmoderne, meist selbstauflösende Fäden (resorbierbare Nähte). Das hat den großen Vorteil, dass die Fäden nach der Einheilung nicht mühsam gezogen werden müssen, sondern sich nach einigen Tagen bis Wochen von selbst auflösen.
Fixierungs- und Stütznähte (Transfixationsnähte)
Eine verkrümmte Nasenscheidewand hat oft ein „Gedächtnis“: Knorpel neigt dazu, nach einer Begradigung wieder in seine alte, verbogene Form zurückzufedern. Um dies zu verhindern, nutzt die moderne Rhinochirurgie sogenannte Fixierungsnähte.
Diese Fäden gehen oft durch die gesamten Schichten der Nasenscheidewand hindurch.
Sie fixieren den begradigten Knorpel fest an stabilen Nachbarstrukturen oder halten die Schleimhautblätter beidseitig eng an den Knorpel an.
Dadurch wird vermieden, dass sich nach dem Eingriff Blut oder Wundflüssigkeit zwischen den Schichten ansammelt (ein sogenanntes Septumhämatom), was die Heilung massiv stören würde.
3. Die Kombination mit modernen Stabilisierungshilfen
Zusätzlich zu den feinen Nähten im Schleimhautgewebe setzen viele Operateure heute ergänzende Hilfsmittel ein, um das Operationsergebnis abzusichern. Dazu gehören weiche Silikonschienen (auch Splints genannt).
In den letzten Jahren hat sich zudem die Technik etabliert, bei vielen reinen Septumplastiken komplett auf klassische, feste Nasentamponaden (die oft als unangenehm empfunden werden) zu verzichten.
Möchten Sie im zweiten Teil erfahren, wie sich diese Nähte in den Tagen nach der Operation anfühlen, wann sie sich auflösen und worauf Sie bei der Nasenpflege besonders achten müssen?
Die finale Fixierung: Warum Nähte bei der Septumplastik unverzichtbar sind
Nachdem die knöchernen und knorpeligen Anteile der Nasenscheidewand im Rahmen einer Operation (Septumplastik) präzise abgelöst, begradigt oder in Teilen reseziert wurden, steht der wichtigste Schritt für den langfristigen Heilungserfolg bevor: die anatomische Rekonstruktion. Entgegen der häufigen Annahme, dass das Gewebe einfach sich selbst überlassen wird oder ausschließlich durch äußere Hilfsmittel verheilt, spielen fehlerfreie chirurgische Nähte eine zentrale Rolle.
Chirurgen nutzen hierbei hochspezialisierte, resorbierbare (selbstauflösenden) Fäden, die sich nach einigen Wochen von selbst auflösen und somit kein schmerzhaftes Ziehen nach der Wundheilung erfordern. Diese Fäden erfüllen im OP-Gebiet mehrere kritische Aufgaben:
Schleimhautfixierung: Die empfindliche, zuvor abgehobene Nasenschleimhaut (Mukoperichondrium) muss wieder flächig auf den Knorpel- und Knochengerüsten anliegen. Ohne Naht würde sich hier Blut oder Wundwasser ansammeln, was zu gefährlichen Hämatomen oder Abszessen führen kann.
Verschluss des Zugangsschnitts: Der initial gesetzte, meist im vorderen Nasenbereich (am Nasensteg oder direkt an der Schleimhautkante) liegende Schnitt wird mittels exakter Einzelknopf- oder fortlaufender Nähte luft- und keimarm verschlossen.
Interne Stabilisierung des Knorpels: Bei komplexen Verkrümmungen im vorderen Nasenbereich (oft nach früheren Traumata) werden korrigierte Knorpelstücke mit feinen Nähten direkt in der Idealposition eingenäht, um ein Wiederabknicken zu verhindern.
Unterstützung durch Schienen und modernste Techniken
Die chirurgische Naht bildet das Fundament, wird jedoch in der modernen Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde häufig mit weiteren Retentionselementen kombiniert. Um die frisch vernähten Gewebeschichten optimal zu unterstützen, verwenden Operatoren standardmäßig sogenannte Silikonschienen (Splints).
Diese weichen Plastikfolien werden beidseitig an die Nasenscheidewand angelegt und meist mit einem einzigen, transfixierenden Halternaht-Faden durch die Scheidewand hindurch fixiert. Sie verhindern wirksam das Verrutschen des Gewebes, minimieren das Risiko von Verwachsungen (Synechien) und entlasten die feinen Wundnähte in den ersten Tagen nach dem Eingriff.
Klassische, fest stopfende Nasentamponaden, die von vielen Patienten gefürchtet werden, kommen dank dieser modernen Naht- und Schienungstechniken heute immer seltener zum Einsatz. Das Ziel ist eine "tamponadefreie" Operation, bei der Patienten unmittelbar nach dem Aufwachen durch die Nase atmen können.
Postoperative Phase: Was für den Nahtbereich wichtig ist
Die Qualität der inneren Naht entscheidet maßgeblich darüber, wie unkompliziert die Heilungsphase verläuft. Da die Fäden im feuchten Milieu der Nasenschleimhaut arbeiten, ist eine sorgfältige Nachsorge vonseiten des Patienten entscheidend:
Kein Druck und kein Schneuzen: In den ersten ein bis zwei Wochen darf die Nase unter keinen Umständen kräftig ausgeschnäuzt werden. Ein starker Innendruck könnte die frischen Nähte reißen lassen und Nachblutungen auslösen.
Feuchtigkeitspflege: Regelmäßige Nasenduschen mit isotonischer Salzlösung und das Auftragen spezieller, vom Arzt verordneter Salben (z. B. Dexpanthenol-Nasensalbe) halten das Gewebe geschmeidig und unterstützen die Auflösung der Fäden.
Kontrolltermine: Nach etwa 7 bis 10 Tagen werden die Silikonschienen und eventuelle äußere Haltefäden in der Praxis entfernt. Dieser Vorgang ist dank der vorherigen Vorbereitung in der Regel schmerzfrei.
Fazit: Präzision entscheidet über die freie Atmung
Die Frage, ob bei einer Nasenscheidewand-OP genäht wird, lässt sich folglich mit einem klaren Ja, und das sogar an mehreren Stellen beantworten. Die Naht ist das wichtigste handwerkliche Werkzeug des Chirurgen, um die anatomischen Strukturen dauerhaft in die anatomisch korrekte Mittellinie zu bringen. Durch den Einsatz resorbierbarer Fäden in Kombination mit flexiblen Silikonschienen verläuft der Heilungsprozess heute deutlich schonender als noch vor einigen Jahrzehnten. Das Resultat ist eine stabile, gerade Nasenscheidewand, die langfristig eine unbeschwerte und freie Nasenatmung ermöglicht.
Haben Sie nach Ihrer Operation oder im Zuge der Planung noch Fragen zu den verwendeten Nahtmaterialien oder zur Dauer der postoperativen Schonzeit?
